Anwohnerprotesten in der Neuen Ortsmitte

Widerstand gegen Straßenumbau

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Die sprichwörtlichen dunklen Wolken über der Ludwig-Erhard-Straße könnten sich bald wieder verziehen: Die Gemeinde Hainburg ist beim Straßenaus- und -umbau um eine Lösung bemüht, mit der auch die Anwohner leben können. Diese fürchten unter anderem um den Baumbestand.

Hainburg - Der geplante Straßenaus- und -umbau in der Ludwig-Erhard-Straße in der Neuen Ortsmitte hat zu Widerspruch der Anwohner geführt, die um Parkplätze und Bäume bangen. Die Gemeindeverwaltung ist um eine Lösung bemüht, mit der alle leben können. Von Katrin Stassig 

Die Ludwig-Erhard-Straße in der Neuen Ortsmitte ist bis dato zweigeteilt; lange trennte eine große Wiese die beiden Abschnitte, inzwischen ist dort eine Baustelle eingerichtet. Die Baulücke war ursprünglich für Sozialen Wohnungsbau vorgesehen, nun sollen dort, wie mehrfach berichtet, Reihenhäuser errichtet werden. Der Bebauungsplan von 1990 war nach Beschluss der Gemeindevertretung im Jahr 2016 entsprechend geändert worden. Im Zuge der Erschließungsarbeiten muss auch die Lücke in der Ludwig-Erhard-Straße geschlossen werden – aus zwei Sackgassen wird damit eine Durchgangsstraße. Die bisherige Planung der Gemeinde sieht vor, dass dafür auch die bestehenden Abschnitte der Straße neu gestaltet werden. Viele der Anwohner sind damit alles andere als glücklich, weil dadurch Parkflächen vor den Häusern wegfallen und Bäume weichen müssten.

Karl-Heinz Maurer und seine Frau Erika wohnen im südlichen Teil der Ludwig-Erhard-Straße in einem von fünf Reihenhäusern (Hausnummern 16 bis 24). Seine Einwände gegen die Tiefbaumaßnahme hat er der Gemeindeverwaltung mehrfach schriftlich dargelegt, hat Unterschriften seiner Nachbarn gegen die Maßnahme gesammelt. Laut den Plänen, die das Bauamt in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro entworfen hat, soll die Fahrbahn zweigeteilt werden, und auf einem Mittelstreifen sollen Parkplätze entstehen. Um dafür Platz zu schaffen, müssten die Gehwege verkleinert werden. Parkbuchten vor den Häusern würden wegfallen, außerdem müssten die inzwischen recht stattlichen Bäume gefällt werden, die vor den Häusern wachsen. Auch ihre kleinen Vorgärten haben die Anwohner begrünt, fürchten nun um die wohnliche Atmosphäre ihres Straßenabschnitts, wenn dieser in eine „Betonpiste“ verwandelt würde.

Die Häuser in der Neuen Ortsmitte sind vor rund 20 Jahren gebaut worden, und schon damals lief nicht alles rund. Öffentliche Parkplätze wurden vor Einfahrten angelegt, sind deshalb nur für Anwohner nutzbar. Die Reihenhäuser an der Ludwig-Erhard-Straße wurden teilweise zu tief gebaut, die Einfahrten zu den Tiefgaragen sind so steil, dass die Bewohner diese so gut wie nicht nutzen. Einige Fahrzeugmodelle setzen auf, und beim Ausfahren liegen die Dächer der gegenüberliegenden Häuser im Sichtfeld, nicht aber kreuzende Autos oder Fußgänger.

Auf dem nördlichen Abschnitt der Ludwig-Erhard-Straße wurde ein Teil des öffentlichen Gehsteigs abgesenkt, um die Einfahrt zu erleichtern. Sollte es durch diese Absenkungen zu einem Unfall kommen, wenn etwa ein Fußgänger dort stürzt, wäre die Gemeinde haftpflichtig. Der abgesenkte Teil des Gehwegs soll deshalb durch neue Markierungssteine abgetrennt und den privaten Anliegern überlassen werden, damit sie weiterhin ihre Einfahrten nutzen können. Auf der anderen Seite befinden sich wiederum Vorgärten im öffentlichen Raum. Auch dieses Gelände möchte die Gemeinde unbürokratisch an die Anwohner abgeben, um klare rechtliche Verhältnisse zu schaffen. Wer für die Fehlplanung seinerzeit verantwortlich war, lässt sich zwei Jahrzehnte später nicht mehr nachvollziehen.

Kosten sollen den Anwohnern für die Umgestaltung übrigens nicht entstehen. Gut eine Million Euro sind für den Ausbau der Ludwig-Erhard-Straße inklusive der Erschließungsarbeiten auf dem neuen Abschnitt veranschlagt.

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Ziel des Straßenumbaus ist laut Bürgermeister Alexander Böhn (CDU), die Missstände zu beheben und auf dem Mittelstreifen öffentliche Parkplätze zu schaffen, die durch die Situation vor den Grundstücken faktisch nicht vorhanden seien. Bei ersten Terminen mit Anwohnern habe es zu diesen Plänen wenig Widerstand gegeben, deshalb habe er sich gewundert, als dann die Unterschriftenliste ins Rathaus flatterte. Der Protest von Karl-Heinz Maurer und seinen Nachbarn ist aber nicht ungehört verhallt, und auch ein Alternativvorschlag wird geprüft.

Dieser sieht vor, den bestehenden Abschnitt der Ludwig-Erhard-Straße weitgehend zu erhalten und die Fahrbahn auf dem neuen Abschnitt in der Mitte zu teilen. „Ganz so einfach, wie die Anwohner sich das vorstellen, ist das aber nicht“, sagt Böhn. Denn wenn sich die Straße in der Mitte aufzweigt, müssen die Kurven breit genug sein, dass zum Beispiel ein Müllfahrzeug passieren kann.

Der Bürgermeister will nicht gegen den Willen der Anwohner an der ursprünglichen Planung festhalten, auch wenn diese bereits abgeschlossen und ausgeschrieben ist, die Arbeiten in den Startlöchern stehen. „Wir sind im Gespräch und versuchen, eine Lösung zu finden.“ Die positiven Signale aus dem Rathaus haben auch die Anwohner erreicht, die nun auf ein Ergebnis in ihrem Sinn hoffen.

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