Antrag der Grünen vor der Entscheidung

Ist die Kinderfarm in Hainburg noch zu retten?

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Die Aktivitäten auf dem Kinderfarm-Gelände sind eingeschränkt, aber nicht eingeschlafen. Das Foto zeigt Viertklässler der Johannes-Gutenberg-Schule, die auf dem BUND-Grundstück an der Wiesenstraße Hainburgs höchsten Rebstock abernten.

Hainburg - Viel Ärger hat es im vergangenen Jahr um das Projekt Kinderfarm in Hainburg gegeben. Die Untere Naturschutzbehörde hatte die Aktivitäten auf dem BUND-Grundstück an der Wiesenstraße untersagt, weil das Gelände im Naturschutzgebiet liegt. Von Katrin Stassig 

Die Grünen geben ihre Bemühungen nicht auf, das Projekt doch noch zu retten. Möglich wäre dies durch eine Änderung des Bebauungsplans. Die Verfügung der Unteren Naturschützbehörde (UNB) des Kreises Offenbach vom Dezember 2016, adressiert an Thorwald Ritter als Vorsitzenden des BUND, fand deutliche Worte. Die „unbefugte Nutzung“ des Grundstückes im Landschaftsschutzgebiet sei „sofort zu beenden“, die Bauten (Holzhütte, Baumhaus, Toilettenhäuschen) sollten innerhalb eines Monats entfernt werden. Die Behörde sprach von schädlichen Eingriffen in Biotop, örtliches Klima und Landschaftsbild und drohte mit Zwangsgeldern.

Im Sommer 2016 hatte die Initiative Kinder- und Jugendfarm ihre Aktivitäten aufgenommen, der BUND hatte dafür das Grundstück an der verlängerten Wiesenstraße in Klein-Krotzenburg zur Verfügung gestellt. Die Kinder bauten dort Insektenhotels, eine Komposttoilette wurde angelegt. An sich ein schönes Projekt – angesichts der Lage im Schutzgebiet verstand die Behörde jedoch keinen Spaß.

Auch wenn die Initiative die Einschätzung der UNB nicht teilte und ihre Aktivitäten als „vollkommen naturverträglich“ bezeichnete, beugte sie sich den Vorgaben. Monatliche Treffen finden auf dem Areal zwar bis heute statt, die Möglichkeiten sind jedoch stark eingeschränkt. Die Fraktion der Grünen bemüht sich seit Monaten, das Projekt doch noch zu retten. Möglich wäre dies, wie berichtet, über eine Änderung des Bebauungsplans.

Der Antrag befindet sich seit Anfang Juli im Geschäftsgang und lautet konkret: „Der Gemeindevorstand wird beauftragt zu prüfen, inwieweit durch Änderung des Bebauungsplans 18 auf dem Grundstück 27 eine Kinder- und Jugendfarm ermöglicht werden kann.“ Nötig wäre dafür eine Umwidmung des BUND-Grundstücks von Weideland zu Spielplatz, heißt es in der Begründung. In der Sitzung der Gemeindevertretung im September ist der Antrag zur endgültigen Entscheidung in den Ausschuss verwiesen, dort zunächst vertagt worden. Hintergrund: Thorwald Ritter möchte alle Ausschussmitglieder auf das Grundstück einladen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Noch hatten nicht alle die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild zu machen.

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Die Grünen haben ihr Anliegen als interfraktionellen Antrag formuliert. Neben dem eigenen Fraktionsvorsitzenden Cliff Hollmann hat aber bis dato nur die SPD unterschrieben. Vor allem die CDU dürfte schwer zu überzeugen sein. Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) hatte im 100-Tage-Interview mit unserer Zeitung die Vorgehensweise kritisiert, das Projekt nachträglich legalisieren zu wollen.

Ritter bezweifelt, dass es ein anderes geeignetes Gelände gibt, um die Kinderfarm umzusetzen – mit Ausnahme des Kolping-Paradieses, wo neben dem entsprechenden Bebauungsplan auch die Infrastruktur (Toiletten, Feuerstelle) vorhanden wäre.

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