Kreisel oder nicht, das ist die Frage

Knoten nicht leistungsfähig

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An der sogenannten Köhler-Kreuzung gibt es, genau wie am Knotenpunkt L3065/Ostring, kein gesondertes Ampelsignal für die Linksabbieger. Das führt zu gefährlichen Situationen, in den vergangenen Jahren ereigneten sich immer wieder Unfälle.

Klein-Krotzenburg - Sanierungs- und Verbesserungsbedarf besteht an allen drei Kreuzungen der L 3065 in Klein-Krotzenburg. Von Katrin Stassig

Welcher Weg der sinnvollste ist und ob Kreisel eine Lösung wären, damit beschäftigte sich ein Student der Hochschule Darmstadt in seiner Bachelorarbeit, die den Mitgliedern des Bau- sowie des Haupt- und Finanzausschusses in der jüngsten Sitzung vorgestellt wurde. Ein großes Manko, so erläutert Verkehrsplaner Jürgen Follmann im Fachausschuss in Hainburg, ist die wechselnde Regelung für Linksabbieger an den drei Knotenpunkten der Landesstraße 3065 in Klein-Krotzenburg. An der mittleren Kreuzung, die 2013 saniert wurde, gibt es eine eigene Ampel für die Linksabbieger, an der Köhler-Kreuzung und an der Daimlerstraße müssen die Linksabbieger jeweils den Gegenverkehr beachten. Als Autofahrer komme man da schnell durcheinander, meint Professor Follmann, und die Unfallzahlen belegen, dass es sich dort um Gefahrenpunkte handelt.

In den vergangenen vier Jahren ereigneten sich an der Kreuzung L3065/Daimlerstraße/Ostring neun Unfälle; es gab sechs Leichtverletzte und einen Toten. An der Köhler-Kreuzung gab es im gleichen Zeitraum zehn Unfälle mit neun Leicht- und drei Schwerverletzten.

Die veralteten Ampelanlagen seien Hessen Mobil als zuständiger Behörde ein Dorn im Auge, informiert Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) die Ausschussmitglieder bei der Sitzung im Feuerwehrhaus Klein-Krotzenburg – auch deshalb, weil sie hohe Kosten verursachten. Zunächst ist es aber an der Gemeindevertretung zu entscheiden, ob und wie die Kreuzungen umgestaltet und möglicherweise in Kreisverkehre umgewandelt werden sollen. Grundsätzlicher Vorteil eines Kreisels: Der Verkehrsablauf ist flexibler, die Wartezeiten sind für alle Verkehrsteilnehmer geringer.

Die verschiedenen Varianten inklusive Kosten hat der Student Tobias Kruse in seiner Abschlussarbeit im Fachbereich Bauingenieurwesen (Schwerpunkt Verkehrswesen) untersucht und gegenübergestellt. Dabei spielten auch die Anforderungen der Nahmobilität eine Rolle. Professor Follmann hat die Arbeit betreut, gemeinsam mit Stefanie Heid von Hessen Mobil. Die Behörde hat die Untersuchung mit aktuellen Zahlen unterstützt. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Studenten stellte Follmann im Ausschuss vor.

L3065/Daimlerstraße/Ostring

Die Kreuzung passieren zirka 17.050 Fahrzeuge in 24 Stunden. Der Anteil des Schwerlastverkehrs liegt bei etwa 2,5 Prozent. Die Zahlen von Hessen Mobil sind ziemlich genau ein Jahr alt. Die Verkehrsbelastung auf der Landesstraße und vor allem der Lkw-Verkehr seien in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Die Kreuzung ist nicht barrierefrei und entspreche auch in Bezug auf den Radverkehr nicht den modernen Anforderungen.

Für diesen Knotenpunkt favorisiert der Student einen Kreisverkehr. Dieser wäre mit einem Außendurchmesser von 35 Metern problemlos möglich, ohne dass Eingriffe in private Grundstücke nötig werden. Die Wartezeit würde sich dadurch für alle Verkehrsteilnehmer erheblich verkürzen. Im Gegensatz zur Erneuerung der Lichtsignalanlage (150.000 Euro ohne die notwendige Fahrbahnsanierung) wäre ein Kreisel mit Umbaukosten von 530.000 Euro die teurere Variante, die es bei der zuständigen Behörde durchzusetzen gilt.

L3065/Herderstraße/Zum Königssee

Weniger eindeutig fällt das Fazit bei der Köhler-Kreuzung aus. Ein Grund ist, dass sich dort die Verkehrssituation durch die zusätzlichen Wohnhäuser in der Neuen Ortsmitte noch verändern wird. Bislang sind dort die meisten Fahrzeuge in der Hauptrichtung auf der Landesstraße unterwegs, es gibt wenig Verkehr aus den und in die Nebenstraßen. Über den Knotenpunkt führt ein Schulweg. In den wärmeren Monaten überqueren täglich fast 700 Radfahrer und 250 Fußgänger (überwiegend Schüler) die L3065. Auch die Firma Köhler mit Eisdiele bildet einen Anziehungspunkt.

Nach derzeitigem Stand empfiehlt der Student, lediglich die Lichtsignalanlage zu erneuern. Allerdings ist dort auch die Verlegung der Bushaltestelle im Gespräch und die Frage, ob die Gemeinde vor der Firma Köhler einen Fußweg ausbaut.

Bilder: Große Vielfalt beim Hainburger Markt  

L3065/Kirchstraße/Fasaneriestraße

Das größte Problem stellt aus Sicht der Hainburger der Knotenpunkt an der Fasaneriestraße dar. Obwohl 2013 saniert, erreicht er in der Untersuchung nur die unterste Qualitätsstufe E. Fazit: „Der Knotenpunkt ist in den Hauptverkehrszeiten nicht leistungsfähig.“ Lange Wartezeiten und Rückstaus sind die Regel. Trotz Detektoren reagiere die Ampelschaltung langsam. „Das verstehe ich nicht“, sagt Professor Follmann. Er empfiehlt die Änderung des Signalprogramms.

Einen Kreisverkehr, wie ihn die Opposition gerne hätte, hält er bei Hessen Mobil nicht für durchsetzbar. Der sei erst eine Option, wenn die nächste Sanierung anstehe. Selbst ein Provisorium, wie der „Lego-Kreisel“ in Dietzenbach, koste 200.000 Euro. „Das wird Hessen Mobil nicht zahlen.“ Er sei aber bereit, die Gemeinde bei Verhandlungen zu unterstützen.

Auch eine Rechtsabbiegespur zum Einkaufszentrum Fasanerie-Arkaden sieht der Fachmann kritisch. Durch die breitere Fahrbahn verlängere sich das Signal für Fußgänger, das führe zu Wartezeiten. „Ich glaube eher, dass die Anlage träge ist beim Schalten.“ Follmann vermutet, dass dies der Koordinierung mit der Herderstraße geschuldet sei. Er ist zuversichtlich, dass ein neues Signalprogramm die Lage entschärfen würde.

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