Nicht alle Familien erhalten auf Anhieb einen Platz

Personalmangel in Kitas sorgt für Engpässe

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In Hainburgs Kitas sind alle verfügbaren Plätze belegt. Mit mehr Personal könnten weitere Kinder aufgenommen werden.  

Hainburg - Immer wieder kommt es vor, dass Eltern in Hainburg bei der Suche nach einem Kitaplatz vertröstet werden müssen. Grund dafür ist nach Angaben der Gemeinde in erster Linie der Personalmangel. Von Katrin Stassig 

Lisa Lo Re ist mit ihrer Familie vor gut einem Jahr nach Klein-Krotzenburg gezogen. Ihren Sohn Giuliano, der Ende Dezember drei Jahre alt wird, hat sie inzwischen in allen sechs Kindertagesstätten in Hainburg angemeldet. Aus drei Einrichtungen kamen Absagen – man könne ihr 2019 keinen Platz anbieten. Von den übrigen dreien hat die Familie trotz Nachfrage bisher gar nichts gehört. Angesichts dieser Situation ist die junge Mutter ratlos und ein wenig verzweifelt, fragt sich, wie es ab Januar weitergehen soll, wenn sie bis dahin keinen Platz für ihren Sohn bekommt. „Mein Mann und ich sind beide berufstätig, damit wir uns ein normales Leben finanzieren können“, erzählt sie. Sie selbst arbeitet Teilzeit an vier Tagen pro Woche, ihr Mann Vollzeit im Schichtdienst. Derzeit ist Giuliano abwechselnd bei den Großeltern und bei der Tagesmutter, die ihn übergangsweise an zwei Tagen in der Woche weiter betreuen könnte. Keine Dauerlösung.

Dass es so schwierig sein würde, trotz Rechtsanspruch und trotz nachgewiesener Berufstätigkeit einen Kindergartenplatz zu bekommen, hätte Lisa Lo Re nicht erwartet. „Entweder gehe ich arbeiten und kann mir sicher sein, dass mein Sohn in guten Händen ist, oder ich muss meinen Job aufgeben und sitze dann dem Staat auf der Tasche“, meint sie. „Ersteres ist ja wohl vernünftiger.“

Es komme immer mal wieder vor, dass sich Eltern bei der Gemeinde Hainburg melden, weil sie zum Stichtag keinen Kitaplatz erhalten, sagt Erster Beigeordneter und Sozialdezernent Christian Spahn (CDU), spricht aber von Einzelfällen. Die Kommune versuche dann, gemeinsam mit den Eltern und im Gespräch mit den Kitas eine Lösung zu finden. Dieses Problem betreffe eher den Ü3- als den U3-Bereich. Spahn sieht die Engpässe in der nach wie vor angespannten Personalsituation begründet. In den katholischen Einrichtungen in Klein-Krotzenburg sei das Problem am dringlichsten.

Wie werde ich...? Tagesmutter

Das Bistum Mainz hatte Mitte November erneut eine Stellenanzeige veröffentlicht. Für zehn Kitas im Dekanat Seligenstadt wurden Erzieher gesucht, darunter je zwei für St. Nikolaus und Pater Werner, je eine für die Arche Noah und die Pater-Blumör-Kita in Hainstadt. Zwei Stellen konnten zwar besetzt werden, so Spahn, dafür falle eine andere Erzieherin wegen Schwangerschaft aus. Dass viele dieser Stellen im Rahmen von Elternzeitvertretungen befristet seien, erschwere die Besetzung zusätzlich.

Bei der Ausstattung mit Gebäuden sieht Spahn Hainburg gut aufgestellt. Für die nächsten Jahre sind weitere Bauvorhaben geplant, unter anderem der U3-Neubau am Kiefernhain, wo es demnächst losgehen kann. Nach dem Neubau eines Betreuungsgebäudes an der Dependance der Gutenberg-Schule sollen zudem frei werdende Horträume zu zwei neuen Kindergartengruppen umgebaut werden. Und nächste Woche ziehen die Ü3-Kinder der Kita Arche Noah in ihre sanierten Räume um. Dort und auch in anderen Kitas könnten problemlos weitere Kinder aufgenommen werden – wenn denn das notwendige Personal zur Verfügung stünde. „Wir können noch so viel bauen – wenn das Personal nicht da ist, hilft das nicht“, sagt Spahn.

Das Thema werde die Kommune auch in Zukunft intensiv beschäftigen. Einen besseren Überblick soll dabei das neue Online-Portal „Web-Kita“ liefern, das in den vergangenen Monaten angelaufen ist. Spahn geht davon aus, dass sich inzwischen alle Familien digital angemeldet haben, auch jene, die vorher bereits einen Antrag in Papierform bei den Kitas ausgefüllt hatten. Nach Sichtung der Daten soll auch eine aussagekräftige Warteliste vorliegen. Ein Abgleich von Mehrfachanmeldungen in den einzelnen Kitas war früher aus Datenschutzgründen nicht möglich. Der Erste Beigeordnete kündigt für die Ausschusssitzung im Januar weitere Informationen an.

Für Fälle wie den von Lisa Lo Re äußert er Verständnis. Gerade wenn Familien auf den Platz angewiesen seien, um ihre Existenz zu sichern, „dann schiebt man das nicht einfach so beiseite“. Die Verwaltung sei bemüht, für alle eine Lösung zu finden, berücksichtigt dabei auch die familiäre Situation. Das heißt allerdings trotzdem nicht, dass dann sofort ein Platz zur Verfügung steht.

Lisa Lo Re hofft, dass sich in ihrem Fall noch ein Weg finden lässt und ihr Sohn, der sich schon sehr auf den Kindergarten freut, diesen bald besuchen darf.

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