Gefahren

Brut- und Setzzeit: Deshalb lebt der Tiernachwuchs gefährlich

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Drohnen sind im Einsatz, um während der Mähzeit Jungtiere, vor allem den Rehnachwuchs, aufzuspüren, bevor der Mähdrescher den Tod bringt.

Es ist Brut- und Setzzeit, die Kleinen leben ziemlich gefährlich. Das sind die Gründe.

Ostkreis – Über tierische, aber auch menschlichen Gefahren für Brut- und Jungtiere informiert Wildmeister Klaus Burow aus Hainburg. Zu den natürlichen Feinden der Setz- und Bodenbrüter zählen Dachs, Marder, Waschbär oder auch Greif- und Rabenvögel. Die Liste der sogenannten Prädatoren, also Tiere, die zum Zweck der Nahrungsaufnahme plündern, rauben und meist töten, ist natürlich noch weit länger. „Die Natur ist oft grausam, aber es ist ein natürlicher Kreislauf“, sagt Wildmeister Burow. Der Fuchs sei beispielsweise die „Gesundheitspolizei“ im Revier. Nicht immer sei es sinnvoll in die natürliche Wildheit einzugreifen und sie in eine der Natur widerstrebende Sanftheit verwandeln zu wollen.

Eine fast größere Bedrohung für die Jungtiere ist inzwischen aber der Mensch. Durch den Einsatz von Landmaschinen sterben bundesweit pro Saison Kitze, Hasen und Vögel im mehrfach sechsstelligen Bereich, weiß der Wildmeister.

Jagdhunde sollen Felder absuchen

Die Mähzeit, auch Mahd genannt, beginnt im April, es folgen weitere drei bis vier Schnitte. Dies bedeutet, dass die Gefahr für die Jungtiere bis September oder auch Oktober besteht. Ein wichtiges Thema, über das man sich auch im Städtchen Gedanken gemacht hat.

Die vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen sind vielfältig. Beispielsweise das Absuchen der Felder mit ausgebildeten Jagdhunden, das Aufstellen von Wildscheuchen oder die empfohlene Mahd von innen nach außen, damit den Tieren eine letzte Fluchtmöglichkeit bleibt. In Seligenstadt und der Gemeinde Hainburg setzt man inzwischen jedoch auch auf den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera.

Grausamer Tod von Rehkitzen durch Mähdrescher

Um den grausamen Tod von Rehkitzen durch Mähdrescher zu verhindern, hatte die Gemeinde Hainburg im vergangenen Jahr Peter Schließmann vom Land Hessen engagiert. Er lenkte eine Drohne über Wiesen, um den Rehnachwuchs aufzuspüren. Wird ein Tier gefunden, wird es von Helfern, die Handschuhe tragen, an einen sicheren Ort gebracht und nach dem Mähen wieder an derselben Stelle abgelegt, damit die Ricke sich dann wieder um ihr Junges kümmern kann.

Für Wildmeister Burow die eindeutig effektivste Methode. Der Einsatz dieser modernen Technik biete einen klaren Vorteil gegenüber den üblichen „Vergrämungsmethoden“ oder der sehr zeitaufwendigen, manuellen Suche durch Helfer.

Das Fluggerät kann binnen sehr kurzer Zeit mehrere Hektar Land abscannen. Der Einsatz erfolgt dabei kurz nach Sonnenaufgang. Im kühleren Gras zeichnen sich die kleinen Körper auf den Infrarot-Bildern deutlich ab. Dies ermöglicht es den geschulten Helfern, sich schnell und gezielt um die Rettung zu kümmern. An dieser Stelle noch ein wichtiger Appell von Burow: „Wer ein Kitz findet, sollte es nie mit den bloßen Händen berühren. Der fremde Geruch führt dazu, dass die Ricke das Kind nicht mehr annimmt.“

Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Revierinhabern ist entscheidend

Wichtig für eine erfolgreiche Rettungsaktion ist aber zuerst eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Revierinhabern. Auch im Bereich Forstwirtschaft wurden die Mitarbeiter entsprechend sensibilisiert, berichtet Klaus Burow weiter. Ein Nest im Baum bedeutet beispielsweise: zunächst keine Fällung!

Aber es gibt noch ein weiteres, von Menschenhand geschaffenes markantes Problem. Jungvögel brauchen in den ersten Wochen sehr viel tierisches Eiweiß für eine gute Entwicklung des Knochengerüstes, also Insektenkost. Doch wird es für Vögel immer schwieriger, die entsprechende Nahrung für ihre Jungen zu finden. Laut Wildmeister Klaus Burow ist auch hier im Umkreis durch die vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen und die Bebauungsdichte die Insektenvielfalt merklich rückläufig. Er wünscht sich deshalb, dass Garten-, aber auch Balkonbesitzer sich für eine „naturnahe“ Bepflanzung entscheiden, die es den Insekten ermöglicht, sich anzusiedeln und zu vermehren.

VON DORIS BECKER-HERR

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