Mit Polizei-Eskorte auf die asiatische Seite der Bosporus-Brücke

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Momentaufnahmen einer großen Abenteuerfahrt, hier der Höhepunkt: Mit Polizei-Unterstützung ging´s über die Bosporusbrücke nach Istanbul.

Hainburg/Istanbul - (mho) Ohne besondere Probleme, aber mit vielen schönen Erlebnissen und neuen Erfahrungen absolvierten die Hainburger Türkei-Radfahrer um Erich Wejwoda ihre 2832 Kilometer lange Tour in die 17-Millionenstadt Istanbul.

30 Tage waren Organisator Wejwoda (57), Reiner Liebenow (67) und Joachim Horch aus Hainburg (52, aus Zeitgründen erst ab Szeged) sowie Arno Wührl (60, Mühlheim) im Sattel, schafften - bei lediglich zwei platten Reifen - durchschnittlich 95 Kilometer pro Tag. Das ist ein Schnitt von 19,6 Kilometer pro Stunde. Begleitet wurden sie von ihren Freunden Theo Nenner (Alzenau) und Hellmuth Pleier in einem Wohnmobil, in dem sie auch übernachten konnten. Die Strecke führte über Miltenberg, Altmühltal, Ingolstadt, Vilshofen, an der Donau entlang über Passau, Linz, Wien, Hainburg an der Donau, Bratislava (Slowakei), Györ (Ungarn) nach Budapest. Von dort ging's weiter durch die Puszta über Szeged, Rumänien (Banat, Karpaten und Walachei), diagonal durch Bulgarien (übers Balkangebirge mit Gipfeln bis 3000 Metern Höhe), ein kleines Stück durch Griechenland. Bei Edirne reiste das Team in die Türkei ein und radelte von dort 250 Kilometer auf der stark befahrenen Fernstraße 100 in die Metropole am Bosporus.

Reichhaltige Eindrücke fürs Leben

Die Witterung war nicht immer freundlich...

Besonders zu schaffen machten uns während fast der gesamten Radtour die Wetterbedingungen“, erzählt Wejwoda. „Außer Schnee und Hagel hatten wir alles, was man sich da vorstellen kann.“ Auch von Gegenwind bis hin zum Sturm mit orkanartigen Böen blieben sie nicht verschont. Ab Süd-Rumänien bis ins Ziel erlebten sie das Gegenteil, täglich zwischen 30 bis über 40 Grad - wie im Glutofen. Der Flüssigkeitsbedarf betrug nun bis zu acht Liter pro Radler und Tag. Mit der Formulierung „Abenteuer erleben und erleiden“ bringt Arno Wührl das Erlebte auf den Punkt. Damit sind nicht nur die Wetterbedingungen, sondern auch die vielen Hügel und Berge bis hin zu alpinen Verhältnissen im Balkangebirge mit Steigungen von bis zu 18 Prozent gemeint. Beeindruckend waren hingegen viele freundlichen Begegnungen mit den Menschen in allen Ländern, auch wenn es sprachlich nicht immer einfach war. „So wurden wir in ganz Rumänien, aber auch teilweise in der Türkei bejubelt, als wären wir Tour de France-Teilnehmer“, erzählt Wejwoda.

Die erste größere Stadtbesichtigung war in der österreichischen Kulturhauptstadt Linz angesagt, es folgten das Benediktinerkloster Stift Melk, Krems, Tulln, später dann Bratislava, Györ, Budapest oder Szeged. Aber nicht nur die Sehenswürdigkeiten in den Städten waren beeindruckend, auch die grandiosen und zum Teil atemberaubenden Landschaften zogen die Radler in ihren Bann. Hervorzuheben sind die wildromantischen Donauabschnitte an der „Schlögener Schlinge“ in Österreich und am „Eisernen Tor“ in Süd-Rumänien. Besonders sehenswert war die alte osmanische Hauptstadt Edirne in der europäischen Türkei mit der fantastischen Selimiye-Moschee, die zu den größten und schönsten Moschen der Türkei zählt. Für die Besichtigung Istanbuls waren die vorgesehenen drei Tage natürlich viel zu kurz. Für eine organisierte Stadtrundfahrt reichte dann doch die Zeit. Vor der Weiterreise im Wohnmobil musste natürlich ein türkisches Bad (Hamam) besucht werden, in dem sich die Radler vom letzten Schweiß, Staub und Stress der Radtour reinigen und verwöhnen ließen.

Ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde

Überwältigender Empfang für die Istanbul-Radler in Klein-Krotzenburg: Rund 100 Freunde und Familienmitglieder hießen das Team willkommen.

Höhepunkt der Radtour war die Überquerung der Bosporus-Brücke in Istanbul“ erzählt Erich Wejwoda. Zuvor galt es aber, ein Problem zu lösen. Die Radler erreichten die 64 Meter hohe Brücke am Ufer des Bosporus, also auf Meereshöhe. „Es stellte sich die Frage: Wie kommen wir da rauf?“ Das gelang schließlich über eine extrem steile Seitenstraße, sie bezwangen 85 Höhenmeter auf einer Strecke von 500 Metern: „Alle haben das geschafft, keiner hat auch nur einen Meter sein Rad geschoben.“ Probleme gab's, als sie auf dem Weg zur asiatischen Seite der Bosporus-Brücke die letzten 1,5 km vor ihrem Wohnmobil über die Autobahn herradeln wollten. „Kaum auf der Bücke angekommen, wurden wir von einem Polizeiposten angehalten, der uns verdeutlichte: „Keinen Meter weiter!“ Nach einigen Diskussionen und Telefonaten mit der mittlerweile mehrköpfigen Polizei wurde nach Inspektion der Wohnmobil-Beschriftung, die der Radtour wohl einen offiziellen Charakter verlieh, eine Lösung gefunden. Der Chef der Polizeistation telefonierte einen Motorrad-Fahrer herbei, der die Deutschen dann auf dem rechten, freigehaltenen Fahrstreifen über die Brücke zu einem Parkplatz auf der asiatischen Seite geleitete. „Viele überholende Fahrzeuge haben mit einem Hupkonzert oder nach oben gestrecktem Daumen ihre Begeisterung und Anerkennung zum Ausdruck gebracht.“ Auf dem Parkplatz war die Tour zu Ende. Joachim Horch vermutete, „dass wir wohl die ersten Radfahrer waren, die über diese Brücke gefahren sind - ein Fall für das Guinness-Buch des Rekorde“. Nachdem die Räder in der Heckgarage des Wohnmobils verstaut waren, ging's zur Kurzerholung ans Schwarze Meer.

Wieder zuhause gaben Familien und Freunde an der Radsporthalle in Klein-Krotzenburg einen begeisterten Empfang. Der Vorsitzende des Radsportvereins, Oskar Schwab, Bürgermeister Bernhard Bessel und ÖVV-Chef Theo Scholz würdigten in kurzen Ansprachen die Leistungen der Radler, bevor Erich Wejwoda einen kurzen Überblick über die Tour gab.

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