Karmelitinnen von St. Gabriel verlassen Hainstadt

Klosterpforte schließt sich

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Das Kloster an der Hauptstraße in Hainstadt schließt im Oktober seine Pforten. Das Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum soll künftig das Gebäude nutzen.

Hainstadt - Schon lange wurde in der Region darüber spekuliert – jetzt ist es beschlossene Sache: Die Karmelitinnen vom Kloster St. Gabriel werden im Oktober Hainburg verlassen. Sie ziehen um in ein Karmel in Hamburg und in der Eiffel. Von Sabine Müller 

Nach Auskunft des Bistums Mainz soll das Gebäude künftig vom Offenbacher Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum genutzt werden. „Nach einer langen Überlegung und Ringen im Gebet“ habe man sich entschlossen, die Pforte im Mutterkloster im Hainburger Ortsteil Hainstadt endgültig hinter sich zu schließen, wird auf der Internet-Plattform vermeldet. Nach Auskunft des Bistums Mainz, dem das Kloster untersteht, werden die derzeit drei Karmelitinnen in der „Filiale“ des Klosters, der „Karmelzelle von der Menschwerdung“ auf der ehemaligen Elbinsel Finkenwerder (ein Stadtteil von Hamburg) sowie in einem Karmel in der Eiffel eine neue Heimat finden.

„Diese Entscheidung liegt bei den Schwestern selbst, sie sind eigenverantwortlich“, erläutert Tobias Blum, Leiter der Pressestelle beim Bistum Mainz. Das an der Hainstädter Hauptstraße gelegene Gebäude bleibe aber in kirchlicher Hand. „Es soll künftig vom Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum betrieben werden, das dort eine Wohngruppe für Mädchen einrichten will. Das Zentrum hat auch das ehemalige bischöfliche Konvikt in Dieburg übernommen, wo ein Internat für Hochbegabte eingerichtet wird.“ Die Einrichtung mit Sitz in Offenbach beschäftigt etwa 250 Mitarbeiter, die über 500 Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen betreuen.

Ende einer Ära

Mit dem Weggang der Schwestern der katholischen Ordensgemeinschaft, die nach eigenem Verständnis „nach der ursprünglichen Regel des Karmel in der Gegenwart Gottes lebt“, geht in Hainburg eine mehr als 65-jährige Ära zu Ende. Am 9. Mai 1948 übernahmen die Karmelitinnen von Bonn-Pützchen die Villa Mainfried und das Anwesen des Stifter-Ehepaares Leopold und Katharina Hainz als Kloster. In den Folgejahren wurde der heutige Klosterbau mit Pfortenhaus errichtet. Am 30. Oktober 1965 weihte Kardinal Dr. Hermann Volk, Bischof von Mainz, die Kirche.

Die Karmelitinnen bestreiten ihren Lebensunterhalt durch die Arbeit in den Werkstätten, wo Messgewänder, Kerzen, Rosenkränze entstehen und Bücher gebunden werden, sowie durch Spenden. Zu ihrer finanziellen Unterstützung wurde im Jahr 2000 der „Freundeskreis der Karmelitinnen Kloster St. Gabriel“ gegründet. Ob der Verein mit etwa 270 Mitgliedern Bestand habe, entscheide die Ordentliche Mitgliederversammlung am 18. November, informiert der Vorsitzende Klaus Klug auf Anfrage.

Priorin Schwester Teresa nennt als Grund für die Schließung Nachwuchsmangel. Gemäß der Ordensregeln leben die Mitglieder zurückgezogen, das schweigende Gebet ist ein wesentliches Element ihrer Spiritualität. Im Dezember 2011 wohnten hinter den Hainstädter Klostermauern noch fünf Schwestern im Alter zwischen 45 und 87 Jahren. Seit 2004 hatten sie auch die Bevölkerung zu Stille-Nachmittagen eingeladen. Am Sonntag, 5. Oktober, werden im Hainstädter Karmel (Hauptstraße 6-8) die verbliebenen drei Schwestern verabschiedet. Zum Vespergottesdienst mit Generalvikar Dietmar Giebelmann um 15 Uhr in der Klosterkapelle sind „alle, die mit uns verbunden sind, herzlich eingeladen“.

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