Moderne Körperkunst

Esther Keller wird Zweite bei Bodypainting-Weltmeisterschaft

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Sechs Stunden muss ein Bodypainting-Model still halten, bis Esther Keller mit der Arbeit fertig ist.

Was zunächst nur ein Hobby war, wurde bald zu einer außergewöhnlichen Leidenschaft: Vor wenigen Tagen belegte die Klein-Krotzenburgerin Esther Keller (31) den zweiten Platz bei der dreitägigen Weltmeisterschaft im Bodypainting im österreichischen Klagenfurt.

Hainburg –  In Deutschland sind gerade einmal zwischen zehn und 15 professionelle Bodypainter bekannt, Esther Keller zählt damit nun zur Bundesspitze und vermittelt einen ganz besonderen Einblick in die moderne Körperkunst.

„Malen war schon immer mein Hobby“, erzählt die Kunst- und Theologie-Studentin und erinnert sich an die ersten Schritte mit der kleinen Schwester Judith, die sich als Kind immer schminken lassen wollte, das Geburtstagsgeschenk einer Palette mit sechs Farben allerdings lieber ihrer großen Schwester weiter gab. „Die frühen Ursprünge meiner Leidenschaft liegen in der Seligenstädter Fastnacht“, antwortet die Künstlerin auf die Frage, wie sie zur Körperkunst gekommen sei.

Während sie zunächst nur daheim oder für Fastnachtsveranstaltungen ihr Gesicht bemalte, wurde nach und nach sowohl ihr eigenes als auch das Interesse anderer an ihrer Malerei immer größer. Sie begann, fremde Gesichter und Babybäuche zu bemalen, und intensivierte ihre Kunst im Laufe der Jahre.

Wirft man heute einen Blick auf Esther Kellers riesigen, bunt leuchtenden Farbkasten, wird klar, dass das Bodypainting für die Hainburgerin weitaus mehr ist als nur ein Zeitvertreib. Stolz präsentiert die 31-Jährige den gewonnenen Pokal: „Mit nur einem Punkt Rückstand bin ich unter fast 40 Teilnehmern Zweite geworden“, sagt sie. Das Festival findet seit 1998 jährlich statt und lockt tausende Besucher aus aller Welt an.“ Das Spektrum der Kategorien, in denen die Künstler aus aller Welt antreten können, reicht von „Amateure, Pinsel, Schwamm“, die Kategorie, in der auch Esther Keller antrat, über „Facepainting“ bis hin zu „Special Effects“, wo sogar Objekte an den Körpern der Modelle angeklebt werden.

In diesem Jahr lautete das Thema „Galactical Zoo“. Den Künstlern war es selbst überlassen, das Motto zu interpretieren und künstlerisch umzusetzen.

Da neben der Idee des Künstlers auch die Wirkung der Gesamtkomposition mit Präsentation des Modells und darüber hinaus auch die Technik und Präzision der Ausarbeitung in die Wertung der Jury mit einfließen, „muss man sich mit seiner Idee von den anderen Künstlern abheben“, erläutert die alleinerziehende Mutter.

In ihrer Ausarbeitung thematisierte sie das Sternbild der griechischen Sagengestalt der Kassiopeia und fügte ein selbst geschriebenes Gedicht bei, zu dem ihr Modell das aufgetragene Motiv samt passender Choreografie der Jury vortrug.

Doch die aufwändige Konzeptentwicklung und der Tag des Wettbewerbs sind nicht nur für die Künstler eine große Anstrengung: „Sechs Stunden freier Stand ohne Bewegungsfreiheit, danach vor der Jury eine Choreographie aufführen und anschließend auch noch für Bilder zu posieren, ist eine körperliche Höchstleistung, die von den Modellen abverlangt wird.“, macht Keller deutlich.

Die Künstlerin legt großen Wert auf Hygiene und verdeutlicht, dass einige häufig verwendete Schminkfarben gar nicht verifiziert sind und bei falscher Verwendung sogar gesundheitliche Risiken darstellen. 2018 trat Esther Keller bei „Tobis Städtetour“ im Hessen-Fernsehen mit einem Live-Bodypainting am Seligenstädter Mainufer auf. Zwei ihrer Werke erschienen bereits in amerikanischen Zeitschriften. Keller träumt von weiteren internationalen Erfolgen mit dem Ziel, bei der Weltmeisterschaft einmal Erstplatzierte in der Kategorie der Profis zu werden.

Und einen weiteren Traum hat die Künstlerin, die auch bei den Kunstfreunden Hainburg aktiv ist: „Meine Kunst eines Tages im eigenen Atelier betrachten und viele Menschen von der modernen Körperkunst begeistern.“

VON ELENA WOLF

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