Wo das Wasser sauber wird

Lehrreicher Besuch auf der Kläranlage in Klein-Krotzenburg

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Das Nachklärbecken ist die letzte Station, bevor das Wasser in den Main eingeleitet wird. Im Hintergrund ist der Faulturm zu sehen.

Klein-Krotzenburg -  Was passiert mit dem Abwasser, nachdem wir die Klospülung betätigt haben? Und warum gehört mancher Abfall nicht in die Toilette? Von Katrin Stassig 

Etwa 25 Teilnehmer folgten der Einladung des Hainburger Ehrenamtsbüros im Zuge der Reihe „Runter vom Sofa“ und wagten sich auf die Kläranlage in Klein-Krotzenburg. „Passen Sie auf, wo Sie hintreten. Und fassen Sie nichts an.“ Ein paar kurze Sicherheitshinweise schickt Thomas Keitzl voraus, bevor die Führung startet und er die Tore des ersten Häuschens öffnet. Im Abgrund dahinter arbeiten zwei lange Walzen, und der Geruch, der den Besuchern aus der Tiefe entgegenschlägt, ist so unangenehm, wie man es eben angesichts der Brühe, die dort fließt, erwarten würde.

Abwasser und Regenwasser kommen gemeinsam in der Kläranlage in Klein-Krotzenburg an, vermischt mit allem, was über Gullis oder Toiletten in der Kanalisation entsorgt wird. Über zwei Schnecken wird das Abwasser ins nächste Gebäude transportiert, wo grobe Verschmutzungen und Sand herausgefiltert werden und in Containern landen. In größeren Anlagen wird der Sand gereinigt und zum Beispiel auf Baustellen weiterverwertet. In einer Anlage der Größenordnung Klein-Krotzenburgs würde sich das aber nicht lohnen.

Hainburg verfügt nach wie vor über zwei Kläranlagen in den beiden Ortsteilen; die in Klein-Krotzenburg wurde 2001 umgebaut. Damals gab es Überlegungen, die Anlagen an einem Standort zusammenzulegen. „Die Frage wird sich zu gegebener Zeit wieder stellen“, sagt Bürgermeister Alexander Böhn den Teilnehmern zur Begrüßung.

Bis dahin kommt am Ende der Friedrich-Ebert-Straße das Regen- und Abwasser des Ortsteils Klein-Krotzenburg an. Die umliegenden Häuser sind nach der Anlage gebaut worden; Beschwerden über Geruchsbelästigungen hören die Mitarbeiter von dort nicht. Als die Kläranlage um 1960 in Betrieb ging, gab es nur eine einfache mechanische Reinigung. Heute kommen Bakterien und Eisendreichlorid (zur Phosphorelimination) zum Einsatz, um das Wasser zu säubern und umweltverträglich zu machen.

Auf multiresistente Keime oder Medikamentenrückstände wird der Klärschlamm nicht untersucht, beantwortet Thomas Keitzl am Klärbecken entsprechende Fragen aus dem Publikum. Diesbezüglich gebe es bisher keine Vorgaben.

Nächste Station ist am Faulturm, den es in Klein-Krotzenburg, nicht aber auf der Hainstädter Anlage gibt. Das dort gewonnene Gas kommt zwar nicht an die Qualität von Erdgas heran, auf der Kläranlage wird es trotzdem zur Energieerzeugung verwendet. „Wir haben eine spezielle Heizanlage, die mit Erdgas und mit dem minderwertigen Faulgas funktioniert“, erläutert Thomas Keitzl. Zur Energieversorgung trägt auch die Solaranlage bei, die 2013 auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Mensch und Umwelt (AMU) auf dem Dach installiert wurde.

Der Klärschlamm wird zum Teil im Kraftwerk Staudinger mitverbrannt und geht außerdem zur Müllverbrennung in Offenbach. Bevor das Material zur Verbrennung transportiert wird, passiert es zur Entwässerung den sogenannten Dekanter. Auch diese Maschine ist eingehaust – und das Geruchserlebnis beim Öffnen der Türen besonders intensiv. Ungläubig registrieren die Besucher, die sich hineintrauen, einen Stuhl und einen Schreibtisch in einer Ecke des Häuschens. Aber Thomas Keitzl und seine Kollegen sind diesbezüglich abgehärtet.

4,5 Mitarbeiter sind auf den beiden Kläranlagen im Einsatz. Hinzu kommen technischer und kaufmännischer Leiter der Gemeindewerke. Ein Mitarbeiter muss permanent in Bereitschaft sein – jeweils eine Woche lang. „Wir arbeiten jeden Tag“, sagt Thomas Keitzl. Falls die Alarmierung losgeht, muss einer nach dem Rechten sehen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn der Rechen verstopft ist. Keitzl verbindet diese Information mit einem kleinen Appell an die Besucher: Feuchtes Toilettenpapier oder Tampons gehören nicht ins Klo, können letztlich auch dazu führen, dass der eigene Hausanschluss verstopft. Um dieses Problem muss sich dann jeder Eigentümer selbst kümmern.

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Letzte Station der Führung ist das Nachklärbecken. Das ist bei Enten beliebt, weil das Wasser drei bis vier Grad wärmer ist als im Main. Bevor das geklärte Wasser in den Fluss eingeleitet wird, passiert es die Messstelle. Zweimal im Jahr nimmt das Regierungspräsidium dort unangemeldet Proben. Auch die Kommune selbst lässt das Wasser im Labor untersuchen, damit die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten werden.

Auf der Kläranlage macht sich nach Angaben der Mitarbeiter übrigens auch der Klimawandel bemerkbar: Der Wasserdurchfluss nimmt von Jahr zu Jahr zu. In diesem Punkt kann jeder Einzelne entgegenwirken. Wer möglichst wenig Flächen im Garten versiegelt oder Regenwasser zum Gießen sammelt, trägt letztlich auch dazu bei, dass die Abwassergebühren nicht exorbitant steigen.

Zum Abschied verrät Thomas Keitzl, dass er seinen Job aus Überzeugung und gerne macht. „Fachkraft für Abwassertechnik“ lautet die offizielle Tätigkeitsbezeichnung, aber er sieht sich als Umwelthelfer. „Das Wasser kommt schmutzig hier an, wir machen es sauber.“

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