Kontakt zur katholischen Diözese in Irkutsk

Im größten Bistum der Welt

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Alte Pelzhändler-Villen zeugen noch heute davon, wer die Stadt einst gründete.

Klein-Krotzenburg - Sein beinahe weltumspannender katholischer Kommunikationsbedarf hat mal wieder von ihm Besitz ergriffen: Heinz Brauneis, 70-jähriger Klein-Krotzenburger Unternehmer, Wohltäter und Weltenbummler, ist im Schlafwagen der Transsibirischen Eisenbahn hunderte von Kilometer ins russische Irkutsk gereist, um dort die Kirche der katholischen Minderheit zu besuchen und Kontakte zu knüpfen.

Heinz Brauneis am Taufbecken der neuen katholischen Kirche von Irkutsk.

Am Baikalsee entlang, dem tiefsten und ältesten Süßwassersee der Welt, ging die Reise von Heinz Brauneis etwa 280 Kilometer entlang. Bei etwa 1,50 Meter dicker Eisfläche ist der See jährlich von Mitte Februar bis Ende März für den Bus- und Lkw-Verkehr freigegeben. „Bei Temperaturen um minus 20 Grad Celsius und kälter gehört besonders warme Spezial-Kleidung und eine einigermaßen robuste Gesundheit bei solchen Exkursionen dazu“, erzählt Brauneis von seiner jüngsten Reise.
Seit 2009 pflegt Heinz Brauneis Kontakte zu Katholiken in der Mongolei. In Klein-Krotzenburg ist der 70-Jährige für sein Engagement in der Pfarrei Sankt Nikolaus und für den Wallfahrtsort Liebfrauenheide bekannt. Anlässlich seines runden Geburtstags im Oktober hatte Brauneis Geld gesammelt und mehr als 25.000 Euro für Waisenkinder gespendet.

Das katholische Bistum Sankt Josef und der Bischofssitz Irkutsk verwalten zwar die recht überschaubare Anzahl von etwa 54.000 katholischen Christen. Die endlosen Weiten des Hinterlandes sorgen jedoch dafür, dass es sich flächenmäßig um die größte Diözese der katholischen Welt handelt. Als eine Art christlicher Diplomat nahm Heinz Brauneis inoffiziellen Kontakt mit dem deutschsprachigen Sekretär des polnischen Bischofs von Irkutsk auf, nahm an Stadt- und Kirchenführungen teil, kam auch mit dortigen katholischen Mitchristen und weiteren Geistlichen ins Gespräch. Dabei stieß er auf Freundlichkeit und Interesse, lernte viel über Kirchenkultur und -historie, knüpfte freundschaftliche Kontakte. Der Bischof selbst verweilte während dieser Zeit bei einem Diensttreffen in Prag.

Polnische Einwanderer waren es, die einst eine katholische Minderheit in Irkutsk begründeten und organisierten. Die erste katholische Kirche in der Stadt wurde um 1825 aus Holz errichtet und fiel im Jahr 1879 dem Großbrand von Irkutsk zum Opfer. Ab 1881 wurde dort als Backsteinbau eine neue Kirche im neugotischen Baustil errichtet, um sie optisch von den Kuppelbauten der vielen orthodoxen Kirchen abzugrenzen. Im Dezember 1884 wurde sie geweiht. Ausgestattet mit einem amerikanischen Harmonium wurde sie bis 1938 als Gotteshaus genutzt, 1978 dann als Konzertsaal wieder eröffnet und mit der Orgel einer Potsdamer Firma ausgestattet. Seit 1990 dient die Kirche mit dem Patrozinium „Mariä Himmelfahrt“ auch sporadisch wieder als Gottesdienststätte für Irkutsker Katholiken.

Heutige Bischofskirche ist jedoch die römisch-katholische Kathedrale von Irkutsk („Unbeflecktes Herz Mariä“), die nach Gründung des Bistums Irkutsk im Mai 1999 im September des Jahres 2000 durch Papst Johannes Paul II. geweiht wurde. Das Bistum Sankt Josef verfügte nach statistischen Erhebungen der vergangenen Jahre unter Leitung von Diözesanbischof Cyryl Klimowicz über 42 Pfarreien mit rund 40 Diözesan- und Ordenspriestern. Die Liturgiesprache ist Russisch, das Bistum untersteht dem katholischen Erzbistum Moskau.

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Vor nicht mal zwei Jahrzehnten von polnischen Architekten entworfen, fällt das aus Sichtbeton bestehende neue Gotteshaus besonders durch seinen markanten gespaltenen Turm auf. „Gutbesuchte Gottesdienste finden dort zweimal an jedem Sonntag statt“, berichtet Heinz Brauneis, der selbst daran teilgenommen hat. Ein Priesterseminar sorgt für die Ausbildung von polnischen und russischen Priesteranwärtern, auch einzelne internationale Glaubensbrüder aus Vietnam oder dem Kongo sind dort anzutreffen. „Der Glaube ist dort noch sehr ausgeprägt“, stellt Brauneis fest. Durch die polnischen Wurzeln besteht nach wie vor eine starke Verbindung zu diesem Land. Aus Polen fließen Gelder und Spenden nach Irkutsk.

Heinz Brauneis plant derweil schon seine nächste „christliche Kommunikationsreise“, die ihn voraussichtlich im Sommer nach Afrika führen wird. Positive katholische Aspekte wie die Nächstenliebe zu stärken und dabei den Respekt vor und Dialog mit anderen Religionen zu bewahren, sind sein Anspruch. (tku)

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