Vorreiterrolle im Kreis

Hainburgs CDU-Chef Jürgen Harrer im Interview

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Jürgen Harrer: „Hainburg ist schuldenfrei, darauf können wir stolz sein.“

Hainburg - Kita-Plätze, Kinderfarm oder Rathausneubau: Viele Themen werden in Hainburg derzeit kontrovers diskutiert. Von Katrin Stassig

Wir nutzen die kurze politische „Herbstpause“ für eine Interview-Serie mit den vier Fraktionsvorsitzenden, denen wir jeweils sieben gleichlautende Fragen gestellt haben. Die Antworten veröffentlichen wir in loser Folge. Heute: Jürgen Harrer (CDU).

Etwa eineinhalb Jahre sind seit der Kommunalwahl 2016 vergangen. Welche Ziele aus Ihrem Wahlprogramm konnten Sie bisher umsetzen?

Wir haben schon sehr viel erreicht. Beispiele: Die Schaffung von weiteren Bauplätzen in der Neuen Ortsmitte – erledigt. Die Sanierung des Brachgeländes am Bahnhof – erledigt. Die Renaturierung Mühl- und Werniggraben – erledigt. Außerdem laufen die Erweiterungsarbeiten in der Kita Arche Noah, die Attraktivitätssteigerung der Gewerbegebiete ist im Gange, und für den Neubau des Hainburger Rathauses ist der Architektenwettbewerb gestartet. Außerdem beginnen die Bauarbeiten an der Offenbacher Landstraße 5 (ehemaliger „Schandfleck“) bald, der flächendeckende Breitbandausbau für Hainstadt ist beendet, für Klein-Krotzenburg haben die Arbeiten begonnen. Und wir stehen finanziell hervorragend da – Hainburg ist quasi schuldenfrei, darauf können wir stolz sein!

Welches ist aus Sicht Ihrer Fraktion das wichtigste Thema für Hainburg in der aktuellen Legislaturperiode?

Wir müssen weiter in die soziale und bauliche Infrastruktur unserer Gemeinde investieren – unsere Vereine sind der Kitt unserer Gesellschaft, die hervorragende Arbeit in allen Altersklassen leisten. Das müssen wir uns bewahren. Weiter gilt es, die Einnahmen der Gemeinde zu verstetigen; Gewerbetreibende finden in Hainburg gute Voraussetzungen vor, um zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Daran müssen wir weiter arbeiten. So können wir auch künftig auf einer soliden Finanzbasis aufbauen, die unerlässlich ist für Zukunftsinvestitionen wie beispielsweise in den weiteren Ausbau der U3-Plätze oder die Schulbetreuung. Und die Daueraufgabe Verkehr – hier müssen wir für Anwohner und Pendler Lösungen finden. 

Das ehemalige Winter-Gelände in Hainstadt soll nach Jahren des Stillstands endlich entwickelt werden. Vieles läuft derzeit noch im Hintergrund, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Was würden Sie sich für das Areal wünschen, welche Chancen, welche Risiken sehen Sie bei der Entwicklung?

Grundsätzlich sehe ich für die Ansiedlung von Gewerbe und damit verbunden für die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf diesem Gelände sehr gute Chancen. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist, wie wir das Gelände langfristig erschließen können und welche Firmen hier die besten Konzepte mit dem Investor entwickeln. Ich halte wenig davon, dass wir das Gelände auf dem „Reißbrett“ überplanen und für viel Geld Fantasien einfließen lassen, die sich am Ende nicht verwirklichen lassen. Besser ist doch, mögliche Planungen des Investors eng abzustimmen und deren Belange für die Ansiedlung von Gewerbe mit unseren Interessen und denen der Anwohner abzugleichen. 

Viele Diskussionen gab es in den vergangenen Monaten zum Thema Kita-Plätze. Wäre es nicht doch an der Zeit, dass die Gemeinde in eine eigene Kindertagesstätte investiert, um den Bedarf noch besser abzudecken?

Hainburg nimmt beim Thema „Versorgung mit Kita-Plätzen“ eine Vorreiterrolle im Kreis Offenbach ein. Wir investieren hier seit Jahren im Schnitt rund eine Million Euro. Wir haben sehr gut ausgestattete Kitas und arbeiten mit den kirchlichen bzw. privaten Trägern sehr vertrauensvoll zusammen. Und wir investieren weiter in den Kita-Ausbau und werden auch das Thema Schulbetreuung – eigentlich keine originäre Aufgabe der Kommune – verstärkt anpacken. Deshalb ist es klug, in die bestehenden Einrichtungen zu investieren, anstatt eine Kita in eigener Regie zu bauen und zu führen. Diese Überlegungen gibt es in Teilen von SPD und Grünen, die grundsätzlich mit den christlichen Kirchen nichts am Hut haben wollen. 

Die Grünen versuchen, in der Gemeindevertretung eine Mehrheit für die Kinder- und Jugendfarm zu erreichen. An sich ein schönes Projekt, dessen Umsetzung suboptimal gelaufen ist. Welche Chancen sehen sie für das Vorhaben?

Ich kann einer Kinder- und Jugendfarm viel Positives abgewinnen. Denn es ist immer gut, wenn Kinder und Jugendliche Erfahrungen in der Natur sammeln können, selbst säen und ernten, sich um Tiere kümmern und das Ökosystem nicht nur theoretisch am Computer, sondern im wahren Leben kennenlernen. Und ich sehe in dem Augenblick gute Chancen für das Projekt, wenn sich eine geeignete Fläche findet – einen entsprechenden Antrag hat die CDU im Gemeindeparlament gestellt. So, wie sich das allerdings Herr Ritter von den Grünen vorstellt, wird das nichts. Denn der will eine Fläche in einem Landschaftsschutzgebiet für das Projekt einfach umwandeln.

Bilder: Große Vielfalt beim Hainburger Markt  

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung?

Zusammenarbeit bzw. Absprachen zwischen Fraktionen sind in Hainburg meist themenbezogen. Das funktioniert beispielsweise beim Thema Rathausneubau ganz gut, hier hat selbst die SPD ihre Fundamental-Opposition aufgegeben. Ansonsten gibt es aber wenig Austausch, zumal die Sichtweisen auf die Herausforderungen, denen wir uns in Hainburg stellen müssen, schon sehr unterschiedlich sind. 

Nehmen wir an, die Gemeinde erhält eine Million Euro zur freien Verfügung: Wofür würden Sie das Geld verwenden?

Wir haben jüngst von der Hessenkasse sogar einen viel größeren Betrag in Aussicht gestellt bekommen. Danach soll Hainburg dafür, dass wir in den letzten Jahren eine sehr solide Finanzpolitik betrieben haben, Investitionszuschüsse in einer Größenordnung von drei Millionen Euro bekommen. Und da gibt es ganz klar drei Projekte, die davon profitieren müssen: der Ausbau der Kita-Plätze, Investitionen in die Schulbetreuung und der Rathausneubau. Wenn wir das alles mit Unterstützung der hessischen Landesregierung ohne nennenswerte Neuverschuldung hinbekommen, wäre das natürlich hervorragend.

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