Herausforderung für Gemeinde Hainstadt

632 Flüchtlinge aufgenommen

Hainburg - Einen interessanten Blick in die Hainstädter Nachkriegszeit ermöglicht ein Rückblick des damaligen Bürgermeisters Michael Adam Kins auf das Jahr 1946. Die Parallelen zur heutigen Zeit sind unverkennbar. Thorwald Ritter transkribierte die Ursprungsversion:

Das Jahr 1946 brachte uns eine Reihe von Wahlen, die notwendig waren, um unserem Volk nach dem Zusammenbruch wieder eine organische, durch das freie Wahlrecht erfolgte Verwaltung zu geben, ohne die sich kein Volk und Land regieren kann (...) Große Umwälzungen hat es im Jahr 1946 gegeben in Bezug auf die 632 Flüchtlinge, die in unserer Gemeinde Unterkunft gefunden haben. Es war nicht immer leicht, aber es ging (...) Große Opfer wurden von unseren Landwirten gefordert im Laufe des Jahres an Vieh, Frucht und Kartoffelabgabe (...) Das größte Problem, die Erstellung von Siedlungshäusern, ist im Anfangsstadium steckengeblieben. In diesem Jahr hoffe ich, dass es uns gelingt, unsere Siedlung zu erstellen. Ebenso dringend ist auch die Erstellung von einer Leichenhalle, von der ja die genehmigten Pläne schon vorliegen. Die Straße Auf das Loh soll gestückt und chaussiert werden. Der neue Friedhof wurde erweitert und die Besitzer anderweitig für das infrage kommende Gelände entschädigt. Die Beschaffung und Verteilung des Brennholzes machte und macht jetzt noch große Schwierigkeiten, von denen man vor ein paar Jahren noch keine Ahnung hatte (...) An Sonderunterstützung für Hausbrand und Kartoffel wurden ausgezahlt 20170 RM. An einmaliger Sonderunterstützung an Ostflüchtlinge 50350 RM. An Weihnachten wurde eine Bescherung der Flüchtlingskinder und für die Kinder der Gefallenen durchgeführt, wobei die Kinder reichlich beschenkt werden konnten.

Ich danke den Herren des Gemeinderates, der Baukommission, der Wohnungskommission, dem Schulvorstand, dem Politischen Ausschuss und all denen, die mitgeholfen haben an dem Wiederaufbauwerk unserer Gemeinde und damit unseres Volkes. Ich weiß, es mag den Einzelnen nicht immer leicht gefallen sein, drei-, viermal in einer Woche den Weg zum Rathaus zu gehen und dort in oft stundenlanger Beratung mitzuhelfen, die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die sich immer wieder vor uns auftürmen werden. Am Anfang des neuen Jahres spreche ich aber auch die Bitte aus an die Herren, auch im kommenden Jahre mitzuarbeiten für das Wohl unserer Gemeinde und ihrer Einwohner, damit wir am Ende des Jahres 1947 wieder sagen können: Wir haben getan, was wir konnten, was in unseren Kräften stand.

Mehr als 6000 Flüchtlinge in Heimat zurückgekehrt

mho

Rubriklistenbild: © dpa

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