Aus für Hainstädter Kranken- und Sterbekasse

„Mathilde“ hat keine Zukunft

Hainstadt - Ende des Jahres verschwindet mit der Kranken- und Sterbekasse „Mathilde“ eine Hainstädter Institution. 157 Jahre nach ihrer Gründung wird sie aufgelöst. Das beschlossen die Mitglieder auf einer außerordentlichen Versammlung.

Die Zeit der kleinen Versicherungsvereine geht zu Ende. Bereits in den vergangenen Jahren haben viele andernorts bereits aufgegeben, nun haben die Mitglieder in einer außerordentlichen Versammlung auch die Auflösung der 1861 gegründeten Kranken- und Sterbekasse „Mathilde“ zum Ende des Jahres beschlossen. Mehr als 98 Prozent der Anwesenden stimmten dafür. Vorsitzender Rudolf Kaller, der in der vollbesetzten Tischtennishalle in Hainstadt unter anderem Kerstin Renz von der Aufsichtsbehörde der Kasse, dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, begrüßte, begründete vor der Abstimmung nochmals den Auflösungsantrag des Vorstands, der den Mitgliedern bereits im Frühjahr in einer Mitgliederversammlung angekündigt worden war (wir berichteten). Überalterung der Mitglieder, Rückgang der Beitragseinnahmen durch viele Sterbefälle, die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), kein Erfolg bei der Werbung jüngerer Mitglieder, hätten dazu geführt, dass die „Mathilde“ keine Zukunft mehr habe.

Die Negativentwicklung bei den Beitragseinnahmen und bei den Vermögenserträgen hätte nur durch eine drastische Erhöhung der Beiträge bzw. durch empfindliche Leistungskürzungen vorübergehend abgebremst werden können, aber langfristig das Überleben der Kasse auch nicht gesichert, erläuterte Kaller weiter. „Die „Mathilde“ wäre dann nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt zur Auflösung gekommen“, betonte er. Nun könnten noch viele Mitglieder von der Verteilung des Kassenvermögens von mehr als einer Million Euro profitieren.

Dazu beschloss die Mitgliederversammlung ein Konzept, das die Verteilung des verbleibenden Kassenvermögens der „Mathilde“ an die Mitglieder bzw. an deren Erben regelt. Es sieht vor, dass der Vorstand einen Versicherungsmathematiker mit der Berechnung eines Verteilungsschlüssels nach versicherungsmathematischen Grundsätzen beauftragt. „Basis dafür bildet die individuelle Deckungsrückstellung für jeden Vertrag. Darüber hinaus wird auch die Zahl der Beitragsjahre bei der Bestimmung des Verteilungsschlüssels berücksichtigt werden“, erläuterte Kaller. Die Auszahlung des Kassenvermögens wird entsprechend den aufsichtsrechtlichen Vorgaben Anfang 2020 erfolgen. (sig)

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