Kriegsende

Eginhard Schwab erinnert sich ans Kriegsende: Feuerregen auf der Haut

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte der Hainstädter Eginhard Schwab als zehnjähriger Schüler. Da bekam man vom Weltgeschehen schon allerhand mit, schreibt er in seinen Erinnerungen. Etwa, dass im Jahr 1945 der Krieg längst verloren war.

Hainstadt – Nachts Bombenalarm, morgens um 9 Uhr Fliegeralarm: Schulschluss und ab nach Hause. „Kurze Zeit später waren am blauen Himmel große Bomberverbände zu sehen, die Flak an der Bahn war am Ballern. Man sah Rauchwölkchen in der Nähe der Bomber aufflammen, dann stürzten sich begleitende Jagdflugzeuge herunter und eröffneten das Feuer. Die leichte Flak war am Schießen. Mein Freund Manfred Kemmerer und ich beobachteten neben der Hauswand lauernd noch das Abkippen der Jagdflugzeuge, und erst, wenn es oben blitzte, stürmten wir in den Keller.“

Am Sonntagnachmittag des 25. März sah Schwab aus dem Fenster des oberen Stockwerks eines Hauses an der Eisenbahnstraße den ersten amerikanischen Panzer. Die Bäume des jungen Waldstücks legten sich vor dem Fahrzeug um. „In den Fenstern wurden weiße Betttücher sichtbar. Es war so weit, die Amis rückten bei uns ein! Zum Glück war die Flak-Batterie kurz vorher nach Hanau abgezogen worden, sonst wäre es Hainstadt schlecht ergangen.“

Jenseits des Mains gab es Widerstand der Deutschen. Die Amis brachten ihre Artillerie in Stellung und feuerten drei Tage über den Main hinüber. „Als die Artillerie danach abzog, war der Krieg für uns vorbei.

Wo die Amis ihre Geschütze hatten, gab es viel zu finden, natürlich auch Munition und Pulversäckchen. Wir spielten damit.“

Dann gab es drei amerikanische Einquartierungen, viele Leute im Gebiet Bahnhofstraße/Josefstraße mussten ihre Häuser räumen. Bei der dritten am 12. Mai luden die fremden Soldaten ihr Gepäck ab. Dabei geschah ein Unglück: Ein Gegenstand fiel aus dem Wagen und explodierte. Später erfuhren wir, dass darin Flüssigkeit für Flammenwerfer war.

„1945 war bekanntlich ein sehr heißer Sommer. Wir – fünf Buben in leichter Bekleidung – hatten das Abladen aus kurzer Entfernung beobachtet. So wurden wir vom heranfliegenden Feuerregen überrascht und getroffen. Es sah aus wie die Funken der Wunderkerzen an Weihnachten. Philipp Dittmeier, Otmar Dutine, Reinhold Meier, Eginhard Schwab und Bruno Vath flüchteten aus einer dunklen Wolke zum einzigen Hainstädter Arzt, dem damals schon betagten Dr. Alois Euteneuer. Er hatte an unseren qualmenden Körpern sofort erkannt, um was es sich handelte: Phosphor! In dieser Minute kam ein amerikanischer Sanitäter in den Hof gerannt und fragte, was gebraucht werde. Nach kurzer Zeit brachte er das entsprechende Medikament (Kupfersulfat). Eine Wanne mit Wasser wurde aufgestellt und das Konzentrat hineingegeben. Meine Mutter war während des Kriegs Sanitäterin beim Roten Kreuz. Sie und Mitglieder der Arztfamilie behandelten uns mit Tupfern, die sie in die Wanne tauchten, auf unsere kohlende Haut legten und danach wegwarfen.

Man wollte uns in ein amerikanisches Feldlazarett nach Frankfurt bringen. Meine Mutter war als beherzte Frau bekannt, sie brachte es fertig, dass man uns nach Seligenstadt ins Krankenhaus brachte. Nach einer erneuten Behandlung – unsere Wunden brutzelten wieder wie Steaks – landeten wir Jüngeren, Bruno Vath und ich, in der Kinderabteilung, die drei etwas Älteren in der Männerabteilung. Die Amis brachten immer wieder Heilmittel ins Krankenhaus. In der Kinderabteilung lagen übrigens fast nur Kinder, die mit Munition gespielt hatten. Wir hatten immer mit Munition gespielt, es war nichts passiert. Jetzt als wir brav waren, wurden wir verletzt.“

Schwab wurde nach neun Wochen als fast gesund entlassen. Weil er starke Verbrennungen an den Leisten erlitten hatte, konnte er noch nicht richtig laufen. Seine Mutter nahm ihn oft auf einem kleinen Leiterwägelchen mit. Seine Freunde hatten dagegen den ganzen Sommer am Main verbracht, wo sie sogar mit einem von den Amis mitgebrachten Boot fahren durften. Der vollständige Text ist erschienen in „Geschichte und Geschichten aus Hainburg“, Heft 15.

Von Michael Hofmann

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