„Ich bin ein Diener der Gemeinde"

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Bereits zum vierten Mal legte Bernhard Bessel den Amtseid als Bürgermeister ab. Mit auf dem Bild Gemeindevertretervorsteher Franz Kemmerer (rechts), Erster Beigeordneter Karlheinz Habermann (Zweiter von links) und Gemeindevorstandsmitglied Wolfgang Barth.

Hainburg ‐ Vor 18 Jahren war er der jüngste Bürgermeister im Kreis Offenbach, heute kann er sich als dienstältesten Verwaltungschef im ganzen Kreisgebiet bezeichnen - obwohl es nie ein „Jugendtraum" war. Von Rudi König

Am Montag waren rund 200 Gäste Zeugen, als Bernhard Bessel im Verlaufe einer Gemeindevertretersitzung seinen nunmehr vierten Bürgermeister-Amtseid schwor. Bei der Wahl am 12. September des vergangenen Jahres ging der CDU-Politiker mit 67,7 Prozent als deutlicher Sieger hervor.

Erstmals seit langer Zeit fand die Sitzung nicht in einem der Feuerwehrhäuser, sondern im schmucken Versammlungsraum des neuen Vereinsheimes der Musikgesellschaft Eintracht in Klein-Krotzenburg statt. Offizieller Amtsantritt ist Dienstag, 1. März. Doch ob es dazu kommt, liegt in den Händen der örtlichen Karnevalisten, denen Bessel wie jedes Jahr Tribut zollen muss. Wenn es nach deren Willen geht muss er noch bis zum Aschermittwoch ausharren. Denn Prinz Jürgen III. und Prinzessin Julia II., die samt Gefolge der Feierstunde ihren Besuch abstatteten, schwingen das Zepter in der närrischen Zeit.

Bürgernahe Kommunalpolitik

In seiner Eigenschaft als Erster Beigeordneter überreichte Karlheinz Habermann Bessel bereits zum dritten Mal die Ernennungsurkunde. Gemeindevertretervorsteher Franz Kemmerer nahm Bessel den Diensteid ab.

„Der Wahlerfolg ist ein gewaltiger Vertrauensbeweis, der jedoch auch eine große Verantwortung bedeutet", betonte Habermann in einer ausführlichen Laudatio, in der er die Verdienste Bessels - gutes Angebot an Betreuungsplätzen, gute Schulen, attraktiver Personennahverkehr, gut ausgebaute Straßen, ein breit gefächertes Vereinsleben - herausstellte. Besonders hob er hervor, dass Bessel als Kämmerer zwar nie auf Rosen gebettet war, aber bis 2002 stets einen ausgeglichenen Haushalt habe vorlegen können. Dies habe sich auf Grund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise geändert, aber das Defizit sei nicht hausgemacht. Habermann begrüßte es, dass Bessel trotzdem an seinem Grundprinzip festhalte, die Steuern niedrig zu halten und die massive Belastung des Etats nicht an die Bürger weiterzureichen.

Nach Überzeugung Habermanns steht Bessel für eine bürgernahe Kommunalpolitik, er werde auch in Zukunft die Lebensqualität in der Gemeinde sichern und fortentwickeln.

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer", sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Harrer und zitierte damit einen Liedtext von Xavier Naidoo. Harrer nannte seinen Parteikollegen einen stets umsichtigen Bürgermeister und freute sich, dass er auch in den nächsten sechs Jahren als Steuermann das Schiff, die Gemeinde Hainburg, sicher durch die ruhige wie auch brausende See führen werde. Als Geschenk mit Symbolcharakter überreichte er ein Steuerrad.

Erhöhte Dialogbereitschaft und besserer Informationsfluss

Eine „weitsichtige, solide und konsequente Politik zum Wohle der Bürger" bescheinigte auch Landrat Oliver Quilling dem Wiedergewählten. Er gehe in seinem Amt auf und identifiziere sich mit seiner Arbeit. Bessel habe stets ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen der Bürger.

Doch es gab nicht nur Lob für den Verwaltungschef. Kritik übten die Oppositonsparteien. SPD-Sprecher Heinz Seipel sieht beispielsweise die vierte Amtszeit als Chance für einen neuen, reiferen, sachlicheren, vertrauensvolleren und transparenten Umgang. Die SPD werde als Opposition ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der Gemeinde leisten, auch wenn das die CDU-Parlamentsmehrheit nicht immer anerkenne. Seipel lud Bessel zu einer SPD-Fraktionssitzung ein, um die notwendigen Informationen aus erster Hand zu erhalten. Der Sozialdemokrat gratulierte zur Wiederwahl und schenkte einen Badezusatz zum Entspannen. „Dadurch gewinnen sie neue Kraft, die sie als Bürgermeister gut gebrauchen können.“

Von zwangsläufigen Reibungspunkten und Konflikten im Miteinander sprach Wigbert Appel (BfH). Bei den Geschenken setzte er noch eines drauf und überreichte einen „Wach auf“-Tee, einen „Klaren Kopf“-Tee und einen „Freu Dich“-Tee.

Erhöhte Dialogbereitschaft und besseren Informationsfluss wünschte sich Grünensprecher Thorwald Ritter. „Auch die Rechte von Minderheiten sollten nicht länger missachtet werden", forderte er und sprach sich erneut für den Bau einer Moschee in Hainburg aus.

Glückwünsche überbrachten Landtagsvizepräsident Frank Lortz, Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes; der Obertshausener Bürgermeister Bernd Roth; Matthias Drexelius, Erster Beigeordneter des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main; Dekan Dieter Bockholt, katholische Kirchengemeinde; Pfarrerin Frauke Wagner; Theo Scholz, Örtliche Vereine und Verbände Klein-Krotzenburg; und Volker Jäkel, Kulturausschuss Hainstadt.

In einer kurzen Ansprache bedankte sich Bessel bei allen, die ihn in der Vergangenheit geholfen haben, sein nicht immer einfaches Amt auszuüben. Er bezeichnete sich selbst als einen „Diener der Gemeinde“ und versprach, sich auch in Zukunft mit aller Kraft für das Wohl der Bürger einzusetzen.

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