„Kein Freund der Geheimniskrämerei“

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Um sich fit zu halten ist der Erste Beigeordnete Alexander Böhn in den Wäldern rund um Hainburg joggend unterwegs.

Hainburg - „Meine Arbeitskraft und Kenntnisse, die ich mir im Studium und im Beruf angeeignet habe, möchte ich zum Wohle meiner Heimatgemeinde einsetzen. Ich bin für sechs Jahre gewählt.“ Von Rudi König

„Es wird eine spannende Zeit, in der ich gemeinsam mit dem Team der Gemeindeverwaltung für Hainburg einiges bewegen möchte. Ich freue mich auf jede Begegnung mit den Bürgern und den neuen Kollegen.“ Dies sagte der Hainstädter Alexander Böhn, seit 2001 Mitglied der Gemeindevertretung und seit 2006 Vorsitzender des Bau-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Umweltausschusses. Er trat zum 1. September die Stelle eines hauptamtlichen Ersten Beigeordneten an und hatte gestern seinen ersten Arbeitstag. Gleichzeitig übernimmt er die Leitung des Bauamtes.

„Überrascht vom Ergebnis“

Mit absoluter CDU-Mehrheit im Gemeindeparlament fand seine Wahl bereits am 23. April statt. Der Weg dorthin war recht steinig, denn die drei Oppositionsparteien SPD, Grüne und FDP hatten einen Bürgerentscheid initiiert. Am Ende fehlten ihnen 28 Stimmen, um die ihrer Meinung nach zu teure A15-Stelle im Rathaus zu verhindern. Auch Böhn war vom Ergebnis überrascht, denn er war davon ausgegangen, dass die Opposition gewinnt. „Es gibt diese Grenze, das ist demokratisch. Ein knappes 0:1 beim Fußball ist auch verloren.“ Böhn räumt zwar ein, dass durch den Hauptamtlichen Mehrkosten entstehen, aber er ist davon überzeugt, dass die Verknüpfung mit der Leitung des Bauamtes die Gemeinde nach vorne bringt.

Den Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Böhn vor allem auf diesem Gebiet. So will er die Erschließung des Baugebietes Löschem voranbringen: „Es hat sich toll entwickelt.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufwertung der beiden Ortskerne. Da sei in jüngster Vergangenheit schon einiges passiert. Lobende Worte findet er für die Neugestaltung von Eisenbahnstraße, Martinstraße und Schulstraße in Hainstadt: „Das hat jetzt einen richtig guten Guck.“ Aber darauf dürfe man sich nicht ausruhen, es müsse noch einiges getan werden.

Böhn für mehr Transparenz

Auch der Neubau eines Rathauses dürfte in seiner Amtszeit eine wichtige Rolle spielen, bekanntlich hatte die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, eine Studie zu erstellen. Die ist aber noch nicht vorgestellt worden. Aus einem Neubau - „kein Prunkbau“ - sollen in erster Linie die Bürger einen Vorteil ziehen, aber auch die Beschäftigten der Verwaltung müssten zeitgerechte Büros in einem modernen Gebäude vorfinden. Das sei durchaus möglich, denn zwei Standorte erzeugen erhebliche Kosten.

Überhaupt ist es ein Anliegen des neuen Ersten Beigeordneten, das Verhältnis zu den anderen Parteien und Fraktionen zu verbessern. Er sei „kein Freund der Geheimniskrämerei“ und sprach sich für „mehr Transparenz“ aus. „Ich bin gerne bereit, mich mit allen Politikern an einen Tisch zu setzen und mit ihnen zielführende Lösungsmöglichkeiten zu suchen.“ Von den Grünen liege ihm bereits eine Einladung vor.

Interview mit Alexander Böhn

Mit dem neuen Hauptamtlichen Beigeordneten Alexander Böhn, der am 19. Dezember 42 Jahr alt wird, sprach dieser Tage Redaktionsmitglied Rudi König.

Wie kamen Sie zur Politik?

Böhn: Das war ein reiner Zufall. Ich war schon immer politisch interessiert, auch in der Schule. Das Abitur habe ich unter anderem auch im Fach Gemeinschaftskunde abgelegt. Im Jahr 1995, es war das Jahr, als mein Vater gestorben ist, trat ich der CDU bei. Damals stand die Kommunalwahl vor der Tür und es kam die Anfrage, ob ich auf die Wahlliste will. Ich habe lange überlegt und es war fast zu spät. Aber ein Kandidat, der ziemlich weit vorne stand, hatte abgesagt. Ich nahm dessen Platz ein, und ich bin auf Anhieb gewählt worden.

Die Hainburger Opposition kritisiert, dass die Bürger mit der Stelle eines Hauptamtlichen die Lehr- und Einarbeitungszeit des neuen CDU-Bürgermeisterkandidaten bezahlen müsse. Wollen Sie Rathauschef werden? Einer ihrer Vorfahren, der Sozialdemokrat Joseph Böhn, hatte dieses Amt 30 Jahre inne.

Böhn: Stimmt. Das war der Bruder meines Opas väterlicherseits. Ich habe ihn als Verwaltungschef aber nicht mehr erlebt. So ein Amt vererbt sich nicht. Ob ich Nachfolger von Bernhard Bessel werde, entscheide zudem nicht ich selbst. Letztendlich entscheidet der Wähler. Wenn meine Partei in sechs Jahren meint, ich sei ein geeigneter Kandidat, dann muss sie mich vorschlagen. Bis dahin vergeht aber noch viel Zeit. Im Vordergrund steht in erster Linie mein neuer Job.

Warum macht ihnen die Politik Spaß?

Böhn: Als Kommunalpolitiker kann ich einiges bewegen. Außerdem freue ich mich auf einen intensiven Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde.

Warum ist die CDU in der Hainburger Parteienlandschaft für Sie die beste Alternative?

Böhn: Sie präsentiert sich als ein echtes Spiegelbild der Gemeinde. Sie verfügt über eine unbezahlbare Meinungsvielfalt, die anderen fehlt.

Warum mögen sie Hainburg?

Böhn: Weil es es eine liebenswerte und schöne Gemeinde ist, in der es sich gut wohnen lässt. Wir befinden uns im ländlichen Raum und sind dennoch nah an der Stadt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man relativ zeitnah über all hin. Wichtig ist zudem, dass es für die Einwohner genügend Jobangebote gibt. Sicherlich gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Da sind wir dran, da wollen wir in Zukunft einiges in Bewegung setzen, und ich will dazu meinen Beitrag leisten.

Was mögen Sie an Hainburg überhaupt nicht?

Böhn: Es wird vieles oft schlecht geredet, auch wenn das kein alleiniges Hainburger Thema ist. Für unsere Gemeinde sollte aber gelten: Es ist nicht alles gut, aber es ist auch nicht alles schlecht. Die Menschen vor Ort sollten selbstbewusst nach vorne gucken.

Was ist ihre größte Stärke?

Böhn: Anderen Menschen sagen, dass ich ruhig und ausgeglichen bin.

Was ist ihre größte Schwäche?

Böhn: Ungeduld.

Wie sah ihre Ausbildung und ihre berufliche Laufbahn aus?

Nach dem Abitur am Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg habe ich an der Fachhochschule Darmstadt das Studium im Fachbereich Bauingenieurwesen aufgenommen und 1996 mit dem Titel Diplom-Ingenieur beendet. Hinzu kam ein interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften an der Fernuniversität Hagen mit dem Abschluss Masters of Science (2003 bis 2006).

Nach meiner Ausbildung als Bauingenieur war ich fünf Jahre bei der Firma Kohl in Hainburg tätig. Als Bau- und Oberbauleiter habe ich Straßen- und Tiefbaumaßnahmen von der Kalkulation über die Bauleitung bis zur Abrechnung eigenverantwortlich bearbeitet. Danach war ich acht Jahre im Geschäftsbereich des Bundesrechungshofes in der technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Prüfung von Baumaßnahmen tätig, zuletzt im Prüfungsgebiet Verkehr am Stammsitz in Bonn.

Im Sommer 2010 wechselte ich in die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung und übernahm im Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt die Teamleitung für den Betrieb und die Instandhaltung der mittelhessischen Bundesautobahnen, Bundes- und Landesstraßen. Seit Januar 2012 war ich als Teamleiter im Dezernat Betrieb Osthessen tätig und wurde als stellvertretender Dezernent bestellt.

Wie verbringen Sie ihre Freizeit? Wo machen Sie Urlaub? Was sind ihre Hobbys?

Böhn: Meine Freizeit verbringe ich in erster Linie mit meiner Frau Petra und den beiden Söhnen (12 und 10 Jahre alt). Ich selbst fahre am liebsten zum Wandern in die Berge. Nach drei Jahren Bergurlaub hat die Familie aber einen klaren Protest bekundet. So unternahmen wir in diesem Jahr einen Schwimmurlaub am Gardasee.

Als Jugendlicher habe ich gerne Fußball gespielt und kickte später in der ersten Mannschaft bei der Sportvereinigung Hainstadt. Mit 20 habe ich mir aber ein Bein gebrochen, das beendete meine Fußballkarriere. Zehn Jahre habe ich dann kaum Sport gemacht, vor sechs Jahren habe ich mit dem Langlauf angefangen. Momentan trainiere ich dreimal in der Woche, wenn es die Zeit erlaubt. Ich habe mir zudem vorgenommen, einmal im Jahr einen erlesenen Marathon zu laufen. So nahm ich 2011 am Swiss- Alpin in Davos, einen herrlichen Landschaftslauf, teil. Heuer war es der Landschaftsmarathon in Bad Staffelstein und nächstes Jahr soll es ein Lauf durch die Weinbaugebiete in der Nähe von Bordeaux sein. Mit diesem Hobby bin ich als Mitglied der Feuerwehr Hainstadt auch schon mehrfach Deutscher Meister geworden (Feuerwehrlauf).

Ein weiteres Hobby ist für mich die Fastnacht. Damit die Pfarreifastnacht in Hainstadt weiter am Leben bleibt habe ich mit Gleichgesinnten vor einigen Jahren die Fastnachtsfreunde gegründet und bin seit dieser Zeit dort Schriftführer.

Was ist ihr Lieblingsgericht?

Ich esse am liebsten Nudeln, auch wenn meine Frau behauptet, dass Kartoffeln auch viele Kohlenhydrate beinhalten.

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