Kinderbetreuung

Die Kosten sind explodiert

Hainburg - Die Kinderbetreuung bildete neben Rathausneubau und Biotonne den dritten Themenschwerpunkt bei der Bürgerversammlung im Feuerwehrhaus Hainstadt. Bürgermeister Bernhard Bessel (CDU) berichtete über den Ist-Stand und Pläne für die nähere Zukunft. Von Katrin Stassig

An den Kindertagesstätten in Hainburg stehen aktuell 82 Plätze in der U3-Betreuung zur Verfügung. Das entspricht einer Quote von fast 50 Prozent. Damit liegt die Gemeinde über der gesetzlichen Vorgabe von 35 Prozent. Der tatsächliche Bedarf ist allerdings größer. „Die Nachfrage steigt“, sagte Bürgermeister Bessel. „Es gibt Kinder, die nicht gleich einen Platz bekommen.“ Die Warteliste sei zwar begrenzt, aber es gibt sie. Die Gemeinde hat deshalb wie berichtet die Weichen für einen Neubau an der Kita Tabaluga gestellt. 20 neue U3-Plätze sollen dort entstehen, und zwar bis spätestens Ende 2015. „Damit wir für alle genügend Plätze zur Verfügung stellen können.“ Den Rechtsanspruch der Eltern und den Zuzug vieler junger Familien mit kleinen Kindern im Neubaugebiet Löschem nennt Bessel als Gründe für die erhöhte Nachfrage.

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Die Versorgung mit ausreichend Betreuungsplätzen stellt die Gemeinde vor große Herausforderungen. Ein U3-Platz koste 1 000 bis 1 400 Euro, die Eltern zahlen eine Gebühr von maximal 300 Euro pro Monat, rechnete Bessel vor. 2,8 Millionen Euro (inklusive der Betreuung an Schulen) fallen an laufenden Unterhaltungskosten pro Jahr an. „Das ist der Grund, warum wir keinen ausgeglichenen Haushalt haben“, erläuterte der Bürgermeister und Kämmerer. „Weil die Kosten für die Kinderbetreuung explodiert sind.“

Dass es nicht nur bei den Krippen-, sondern auch bei den regulären Kindergartenplätzen mal zu Engpässen kommt, brachte Thorwald Ritter zur Sprache. Er berichtete von einer syrischen Familie, die schon anerkannt sei und deren Kinder er in einer Kita anmelden wollte. Frühestens für September habe man ihm einen Platz in Aussicht stellen können. Dieses Thema kam auf Nachfrage der Grünen noch einmal in der Gemeindevertretersitzung am Montag zur Sprache. Die Fraktion wollte wissen, wie viele Kinder aktuell auf der Warteliste für U3- und Ü3-Plätze stehen.

Klagen auf einen Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Konkrete Zahlen konnte der Bürgermeister nicht nennen. Er räumte ein, dass es auch bei den Drei- bis Sechsjährigen vorkomme, „dass das eine oder andere Kind nicht gleich einen Platz bekommt“. Gerade im Fall der Flüchtlinge sei das schwer im Voraus planbar, weshalb es zu Wartezeiten kommen könne. Wie Susan Ritter berichtete, geht es aktuell um ein Kind, das im September eingeschult werden und bis dahin noch eine Kita besuchen soll, damit es schneller Deutsch lernt.

Rein rechnerisch seien genügend Plätze vorhanden, erläuterte Bessel. Durch altersgemischte Gruppen mit Kleinkindern und durch die Inklusion von behinderten Kindern reduziere sich aber deren Zahl – weil diese Kinder eine intensivere Betreuung benötigen. Das wollte der Bürgermeister nicht negativ verstanden wissen, aber es sei der Grund, warum die Kindergärten heute weniger Plätze anbieten könnten als noch vor einigen Jahren. Die gesetzlichen Vorgaben zur Höchstgrenze seien strikt. „Ich kann die Plätze nicht herzaubern, und ich kann auch nicht so schnell bauen“, bat er um Geduld.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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