„Keine ökologischen Vorteile"

Hainburg - (kg) Eine „herbe Enttäuschung" stellt nach Ansicht von Hainburgs Bürgermeister Bernhard Bessel die landesplanerische Beurteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt im Raumordnungsverfahren Staudinger Großkrotzenburg dar, nach der der geplante Neubau eines Steinkohleblocks (Block 6) bei Beachtung diverser Maßgaben mit den Erfordernissen der Raumordnung übereinstimmt.

Doch für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Staudinger, der außer Hainburg auch Hanau und Alzenau angehören, geht der Kampf gegen das Projekt weiter. In den nächsten Tagen werden die künftigen Aktionen abgestimmt. In der Gemeindevertretersitzung am Montagabend im Hainstädter Feuerwehrhaus verabschiedeten CDU, SPD, Grüne, Bürger für Hainburg (BfH) und FDP einstimmig eine Hainburger Erklärung, die Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke erarbeitet hat. Darin wendet sich die Hainburger Gemeindevertretung an die Mitglieder der Regionalversammlung und vorab ihren Ausschuss mit der Bitte, der Abweichung vom Regionalplan Südhessen 2000 für die E.ON-Bauvorhaben im Überschwemmungsgebiet des Mains nicht zuzustimmen. Zudem fordern sie vom Träger des Vorhabens die ernsthafte Prüfung ökologisch verträglicher Alternativen zu dem Vorhaben. Der Erklärung ist zu entnehmen, dass wesentliche Alternativen und zentrale Fragen der ökologischen Belastung der Region im Raumordnungsverfahren und in der abschließenden landesplanerischen Beurteilung des Regierungspräsidiums ungeklärt sind. Dazu zählen insbesondere der zukünftige Energiebedarf; die Potenziale von erneuerbaren Energien in Hessen; die Alternativen zum Vorhaben; die Vorbelastung der Region durch Luftschadstoffe; die Windverhältnisse auf Höhe des geplanten Ausstoßes der Schadstoffe über dem 1800 Meter hohen Kühlturm; die Einholung einer methodisch korrekten Immissionsprognose unter Berücksichtigung der Sogwirkung der benachbarten Gebäude; die Belastung des Nahbereichs durch Stickoxide bei Inversionswetterlage; die Belastung des Flusswassers durch Schadstoffe im Niederschlag des Kühlturms und die humantoxikologische Bewertung der gesteigerten Belastung der Anwohner durch krebserzeugende Schwermetalle. „E.ON hat jede ernsthafte Prüfung von Alternativen und Varianten zum geplanten Vorhaben unterlassen, und die Obere Landesplanungsbehörde hat ihre Möglichkeiten der Einflussnahme nicht voll ausgeschöpft", heißt es in dem Papier.

Weiter wird klar gestellt, dass sich die Gemeinde Hainburg in den Bewertungen der von ihr im Erörterungstermin präsentierten Sachverständigen darin bestätigt sieht, dass der geplante Steinkohleblock mit 1 100 MW klimaschädlich ist und die Gesundheit der Bewohner der Region insbesondere durch Schwermetalle und Feinstaub gefährdet, die wegen ihrer Krebsgefahr auch bei geringsten Mengen folgenschwere Schäden verursachen. Deshalb biete das Kohlegroßkraftwerk keine ökologischen Vorteile für die Region Südhessen. Die vom Regierungspräsidium angeführten Argumente für die ökologischen Vorteile würden sich bei näherer Betrachtung erheblich reduzieren."

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