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In ehemaliger Gärtnerei wächst riesige Fischzucht-Anlage

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Von: Julia Oppenländer

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Das Team (v.l.): Torsten Schreiber, Bianca Jedamzik, Karoly Fogas, Stefan Russ und Tibor Moreh.
Das Team der Barramundi-Aquakultur (v.l.): Torsten Schreiber, Bianca Jedamzik, Karoly Fogas, Stefan Russ und Tibor Moreh. © Oppenländer

Schon seit einigen Jahren werden in den Gewächshäusern einer ehemaligen Gärtnerei in Klein-Krotzenburg Exemplare des australischen Raub- und Speisefisches Barramundi gezüchtet. Nun will der Unternehmer Torsten Schreiber die Anlage erweitern - und so nachhaltiger werden.

Hainburg – Wo früher Pflanze neben Pflanze stand, weht nun ein Geruch von Fisch und Meer durch die Luft – die Temperatur in den Gewächshäusern am Rande von Klein-Krotzenburg ist drückend. Doch genau so muss es sein, schließlich soll hier in Zukunft einer der größten Aquaponik-Betriebe Europas entstehen.

Aber von Anfang an: Im Oktober 2017 gründet Michael Enke das Unternehmen „Barramundi-Aquakultur“. Zunächst baut er auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Hentschel eine Pilotanlage auf, bei der es eher darum geht, zu beweisen, dass der Barramundi in Europa in einer Aquakultur angesiedelt werden kann. Im Sommer vergangen Jahres übernimmt dann Torsten Schreiber die Anlage, um den nächsten Schritt zu gehen: Die Anlage soll erweitert werden. Erfahrungen im Aufbau einer Meeresfisch-Zuchtanlage bringt Schreiber mit.

Seit einem Jahr läuft die Barramundi-Anlage nun stabil – und auch der Fischverkauf klappt hervorragend: „Nach Weihnachten waren wir wieder mal ausverkauft“, sagt Schreiber.

Aus der Aquakultur-Anlage auf den Teller: ein Barramundi aus Klein-Krotzenburg.
Aus der Aquakultur-Anlage auf den Teller: ein Barramundi aus Klein-Krotzenburg. © privat

Barramundi-Aquakultur in Hainburg will Kapazitäten erhöhen

Aktuell hat das Unternehmen 15 Tanks auf 800 Quadratmetern Fläche in Betrieb und ist bei 15 Tonnen Kapazität pro Jahr – umgerechnet sind das etwa 15 000 Tiere, die für den Verkauf heranwachsen. „Das wollen wir zunächst auf 30 000 verdoppeln, haben aber auf dem Gelände Platz für die Züchtung von 500 Tonnen Fisch“, sagt Torsten Schreiber.

Das Team glaubt an den Erfolg. „Man kann die Anlagen überall hinstellen, die Wasserqualität optimal an die spezifischen Bedürfnisse der Fische anpassen und sendet keine Emissionen aus, ist also nachhaltig“, sagt Betriebsleiterin Bianca Jedamzik. Das ist auch Schreiber eine Herzensangelegenheit. „75 Prozent der Fische, die wir in Deutschland essen, werden importiert. Wir aber wollen den Barramundi weiter im Umkreis von 60 Kilometern verkaufen, also regional arbeiten und ihn nicht in die Welt verschicken“, sagt der Unternehmer. Zusätzlich sei das Wasser plastikfrei, und das Team arbeite bei der Aufzucht der Tiere ohne Antibiotika und Hormone.

„Durch die optimale Anpassung der Umweltparameter und hochwertiges Futter fördern wir optimales Wachstum, sodass der Fisch schnell auf eine Größe kommt, bei der er verzehrt werden kann“, sagt Bianca Jedamzik. Zuletzt lag das Gewicht der Tiere bei ein bis 1,2 Kilo. „Wir wollen jetzt aber auf 600 bis 800 Gramm runtergehen“, sagt sie. „Dadurch hat er die perfekte Größe für Grill oder Teller. So wollen wir fördern, dass Fische wieder mehr im Ganzen und nicht nur das Filet gegessen und der Rest dann weggeworfen wird.“

Aus Aquakultur in Hainburg soll ein Aquaponik-System werden

Die Herausforderungen für eine Aquakultur sind immens. Der Barramundi braucht eine Wassertemperatur von 26 Grad. „Deshalb züchten wir auch im Gewächshaus“, sagt Schreiber, der bereits mehr als eine Million Euro in das Projekt investiert hat. „Wir nutzen die natürliche Sonneneinstrahlung, stauen die Wärme und sparen so Energiekosten.“

Dem Kreislauf muss pro Tag etwa fünf bis zehn Prozent Frischwasser zugeführt werden – der Rest wird im System unter anderem von Bakterien gereinigt und wieder aufbereitet. Das Hainburger Unternehmen benutzt zudem Zisternenwasser und reduziert den Wasserverbrauch dadurch nochmals.

In Zukunft soll aus der Aquakultur außerdem ein sogenanntes Aquaponik-System werden. Dabei wird Fisch- mit Pflanzenzucht kombiniert. „Dann nutzen wir das Wasser aus dem Kreislauf für den Anbau von Pflanzen wie Kräuter oder Gemüse“, sagt Torsten Schreiber. „Das Nitrat düngt zum Beispiel die Pflanzen und kann im Gegensatz zur regulären Landwirtschaft auch nicht ins Grundwasser gelangen.“ Gleichzeitig reinigen die Pflanzen das Wasser nochmals, sodass die benötigte Menge an zugegebenem Frischwasser dann womöglich bei fast null Prozent liegt.

Barramundi - ein australischer Raub- und Speisefisch

Der Barramundi ist ein Fisch aus der Familie der Riesenbarsche und kommt vor allem in den tropischen Gewässern Australiens vor. Am Anfang sind fast alle Tiere männlich. Erst nach drei Jahren gehen sie vom Süß- ins Salzwasser, wo bereits Weibchen warten und laichen. Durch den Salzgehalt wandeln die Männchen dann ihr Geschlecht – nachdem sie erstmals befruchtet haben. Der Barramundi kann bis zu zwei Meter groß und dabei bis zu 60 Kilo schwer werden. Er ist ein sehr beliebter Speisefisch. » barramundi-aquakultur.de

Tierwohl steht für Unternehmen bei Barramundi-Zucht an oberster Stelle

Das Tierwohl steht für das Unternehmen bei all den Plänen aber an erster Stelle. „Die Tiere fühlen sich wohl im Schwarm“, sagt die Betriebsleiterin. „Trotzdem liegen wir in den Becken unter der empfohlenen Besatzdichte.“

Noch kommt der Fisch-Nachwuchs auch per Bestellung, doch das soll sich ebenfalls ändern. „Wir wollen bald selbst züchten“, sagt Jedamzik. Weil es sich bei der Zucht-Anlage allerdings um eine mit Salzwasser handelt, ist der Betrieb dieser aufwendiger. „Man hat Korrosion unter anderem bei den Pumpen und der Technik. Für die Tiere braucht man in der ersten Zeit außerdem Mikroorganismen als Lebendfutter“ Die zukünftigen, aktuell noch männlichen Muttertiere seien allerdings schon bereit – „dann haben wir wirklich einen kompletten Kreislauf bei den Barramundi“, so Schreiber.

Noch ist der Fischverkauf in Hainburg eher ein Geheimtipp – die Adresse Außenliegend sei da Programm. Neben dem Online-Shop soll künftig aber ein kleiner Laden zusätzlich anlocken. Kunden, die bereits in den Genuss des Speisefisches kamen, darunter Privatleute und Restaurants aus der Region, seien jedenfalls begeistert gewesen. „Das Fleisch ist auch wirklich erstklassig und für mich vergleichbar mit dem des Wolfsbarsches“, sagt der Unternehmer. Er lasse sich gut zubereiten – sei aber auch nicht ganz billig. Jedamzik: „Unser Verkauf richtet sich an Menschen, die sehr bewusst essen und bereit sind, die recht hohen Kosten regionaler und nachhaltiger Fischzucht mitzutragen.“

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