Wie „Schwester Agnes“

Nichtärztliche Praxisassistentinnen übernehmen Hausbesuche

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Nichtärztliche Praxisassistentinnen: Dr. Axel Althen mit Christiane Weise (Hainburg) in grauen T-Shirts sowie Susanne Kopke und Oliver Düll (Froschhausen).

Ostkreis - Aus der Not machten zwei Ostkreis-Hausärzte eine Tugend: Weil die Hausbesuche unter der Praxis-Überlastung leiden, schulten sie Mitarbeiterinnen - und lassen damit ein einst in der DDR probates Modell wieder aufleben.

Auch im dicht besiedelten Osten unseres Landkreises dünnt die ärztliche Versorgung zunehmend aus. Viele Haus- und Fachärzte sind überlastet und nehmen derzeit bereits keine neuen Patienten mehr an. Hausbesuche werden häufig nur eingeschränkt ermöglicht. Als eine Art Gegenmaßnahme und zur Entlastung der Ärzteschaft haben als zwei der ersten Praxen in der Region die Hausarztpraxis Oliver Düll in Froschhausen sowie die Praxis Dr. Axel Althen in Hainburg sogenannte „NäPas“, Nichtärztliche Praxisassistentinnen, ausgebildet.

Christiane Weise und Susanne Kopke sind diese beiden medizinischen Fachangestellten, die sich nach einem sechsmonatigen Kurs der Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim „NäPa“ nennen dürfen. Im März haben beide die abschließende Prüfung bestanden. Ab sofort können sie selbstständig Hausbesuche bei älteren, pflegebedürftigen Patienten oder auch Besuche in Alten- und Pflegeheimen absolvieren und Kontrollen, wie beispielsweise Blutdruck- und Blutzuckermessungen vornehmen, Langzeit-EKG anlegen oder die Wundversorgung gewährleisten. „Auch die Einschätzung der Wohnsituation von Senioren bezüglich Stolperfallen und Barrierefreiheit gehört dazu. Dies alles geschieht in Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt“, erläutert Axel Althen. Der verstärkte Einsatz von nichtärztlichen Fachkräften in besonderen Bereichen hat Vorbilder: In Deutschland haben Gemeindeschwestern in der Vergangenheit zu einer guten Versorgung beispielsweise chronisch Kranker beigetragen.

So sieht eine gut sortierte Hausapotheke aus

In Anlehnung an die beliebte „Schwester Agnes“ nach der gleichnamigen DDR-Fernsehserie wurde vor einigen Jahren das Konzept neu ins Leben gerufen und findet in fast allen Bundesländern Anwendung, erzählen die beiden Mediziner. Nur sind die NäPas heute nicht mehr mit dem legendären DDR-Kleinkraftrad „Schwalbe“ unterwegs, sondern auf vier Rädern motorisiert und topmodern ausgestattet.

So seien auch telemedizinische Anwendungen in Zukunft vorgesehen, lautet der Ausblick. „Insgesamt tragen unsere beiden NäPas Christiane Weise und Susanne Kopke zu einer deutlichen Verbesserung der lokalen Patientenversorgung in unserer Region bei“, sagen Axel Althen und Oliver Düll. (mho)

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