Brigitte Seeberger näht Motiv aus Hainstädter Kapelle nach

Fensterbild als Vorlage für Stoffkunstwerk

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Das Original: Das Fenster der Kapelle St. Gabriel, aufgenommen während eines Chorkonzerts. 

In monatelanger und akribischer Kleinarbeit hat Brigitte Seeberger das Fenstermotiv der Kapelle St. Gabriel als Wandbehang genäht – aus weit über 1000 Einzelteilen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 

Hainstadt/Steinheim – In der Osterausgabe unserer Zeitung im Jahr 2017 sieht Brigitte Seeberger ein Foto aus der Kapelle im ehemaligen Kloster in Hainstadt. „Ich nähe sehr gern und würde mal versuchen, dieses wunderschöne Fensterbild als Wandbehang nachzunähen“, schreibt sie damals in einer E-Mail an unsere Redaktion und bittet um Kontaktdaten zum Kloster, weil sie zu diesem Zweck das Fenster fotografieren möchte. Hintergrund: Ihre Patchwork-Gruppe in Hanau plant für Herbst 2018 eine Ausstellung zum Thema Kunst. Viel Zeit also, um den Plan in die Tat umzusetzen.

Brigitte Seeberger besucht die Kapelle und macht ihre Fotos, investiert viele Stunden in die Vorbereitung – muss dann aber feststellen, dass sie sich zuviel vorgenommen hat. Über 1000 Stoffteile müssten verarbeitet werden, versehen mit kilometerlangen Zickzack-Nähten. Für die Ausstellung wählt sie deshalb ein anderes Motiv: eine Briefmarke, die Hundertwasser 1983 für die Vereinten Nation entworfen hat. Das Klosterfenster lässt sie dennoch nicht ganz los.

„Das musst du unbedingt machen, so was Schönes...“

Dann kommt Mitte April 2018 ihre Enkelin zu Besuch nach Steinheim, wo Brigitte Seeberger mit ihrem Mann lebt. Die Enkelin findet das Hundertwasserbild „einfach cool“, motiviert ihre Oma aber auch, es doch noch einmal mit dem Fensterbild zu versuchen: „Das musst du unbedingt machen, so was Schönes...“ Viel Überredungskunst ist nicht nötig. Brigitte Seeberger geht also erneut an die Arbeit.

Im April dieses Jahres ist das Kreuz fertig, einige Wochen später das ganze Bild. Den Strahlenkranz hat die Hobby-Künstlerin allerdings nicht mehr aus Einzelteilen zusammengesetzt, sondern den Stoff bemalt. Ein selbst gestaltetes Büchlein mit Fotos und Erläuterungen dokumentiert die Arbeitsschritte.

Das Klosterfenster, im Original mehrere Meter hoch, hat sie auf Diafilm aufgenommen, um die Bilder mit dem Projektor vergrößern zu können. Die Detailaufnahmen werden an die Wand projiziert und die einzelnen Kästchen als Vorlage nachgemalt. Mit Stift und Lineal wird die Skizze auf Folie übertragen und mithilfe eines Leuchttisches auf den Stoff gezeichnet.

Aus gut 1200 Stoffteilen besteht das Kreuz im Mittelpunkt des Wandbehangs, den Brigitte Seeberger in monatelanger Arbeit genäht hat. 

Für die mehr als 1200 Einzelteile, aus denen das Kreuz zusammengesetzt ist, benutzt Brigitte Seeberger Vliesofix, eine Art beidseitiges Klebepapier, mit dem sich Stoffapplikationen aufbügeln lassen. Die Einzelteile werden dann mit Zick-Zack-Stichen umrandet. „Das sieht kontrastreich aus und hält gut“, erläutert sie. Den blauen Stoff für die Umrahmungen hat sie selbst eingefärbt. Oft kauft sie einfache weiße Ikea-Bettlaken für ihre Arbeiten, verrät sie.

Die Leidenschaft des Nähens 

Ihre Patchwork-Gruppe hat in der Vergangenheit schon Nesteldecken für Demenzkranke in Pflegeheimen, Decken für die Frühchenstation oder Taschen für Diabetes-Patienten in Krankenhäusern gefertigt.

Für das Nähen hat Brigitte Seeberger sich schon immer interessiert. Nach dem Krieg stand die Nähmaschine in ihrem Kinderzimmer, aber als sie einmal die Nadel abgebrochen hat, war es vorbei mit dieser Freizeitbeschäftigung. „Das gab Ärger“, erinnert sie sich. Ersatzteile waren damals schwer zu kriegen.

Auch Patchwork hat sie fasziniert, aber unter anderem durch die Arbeit – sie war Reprofotografin von Beruf – fehlte die Zeit für das Hobby. Nachdem sie 2000 in den Ruhestand gegangen war, konnte sie sich diesem „schönen Zeitvertreib“ widmen.

Am Klosterfenster in Hainstadt war Brigitte Seeberger schon oft vorbeigefahren. „Aber von außen sieht es ganz unscheinbar aus, ich hätte nie gedacht, dass es so schön ist.“ Auf das fertige Kunstwerk, das schon bei etlichen Freunden und Bekannten Bewunderung hervorgerufen hat, ist sie selbst auch ein bisschen stolz. Der Wandbehang, der etwa 1,30 mal 1,25 Meter misst, hängt nun vorerst an ihrer Wäscheleine. „Und ich freue mich täglich, wenn ich ihn anschaue.“

Von Katrin Stassig 

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