Spendenbereitschaft und Nachfrage gestiegen

Krotzenburger Kleiderkammer platzt aus allen Nähten

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Platznot in der Kleiderkammer der Klein-Krotzenburger Pfarrei St. Nikolaus: Nur etwa 15 Quadratmeter stehen dem Spendenlager zur Verfügung.  

Klein-Krotzenburg - Die Kleiderkammer der Pfarrei St. Nikolaus im Keller des Alten Schwesternhauses platzt aus allen Nähten. Sowohl die Spendenbereitschaft als auch die Nachfrage sind in den vergangenen Monaten gestiegen. Die ehrenamtlichen Helfer bräuchten deshalb dringend neue, größere Räume. Von Sabine Müller 

„Steht mir der?“ – Mit einem kritischen Blick über ihre Schulter versucht die Frau mit Kopftuch, einen Gesamteindruck von dem schwarzen Wollmantel zu bekommen, den sie gerade anprobiert. Beide Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer bestätigen: Darin macht sie eine gute Figur. Therese Kulessa und Hannelore Lohr haben heute Dienst in der Klein-Krotzenburger Kleiderkammer, und beide freut es, wenn sie ab und an als Stilberaterinnen gefragt sind. Ihre Hauptaufgabe ist allerdings, viele Spendensäcke voller Kleider und Haushaltswaren zu sortieren und übersichtlich zu präsentieren.

Dabei stößt das Helferinnen-Team mittlerweile an seine Grenzen. Der kleine Kellerraum platzt aus allen Nähten. In zweifacher Hinsicht: „Seit drei Monaten ist extrem viel los“, stöhnen die Damen, „vor kurzem waren 20 Leute gleichzeitig hier unten, dann ist es sehr anstrengend zu arbeiten.“

Etwa 15 Quadratmeter stehen dem Spendenlager zur Verfügung, schätzt Edmund Schwab, Vorsitzender des Caritas-Ausschusses im Pfarrgemeinderat von St. Nikolaus und noch mit 80 Jahren unermüdlich im Einsatz für die gute Sache. „Eine Kleiderkammer gab’s schon in den 80er Jahren im hinteren Anbau des Pfarrhauses“, erinnert sich seine Frau Maria. Seit dieser abgerissen wurde, wird der Raum unter Tage in der Friedrich-Ebert-Straße 54 genutzt – 15 Jahre schon.

Er hat nur schmale Fenster, Neonröhren sorgen dafür, dass alles auf den Holzregalen entlang der Wände sowie an den Kleiderständern auf Rollen ins rechte Licht gerückt wird: Wäsche, Oberbekleidung, Jacken, Handtücher, Babyausstattung, Mützen, Schals und bunte Tücher. Im kleinen Gang davor stehen zwei Plastikboxen gefüllt mit Stiefeln, Kinderschühchen, Gummistiefeln sowie weitere Kleiderständer mit Anoraks. In einem zweiten Kellerraum der Kita St. Nikolaus, die oben im Haus residiert, darf das Spendenlager zusätzlich Geschirr und Spiele deponieren; in der Ecke stapeln sich gelbe Plastiksäcke mit aussortierter Ware.

Enorme Spendenbereitschaft

„Derzeit ist viel Ausschuss dabei“, berichten die Ehrenamtlichen. Seitdem publik gemacht wurde, dass immer mehr Flüchtlinge mit nichts hier ankommen, ist die Spendenbereitschaft enorm; viele stellen ihre Gaben außerhalb der Öffnungszeiten im Hof ab. Dann müssen die Mitarbeiterinnen erst mal vorsortieren, denn wenn die Türen fürs Publikum geöffnet werden, ist weder Zeit noch Platz dafür. „Wir sind die Kellerasseln und machen es ja gern“, sagt Hannelore Lohr, seit fünf Jahren dabei. Doch sie ärgert sich, wenn völlig aus der Form geratene, fleckige Kleidung und anderes Zeug zutage kommt. „Dann wühlen wir im Dreck.“ Manchmal müsse man fünf von sieben Tüten ans Kolpingwerk weiterreichen, auch mit Saisonware vom Sommer, für die es keinen Lagerplatz gibt. Prompt präsentiert Edmund Schwab ein paar Taucherflossen. „Aber selbst entsorgen ist besser als die Leute zu ärgern.“

Eine junge Frau mit Kind geht mit suchendem Blick am Regal entlang, fragt: „Bettwäsche hast du nicht?“ Sie bekomme Besuch aus Mazedonien. „Die nehmen immer was von hier mit.“ Bei Bettwäsche muss Therese Kulessa, seit zwölf Jahren im Keller-Einsatz, passen. Stattdessen zeigt sie, was in dem Karton war, den ein Herr mit Schirmmütze vorhin in den Keller geschleppt hat: eine schöne, warm gefütterte Lederjacke. Fünf Euro seien dafür noch angemessen, bezahlt würden aber wahrscheinlich nur drei.

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Hier werde generell viel verschenkt, sagen die Helferinnen, zumal wenn die Menschen einen bedürftigen Eindruck machten. „Viele sind dankbar und freuen sich.“ Doch Therese Kulessa findet auch kritische Worte, erzählt von Zeitgenossen, die säckeweise Ware einpackten und dann nichts dafür bezahlen wollten oder feilschten. Dabei kommt der Verkaufserlös karitativen Projekten der katholischen Kirchengemeinde zugute.

Das Fünfer-Team verstehe sich gut, sagt Hannelore Lohr. „Wir springen bei Krankheit füreinander ein und treffen uns zum Weihnachtsessen.“ Maria Schwab lobt, man könne sich zu 100 Prozent auf die Frauen verlassen. Alle erhoffen sich für das neue Jahr mehr Platz für die ehrenamtliche Arbeit. „Möglichst in der Ortsmitte gelegen, 60 bis 100 Quadratmeter groß, ebenerdig oder Souterrain“, umschreibt Edmund Schwab den benötigten Raum. Wer helfen kann, meldet sich unter 68265.

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