Lesetipps von Autor Jan Costin Wagner

Spannende Alternativen zu „Shades of Grey“

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Bücherernte mit (von links): Jan Costin Wagner, Jannis Blüml, Eva Mauser, Thomas Stoll und Claudia Becker-Klingler.

Hainstadt - Was gibt es Behaglicheres, als an einem trüben Wintertag mit einem guten Buch im warmen Wohnzimmer auf der Couch zu sitzen? Wer für solche Anlässe – oder für den Geschenkekauf zu Weihnachten – Tipps brauchte, dem half die „Bücherernte“ der Bücherstube Klingler auf die Sprünge. Von Katrin Stassig 

Dazu hatte das Team der Buchhandlung einen besonderen Gast eingeladen. Mehr als 30 Punkte, fast ausschließlich Neuerscheinungen des Jahres 2014, stehen an diesem Abend auf der langen Liste der Empfehlungen. Das lesebegeisterte Publikum in der etwas beengten, aber umso gemütlicheren Bücherstube hätte vermutlich auch noch doppelt so lange zugehört. Vergnügliche und spannende Romane, Krimis und Kurzgeschichten stellen die Buchhändler vor. Finnland, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2014, widmen Claudia Becker-Klingler und ihre Kollegen ein eigenes Kapitel.

Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und der Kollaboration Finnlands mit den Nazis spielt „Wildauge“ von Katja Kettu. „Ein Buch, das einen überwältigt“, sagt Becker-Klingler. Ihr Krimitipp aus dem hohen Norden ist „Kolibri“ von Kati Hiekkapelto, „ein düsterer, oft schwermütiger Krimi aus der finnischen Provinz“. Eine Polizistin mit Migrationshintergrund muss mit einem ungehobelten neuen Kollegen zusammenarbeiten, der keine Ausländer mag.

Zwei Klassiker werden empfohlen

Als Gast zur diesjährigen Bücherernte begrüßt der Buchladen den Schriftsteller Jan Costin Wagner, der in Hainburg lebt und der Finnland seit 22 Jahren seine zweite Heimat nennt. 2014 ist mit „Tage des letzten Schnees“ sein fünfter Roman um den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa erschienen. Wagner stellt „Kalevala“ vor, eine Nacherzählung des finnischen Nationalepos. „Ich hatte es noch nicht gelesen“, gesteht er – auch wenn er manchmal so getan habe, als würde er die finnische Originalfassung studieren.

Der Autor empfiehlt dem Publikum außerdem zwei Klassiker, die „mein Schreiben mit geprägt haben“. Vor etwa 20 Jahren hat er „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith gelesen und „sofort gewusst, das werde ich nicht mehr vergessen“. Ähnlich ist es ihm mit Friedrich Dürrenmatts Kriminalroman „Das Versprechen“ ergangen. Wagner bezeichnet den Schweizer Schriftsteller als einen der besten Dramaturgen. Dürrenmatt habe die Fähigkeit, eine Geschichte zu Ende zu denken, und zwar anders, als der Leser es erwarte. Wer nur die Filmfassung („Es geschah am helllichten Tag“ mit Heinz Rühmann und Gerd Fröbe) kennt, wird vom Ausgang des Buches überrascht sein.

„Zu Recht auf der Bestsellerliste“ steht nach Ansicht Wagners die Krimireihe von Hjorth & Rosenfeldt (zum Beispiel „Das Mädchen, das verstummte“). Extrem spannend, unterhaltsam und professionell geschrieben, ein klassischer „Pageturner“, lautet sein Urteil. Große Stärke seien die psychologisch überzeugend angelegten Figuren.

In eine ganz andere Richtung geht „Lust auf dich“ von Fabio Volo. „Wem Shades of Grey zu langweilig und schlecht geschrieben ist, versuche es mit diesem Buch“, rät Claudia Becker-Klingler.

Impressionen der Buchmesse (2014)

Buchmesse 2014: Impressionen

Kollege Thomas Stoll legt den Lesern einen unterhaltsamen Roman des Schweizer Autors Alex Capus („Mein Nachbar Urs“) ans Herz. Als zwiespältig bezeichnet Stoll das Lesevergnügen bei „Er ist wieder da“ von Timor Vermes. Adolf Hitler wacht im Jahr 2011 in Berlin auf einer Wiese auf. „Es ist eine Persiflage auf unsere Gesellschaft, aber kann man darüber lachen? Darf man über ihn, darf man mit ihm lachen?“

Eva Mauser stellt unter anderem „Alpha & Omega“ von Markus Orths vor. Die „Apokalypse für Anfänger“ spielt im Jahr 2525 und in der Gegenwart und vereint illustre Figuren wie einen schwulen Buddha, einen fliegenden Magier und eine sexbesessene Teilchenphysikerin.

Als weiterer Gast an diesem Abend hat Jannis Blüml vom Leseclub 2.0 zwei Bücher ausgesucht, die er dem Publikum präsentiert. „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami enthält sieben längere Erzählungen und ist mit 254 Seiten ein vergleichsweise schmales Werk des japanischen Autors. „Endgame“ von James Frey ist ein Jugendbuch, „das extrem spannend ist und dem Leser die Möglichkeit gibt, eine halbe Million zu gewinnen“ – sofern er die im Buch verteilten Rätsel löst. Und das, so verrät Jannis, „ist schwerer, als man denkt“.

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