„Ostflitzer“ als Erinnerung an Hochzeitstag

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Zum 22. Hochzeitstag schenkt Michael Kretzschmar seiner Frau Hannelore im Jahr 19092 einen Trabi. Das Kultauto aus der ehemaligen DDR steht seitdem auf dem Garagendach der Kretzschmars. An Bord des Autos, Baujahr 1973, ist noch der original Verbandskasten mit Adapter für die Mund zu Mund Beatmung.

Hainburg (paw) ‐ Im Jahr 1992 schenkte der Hainstädter Michael Kretzschmar seiner Frau Hannelore zum 22. Hochzeitstag einen „Trabi“. Seit dieser Zeit ziert das einstige Symbol der DDR-Mobilität das Garagendach der Kretzschmars an der Breslauer Straße.

„Für mich war das die Sensation, denn ein Auto zum Hochzeitstag geschenkt zu bekommen, das ist doch ungewöhnlich – oder?“, freut sich Hannelore Kretzschmar heute noch. „Den Wagen habe ich einem Bekannten aus Erfurt abgekauft, der seinerzeit hier in einem Hotel beschäftigt war“, erklärt Michael Kretzschmar die Vorgeschichte des Ostflitzers. Nebst der alten Zulassungsnummer sei noch immer diverses Original-Zubehör an Bord, etwa Wagenheber oder der Verbandskasten. „Da ist sogar auch ein Adapter für die Mund-zu-Mund-Beatmung dabei.“ Auf dem Tacho des Wägelchens stehen 82.390 Kilometer Laufleistung. „Leider fehlen die Fahrzeugpapiere, die hatte der Vorbesitzer für die Stilllegung bei der Zulassungsstelle gebraucht und nicht zurück gebracht“, bedauert Kretzschmar.

Geschätztes Baujahr des Trabis auf dem Garagendach: etwa 1973. In der ehemaligen DDR war der Trabant das Pendant zum VW Käfer in Westdeutschland. In den Ostländern tuckerte der Trabi, eine stinkende Abgasfahne hinter sich herziehend, durch die Lande. Von 1957 bis 1991 rollten über drei Millionen Exemplare aus den Werkhallen des VEB Sachsenring Zwickau. Wegen der fehlenden Tiefziehbleche wurde die Karosse weitgehend aus Kunststoffkomponenten gefertigt. Der Preis lag bei etwa 4000 Ostmark. Die Nachfrage war so groß, so dass die Interessenten jahrelange Lieferzeiten in Kauf nehmen mussten. Einem Gerücht aus jener Zeit zu Folge erhielten Neugeborene neben ihrer Geburtsurkunde auch oft die Bestellung für einen Trabant mit in die Wiege gelegt. Nach der Wiedervereinigung brachen die Lieferzeiten weg, und die Produktion wurde 1991 mangels Nachfrage eingestellt. Mittlerweile gilt der Trabi als Sammlerauto mit Kultstatus. Im Januar 2010 waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes noch 35.000 in Deutschland zugelassen.

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