Kleiderlager St. Nikolaus:

Umsonst gibt es nichts

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Aufräumen nach dem Kundenansturm (von links): Sabine Reis, Gabi Schwab, Therese Kulessa, Hannelore Lohr und Christel Rauscher im Kleiderlager der Pfarrcaritas in Klein-Krotzenburg.

Klein-Krotzenburg - Der Bedarf ist nach wie vor groß. Zweimal pro Woche öffnet das Kleiderlager in Klein-Krotzenburg seine Türen und gibt gebrauchte Waren zu geringen Preisen aus. Zu den Kunden zählen hauptsächlich Flüchtlinge und osteuropäische Pflegekräfte. Von Katrin Stassig

Grundsätzlich ist das Angebot der katholischen Pfarrei aber für alle Menschen gedacht, gleich welcher Nationalität oder Religion. Um kurz nach drei hat sich der Trubel gelegt, und eine halbe Stunde später ist der Laden leer. Die Frauen, die heute Dienst im Kleiderlager der Caritas versehen, beginnen schon mal mit dem Aufräumen, falten Hosen und legen Pullover wieder ordentlich zusammen. „Heute waren nicht ganz so viele da“, resümieren sie. Das ist in diesem Fall relativ. Als das Kleiderlager an der Friedrich-Ebert-Straße an diesem Donnerstag um 14.30 Uhr öffnet, hat sich vor der Tür schon eine kleine Menschentraube gebildet. Etwa 20 bis 30 Kunden zählen die ehrenamtlichen Helfer während der Öffnungszeiten. Die meisten kommen gleich am Anfang, weil die besten Stücke sonst weg sind. Und donnerstags herrscht weniger Betrieb als mittwochs, wenn nach der Dienstags-Anlieferung neue Ware in den Regalen liegt.

Seit 15 Monaten ist das Kleiderlager der katholischen Pfarrei St. Nikolaus am neuen Standort in Betrieb. In den alten Räumlichkeiten im Keller des ehemaligen Schwesternhauses war es zu eng geworden (wir berichteten). In den neuen Räumen gehen Annahme und Ausgabe von Kleidern getrennt über die Bühne, was es den Helfern deutlich erleichtert, den Überblick zu behalten. Außerdem haben sie viel mehr Platz zur Verfügung, die Waren ansprechend zu präsentieren, und auch die Kunden müssen sich nicht mehr vor den Auslagen und an den Kleiderständern drängen.

Zu Stoßzeiten ist der Raum trotzdem voll. Die Frauen haben ihren Nachwuchs im Kinderwagen dabei. Viele von ihnen kommen aus den Flüchtlingsunterkünften in Klein-Krotzenburg, auch osteuropäische Pflegekräfte gehören zu den Stammkunden. „Das Angebot ist aber grundsätzlich für alle gedacht“, betont Therese Kulessa vom Helferteam. Sie kümmert sich an diesem Nachmittag gemeinsam mit Gabi Schwab, Sabine Reis, Hannelore Lohr und Christel Rauscher um die Kunden. Zum Team gehören noch Elli Botzum, Edeltraud Kosch und Marion Schwab. Im Hintergrund wirken Edmund Schwab, Vorsitzender des Caritas-Ausschusses im Pfarrgemeinderat von St. Nikolaus, seine Frau Maria und Hans Rauscher mit.

Christel Rauscher macht heute die Kasse. Eine ältere Frau mit Kopftuch legt einen großen Stapel Kleidungsstücke auf den Tisch. „Haben Sie eine Tüte dabei?“, fragt Christel Rauscher. Die sollen die Kunden selbst mitbringen, denken aber nicht immer daran. Auch das Kleingeld reicht nicht immer. Die Frauen drücken dann schon mal ein Auge zu oder bitten darum, den Restbetrag beim nächsten Mal mitzubringen. Manchmal legen die Kundinnen sich auch gegenseitig etwas aus.

Das perfekte Brautkleid finden

Umsonst gibt es aber nichts. Zwischen einem und fünf Euro verlangen die Helfer, legen die Preise meist spontan fest. Je nachdem, wie gut die Schuhe, die Jacke, der Pullover oder die Bluse erhalten sind. Die Gemeinde Hainburg zahlt die Miete für die Räumlichkeiten, Kosten entstehen der Pfarrei aber für die Umlagen.

Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist nach wie vor ungebrochen, bestätigt Edmund Schwab. So können im Laden neben Kleidung und Schuhen auch Bettwäsche, Spielsachen, Kaffee- und Teeservice und andere Haushaltswaren angeboten werden. Bei muslimischen Familien sind Teppiche traditionell sehr gefragt.

Die Helfer bitten eindringlich darum, keine Säcke oder Kisten mit Spenden vor der Tür abzustellen. Das kommt vor, und oft handelt es sich dabei um stark abgenutzte Textilien oder Schuhe, die eigentlich in den Müll gehören. Das Kleiderlager-Team steht dienstags für die Annahme bereit. Edmund Schwab berichtet außerdem von Anfragen mehrerer Spender, die nicht selbst vorbeikommen können. Dort will er am nächsten Tag mit dem Pfarrbus hinfahren und die Ware abholen.

Für die Zukunft würde sich das Klein-Krotzenburger Frauenteam einen neuen Namen für die Einrichtung wünschen. Der Begriff „Lager“ klinge irreführend, meinen sie. Eine Anregung, die Edmund Schwab im Pfarrgemeinderat zur Sprache bringen will.

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