Der Wachtelkönig ist wieder da

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Mit finanzieller Unterstützung des Kreises Offenbach haben die Mitglieder des NABU eine Uferschwalbenwand errichtet. Das Häuschen wurde im Mai eingeweiht und beherbergt 54 Nisthöhlen für Uferschwalben und zwei für Eisvögel.

Hainburg - Die Ortsgruppe Hainburg im Naturschutzbund (NABU) blickt auf ein aktives und erfolgreiches Jahr zurück. Besonders erfreulich: Auch die Jugend ist bereits eifrig in Sachen Artenschutz unterwegs.

Im Hainburger Wald, der Teil der Sandkiefernwälder am östlichen Untermain ist, gibt es eine ganz besondere Vogelart. Wer spät an warmen Sommerabenden an offeneren Stellen auf dem Katzenbuckel durch den Kiefernwald geht, kann mit etwas Glück ein lautes Schnurren hören. Was im ersten Moment klingt wie ein technisches Gerät, ist tatsächlich Vogelgesang. Der Verursacher dieser Töne sitzt meist auf einem freien Ast – und zwar nicht wie andere Vögel quer, sondern längs. Seinen Brutplatz wählt er so, dass er mit seinem „rindenfarbenen“ Gefieder fast nicht zu sehen ist. Der Ziegenmelker ist die „Leitart“ für die Tiergemeinschaft im oben genannten Lebensraum.

Viele weitere interessante und teils seltene Vogelarten haben die Naturschützer im vergangenen Jahr beobachtet, darunter Zwerg- und Haubentaucher, Wander-, Baum- und Turmfalken, Habichte und Steinkäuze. Auch der Ruf des Wachtelkönigs war erstmals seit mehreren Jahren wieder zu hören – und er hat sogar Junge ausgebrütet. Einer von drei Teilbereichen des Vogelschutzgebietes Sandkiefernwälder befindet sich im Wald zwischen dem Kreisel an der B 45 beiderseits der Landstraße L 3416 und der Bebauung von Hainstadt. Dort hat die Firma Bio-Plan im Jahr 2006 eine Grunddaten-Erhebung vorgenommen. In dieser Schutzkategorie geht die normale forstwirtschaftliche Nutzung weiter, die Forstverwaltung muss aber im Auge haben, wie durch Forstmaßnahmen den fraglichen Arten – allen voran dem Ziegenmelker – geholfen werden kann. Im Klein-Auheimer Wald, direkt anschließend an das Gebiet des NABU Hainburg an der Uhrigschneise, gab es Hiebsmaßnahmen, die den Ziegenmelker unterstützen. Weil aber mit schnellwachsenden Douglasien aufgeforstet wurde, dient das dieser Vogelart nur kurzfristig.

Der Schaukasten am Vereinshaus am Bahnhof war in einem miserablen Zustand. Neu-Mitglied Manfred Michel nahm sich der Sache an, quasi als „Einstandsgeschenk“.

Im Hainburger Wald wurden Hiebsmaßnahmen in den Abteilungen sieben und 113 vorgenommen, bei denen nur Naturverjüngung vorgesehen ist, also langsames Nachwachsen. Dort muss allenfalls ab und an aufkommendes Laubholz zurückgedrängt werden. „Besonders die Abteilung sieben scheint ideal zu sein“, heißt es im Jahresbericht. „Natürlich ist alles nicht für die Ewigkeit, denn die Natur ist einem ständigen Wandel unterworfen.“ Die Streuobstwiese im Naturschutzgebiet Obermannslache bei Froschhausen wurde im Juli mit dem neuen Traktor des Vorsitzenden Manfred Gutermuth gemäht. Ende Oktober wurde die Wiese noch einmal mit dem Traktor gemulcht. Im Dezember wurden dort schließlich Obstbäume nachgepflanzt.

Bereits im Herbst 2012 hatte Gutermuth mit dem Fundament für ein Schwalbenhaus begonnen. Insgesamt 397 Arbeitsstunden kamen zusammen, bis das Bauwerk Anfang April 2013 fertig war. Auch die Kinder halfen fleißig mit. Das Schwalbenhaus am See im Elmstal enthält Nisthöhlen für Uferschwalben und Eisvögel. Neben dem Arten- und Biotopschutz sind die Mitglieder des NABU auch in der Landschaftspflege aktiv. Die meiste Arbeit bereiten dabei die vielen Grundstücke im freien Feld. Inselartige kahle Areale haben die Naturschützer durch Anpflanzen von Obstbäumen in Streuobstwiesen umgewandelt. Die Wiesen müssen gemäht, die Obstbäume beschnitten und Hecken gepflegt werden. „In diesem Jahr passte das Wetter für die Arbeiten im Gegensatz zum Vorjahr 2012 gut.“ Alle Streuobstwiesen wurden im Herbst noch einmal mit dem Traktor gemulcht.

Die Vogelstimmenwanderung fand Ende April bei ungünstiger Witterung statt. Trotz der Kälte kamen zu früher Stunde Interessierte zusammen. Sie stellten einen guten Bestand an Nachtigallen und Fasanen-Hähnen fest. Allerdings scheint keine einzige Feldlerche mehr vorhanden zu sein. Das Phänomen lässt sich bundesweit beobachten. Experten führen dies auf die moderne Landwirtschaft zurück. Sehr aktiv sind auch die Mitglieder der Hainburger NABU-Jugendabteilung. Die beiden Kindergruppen „NAJU-Freunde“ und „Wilde Haselmäuse“ treffen sich abwechselnd jeden Mittwochnachmittag in der Johannes-Kepler-Schule und starten von dort aus zu ihren Unternehmungen.

An den beiden Gruppen nehmen derzeit 23 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren teil. Im vergangenen Jahr haben sie unter anderem Vogelfutter hergestellt, die Klein-Krotzenburger Feuerwehr besucht, eine Rallye in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim veranstaltet, Drachen gebastelt und eine Pilzwanderung durch den Wald unternommen. Die Johannes-Kepler-Schule, mit der ein Kooperationsvertrag besteht, hatte die NAJU-Gruppen für den Umweltpreis 2012 des Kreises Offenbach vorgeschlagen. Eine Hälfte des Preises wurde Hainburg, die andere einer Schule in Dietzenbach zugesprochen. Die Gewinner waren zu einer Feierstunde im Kreishaus eingeladen.

(kd)

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