Mit Nachen in die Kirche

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Das Foto zeigt den ehemaligen Pfarrsekretär Edmund Schwab mit der Heimatchronik von Eddie Daus und das Kapitel „Mit dem Nachen in die Kirche“.

Ostkreis (paw) - Die zum Teil kräftigen Regenfälle in den ersten Tagen des neuen Jahres haben die Pegelstände am Main steigen lassen. Der höhere Wasserstand und die damit verbundene schnellere Fließgeschwindigkeit des Flusses, konnte der Fähre Seligenstadt jedoch nichts anhaben.

Unbeeindruckt hielt sie den Betrieb aufrecht. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg spricht deshalb auch nur von einem erhöhten Wasserstand. Bereits jetzt sei der Wasserstand wieder im Fallen.

Hochwasser versetzte die Menschen am Fluss in grauer Vorzeit in Angst und Schrecken. Stumme Zeugen der Fluten finden sich an an den Häusern in Flussnähe wie in der Straße Große Maingasse 25 in Seligenstadt. Sie gibt es aber auch weit ab vom heutigen Flussbett. Zum Beispiel an einer Sandsteinverblendung der Nordseite des alten Kirchenschiffs von St. Nikolaus im Hainburger Ortsteil Klein-Krotzenburg. Dort meißelten die Zeitgenossen die Wasserstandsmarken der Jahre 1682, 1784 und 1845 in den Stein. Am Sockel des Pfarrhauses markierten sie die Werte von 1867 und 1882.

Chronik enthält historische Hochwasserstände

Die älteste Aufzeichnung einer Hochwasserkatastrophe ist im Kanzelbuch der Jahre 1608 bis 1714 erwähnt. Der Heimatforscher und Buchautor Eddi Daus hat sie in Auszügen in seiner 1994 veröffentlichten Chronik „Unsere Heimat am Main - Ein Fluss im Wandel der Zeit“ wiedergegeben. Zitat: Pfarrer Maurus Ludwig, von 1677 bis 1692 Seelsorger in Krotzenburg, schrieb am 25. Januar 1682: „An diesem Tag des abends ist der Main in die Kirche geflossen und ist also hochgewachsen, dass er an der kleinen Kirchentür das Eisen unter dem Schlüsselloch erreichte. Also bin ich Maurus Ludwig, Pastor dahier, Johannes Fischen, Jakob Schaming, Kaspar Schwab und Schill in die Kirche mit zwei Nachen gefahren. Hab ich mit dem Schlüssel die kleine Tür eröffnet; nochmals hat Jakob die große Tür eröffnet mit einer Stange, wodurch wir hingefahren und die Kirchensachen salviert nebst Ciborium, Monstranz und heilige Öl, also geschehen den 27. Januar 1682!“

Main hat seinen Schrecken verloren

An diesem Tag erreichte der Wasserspiegel des Mains den seinerzeit nachweisbaren höchsten Stand seit 300 Jahren. Bezieht man die Markierung von 1862 auf die Höhe über dem Meeresspiegel (Normalnull, NN), dann erhält man 107,3 Meter. Der alte Ortskern liegt im Mittel bei 105 Meter über NN. Vor diesem Hintergrund ist das ganze Ausmaß der Katastrophe erst vorstellbar. In der damaligen Kirche, von der heute noch das kleine Chörchen steht, stand das Wasser 1,80 Meter hoch über dem Fußboden. Dorf und Gemarkung müssen total überflutet gewesen sein“, Ende des Zitats aus der Chronik von Daus.

Der Main hat in unseren Tagen seinen Schrecken weitgehend verloren. Kommunen am Fluss sind gegen Hochwasser weitgehend gerüstet. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk verfügen über Hochwasserschutzeinrichtungen die in kürzester Zeit einsetzbar sind. Über den „Elektronischen Wasserstraßen Informationsservice“ können über das Internet jederzeit die aktuellen Pegelstände von Flüssen abgefragt werden.

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