Archäologie

Kastell unter der Terrasse: Mann entdeckt antike Fundstücke in Hainstadt

Im Garten des 82-jährigen Hainstädter Hobbyarchäologen finden sich die Spuren seiner Leidenschaft.
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Im Garten des 82-jährigen Hainstädter Hobbyarchäologen finden sich die Spuren seiner Leidenschaft.

Horst Becker aus Hainstadt hat ein Hobby: Die Archäologie. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte fand er viele Spuren römischer Besiedlung in seiner Heimat.

Hainstadt – Im Jahre 1960 stieß Horst Becker beim Ausbaggern für seinen Hausbau in Hainstadt auf Bruchstücke einer römische Amphore. „Ich erkundigte mich, und man sagte mir, im Umkreis könnten noch mehrere antike Fundstücke vergraben liegen.“ Als dann wieder in der Nähe gebaut wurde, fand er an der Baustelle in der Hauptstraße an zwei Stellen einen Spitzgraben. Nur wenig entfernt davon grub das Saalburgmuseum unter der Leitung von Dr. Beckmann weiter aus, ohne jedoch fündig zu werden. Der heute 82-Jährige Becker gab dennoch nicht auf, entnahm kleine Stichproben im Umkreis und grub auf eigene Faust auch drei Tage lang nahe der Baustelle - mit großem Erfolg.

Horst Becker bewahrt zahlreiche Fundstücke in der heimischen Vitrine auf.

Es handelte sich um die archäologischen Reste eines römischen Kastells. „Die erste Grabung des Saalburgmuseums verlief genau durch das Tor dieses Kastells, an dessen Stelle der Graben unterbrochen war“, erinnert sich Becker. Daraufhin grub das Saalbergmuseum drei Jahre lang im Hainstädter Kastell. „Man fand heraus, dass das Kastell 25 bis 30 Jahre in Betrieb war, bevor es aufgegeben wurde, da der Knick, den der von der Saalburg kommende Limes machte, begradigt wurde. Auch unter meiner heutigen Terrasse verlief das Kastell, deshalb wurde mein halber Garten umgegraben“, erinnert sich Becker an die Aktivitäten. Doch sein Fund hatte sein Interesse geweckt: Fast jeden Samstag verbrachte er in Steinbrüchen und Waldstücken. Zu seinen größten Funden gehört das Grab eines vermutlich 15-jährigen Mädchens aus der späten Bronzezeit. In dem Grab befanden sich mehrere Beigaben, wie zum Beispiel Gefäße, aber auch eine Gewandnadel und ein Armreif. Von der Verstorbenen selbst waren nur noch zwei Zähne erhalten.

Diese Funde, die auch von ihm konserviert wurden, sind zwischenzeitlich wissenschaftlich bearbeitet und im Museum in Mühlheim ausgestellt. Heute enthält Beckers heimische Sammlung mehrere hundert Millionen Jahre alte Mineralien und Fossilien, eigene Exponate, die bis zu 3000 Jahre alt sind, sowie aus seiner selbstständigen Zeit Abgüsse aus Bronze und Messing. Der Hainstädter entdeckte eine Marktlücke und versorgte über viele Jahre den deutschen Markt mit Abgüssen von Metallobjekten, vor allem aus der römischen und fränkischen Zeit, aber auch zahlreiche Schmuckreplikate der Wikingerzeit entstammten der Werkstatt des Hobbyarchäologen.

Von Emma Bayer

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