Acht Prozent Schwund

Wo ist das verschwundene Wasser von Hainburg? Die Stadt will engmaschiger überwachen

Hainburger Wasserverluste: Mal Rohrbruch, mal Leck
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Hainburger Wasserverluste: Mal Rohrbruch, mal Leck

Wasser sparen wird in vielen Privathaushalten groß geschrieben. Der Eigenbetrieb Gemeindewerke in Hainburg oder die Stadtwerke in Seligenstadt tun sich da ungleich schwerer.

Ostkreis – Oft klafft eine nicht unerhebliche Differenz zwischen dem Bezug vom Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) und der letztlich an die Verbraucher weiterverkauften Menge. Hainburgs Grüne griffen kürzlich (wie berichtet) einen drastischen Fall auf. Danach hatte die Gemeinde beim ZWO fast 790 000 Kubikmeter Wasser bezogen, aber lediglich 636 500 Kubik an die Nutzer verkauft. Damit, so die Öko-Partei, seien mehr als 150 000 Kubik verloren gegangen, fast 20 Prozent.

Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) sagt dazu, nicht das gesamte gekaufte Wasser gehe an die Endverbraucher. „Ein Teil wird für die Spülung des Wasser- und Kanalnetzes verwendet oder an die Feuerwehr abgegeben. Auch wenn diese Menge nicht genau zu ermitteln ist, war wegen der vielen Waldbrände in vergangenen Jahren ein steigender Verlust zu verzeichnen.“

Der größte Teil davon, so der Rathauschef weiter, komme durch Brüche oder Defekte an gemeindlichen Rohren zustande. „2018 waren besonders hohe Verluste zu verzeichnen, da es neben vielen kleineren einen recht großen Rohrbruch gab, der lange unbemerkt blieb.“ Das passiere öfter, weil Wasser anfangs oder dauerhaft im Erdreich versickere und sich kein Schaden an der Oberfläche zeige. In der Tat weisen die Prüfberichte der RHG Treuhand Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Jahre ab 2013 in Hainburg – bei deutlichen Schwankungen – geringere jährliche Wasserverluste aus, jeweils mit Verweis auf Feuerwehr, Rohrnetz- und Kanalspülung. Weitere Ursachen sein nicht zu ermitteln. 2013 betrug der Hainburger Wasserverlust 44 520 Kubik, 2014 waren es 90 585 Kubik, 2015 dann 57 000 und 2016 schon 62 090 und 2017 sogar 74 600 Kubik. Die Mengen lagen damit zwischen 8 und 13 Prozent, dann kam das verlustreiche Jahr 2018.

Seligenstadts Bürgermeister Daniell Bastian kennt die Problematik, über Wasserverluste sei erst kürzlich in der Stadtwerke-Betriebskommission diskutiert worden. Bei einem Bezug von 1,05 Millionen Kubikmetern liegt der Schwund nach seinen Angaben bei 7 bis 8 Prozent. Unentdeckte Lecks in Leitungen oder, wie jüngst in Froschhausen, mehrere Rohrbrüche unter einer Straßenpassage binnen weniger Tage könnten die Verlustmenge deutlich erhöhen, bestätigt er.

Aufgrund der enormen 2018er Verluste hat sich die Leitung des Hainburger Eigenbetriebs entschlossen, engmaschigere Überwachung an den Übergangsschächten einzuführen. „Da nachts kaum Wasser verbraucht wird, ist ein Anstieg in der Zeit sicheres Indiz für einen Schaden“, sagt Böhn. Durch Trennung in Einzelnetze werde versucht, die Stelle näher einzugrenzen. Anschließend könne eine Fachfirma sie mit speziellen Ortungsgeräten lokalisieren. Je genauer diese Ortung, desto geringer die Kosten für die Tiefbauarbeiten.

„Dadurch konnten wir die Verluste von 2018 schon ein Jahr später wieder auf einen für unser großes, verzweigtes Netz verträglichen Wert von etwa sieben Prozent reduzieren“, resümiert Bürgermeister Böhn. Von Michael Hofmann

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