Joe Rohé, der singende Metzgermeister

Kein musikalischer Aufschnitt mehr

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Joe Rohé an seinem Flügel, wo er heute vornehmlich christliches Liedgut komponiert.

Klein-Krotzenburg - Was macht eigentlich Joe Rohé aus Klein-Krotzenburg? Jahrzehntelang machte er als singender Metzgermeister in Presse, Funk und Fernsehen von sich reden. Von Sabine Müller 

Heute ist sein Laden an der Krotzenburger Straße geschlossen, die leckere Zwiebelwurst gibt es nicht mehr. Statt Beatsongs und Schunkellieder komponiert der 66-Jährige christliches Liedgut und lädt ein zum Hauskreis mit Marienlob. Im Keller des Hinterhauses steht neben der Bar das Keyboard, stapeln sich Platten und Fotoalben, sind Marienstatuen und Kerzen aufgebaut. An der Wand Porträtbilder der Beatles und Schnappschüsse von Begegnungen mit Prominenz aus Musik, Politik und Kirche, in der Ecke ein großes Bild von Mutter Theresa. In dicken, vergilbten Alben hat der gebürtige Klein-Krotzenburger sein Leben dokumentiert. Das wird für ihn interessant im Jahr 1967, als er mit seiner zweiten Band „The Libertines“ beim Beat-Wettbewerb in Offenbach unter 30 Gruppen den ersten Platz belegte. Damals wurde aus dem Josef – Metzgerlehrling im eigenen Familienbetrieb, der Joe – begabter Autodidakt in der Musikszene, die „immer meine Berufung gewesen ist.“

Das Notenlesen hat er dann doch noch gelernt. Anfang der 70er Jahre gründete und leitete Rohé den Jugendchor des Klein-Krotzenburger Gesangvereins „Frohsinn 1857“ und stellte die erste Beat-Messe seiner Pfarrgemeinde mit auf die Beine; erste eigene Kompositionen erklangen. „Ich war schon immer gut katholisch.“ An der Liebfrauenheide, für die Rohé sogar mal ein Lied schrieb, plante die für damalige Zeiten unerhört progressive katholische Jugend gar ein Beatfestival. Schon damals fanden Wohltätigkeitskonzerte statt, die Erlöse wurden gespendet. Für die 800-Jahr-Feier der Gemeinde Klein-Krotzenburg 1975 kreierte der junge Komponist und Texter – mittlerweile Metzgermeister – ein volkstümliches Lied zum Mitsingen und -schunkeln, in heimischem Dialekt, die Melodie im Dreivierteltakt.

Rohé tritt inzwischen auch als Schlagersänger auf, macht die Bekanntschaft des bekannten singenden Dachdeckermeisters Ernst Neger und schließt mit einer Hamburger Schallplattenfirma einen Vertrag: Im Jahr 1977 kommt seine Stimme erstmals in Rillen gepresst auf den Markt: „Alle mal herhör’n“. Der 30-Jährige ist im In- und Ausland live und im Radio zu hören, lernt den Blauen-Bock-Wirt Heinz Schenk und Freddy Quinn kennen. Neben dem Showbusiness macht er immer noch Wurst, hat es auch nicht versäumt, mit seiner Frau Edeltraud, die er natürlich bei einem Beat-Konzert kennenlernte, eine Familie zu gründen. Drei Kinder werden geboren.

„Ich hatte immer einen guten Draht zu dem da oben“ – Rohé deutet mit dem Daumen zur Decke. Vor allem aber ein inniges Verhältnis zur Muttergottes, seitdem er ein Gelübde abgelegt hat. Als Vierjährige sei seine Tochter ins Koma gefallen. Damals habe er der Mutter Maria versprochen: „Wenn du mir hilfst, helfe ich dir.“ Das Kind erholte sich wieder, und Joe Rohé spendete viele Mark, dann Euro seiner Gagen für kirchliche und soziale Zwecke. Dankesbriefe von Vatikan, Bistum und der hessischen Staatskanzlei bezeugen den Einsatz des Klein-Krotzenburgers etwa für die Mission oder die Behindertenhilfe. „Sogar die Gema-Tantiemen hab ich gespendet, deshalb hab ich jetzt auch nix.“ Das 75-Jahr-Jubiläum des Betriebes konnte die Familie noch feiern, „das 80. war nicht mehr drin, es ging einfach nicht mehr, wir mussten Insolvenz anmelden.“

Für das umtriebige Original hat sich auch Franz Xaver Gernstl interessiert. Vor 15 Jahren stand der bekannte Regisseur in Klein-Krotzenburg vor Rohés Tür und porträtierte den singenden Metzgermeister für den Bayerischen Rundfunk. Jetzt war er wieder da, um zu sehen, was aus ihm geworden ist. Die Reisereportage soll Ende des Jahres ins Fernsehen kommen. Dieses Mal habe der Filmemacher seine Mission nicht unter den Tisch fallen lassen können, frohlockt Rohé. Statt „musikalischen Aufschnitt“ anzubieten, konzentriert er sich nämlich jetzt ganz auf sein Projekt „Ökumenisches Marienlob Hainburg“. Wöchentlich findet ein Hauskreis bei ihm statt, bei dem gesungen, gebetet und meditiert wird. Dabei liefert er zu erbaulichen Texten von Manuela Maria Campbell die Melodien und plant eine CD, damit die Lieder erhalten bleiben. „Ich hab nichts zu tun mit Gammelfleisch“, sagt Joe Rohé, „ich bekämpfe den geistigen Gammel in der Welt“.

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