Projekt zum Thema Leben und Tod

Hospizgruppe vermittelt: Traurig sein ist nicht schlimm

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Das Umpflanzen von Bohnensetzlingen war bei der Projektwoche an der Klein-Krotzenburger Johannes-Kepler-Schule von symbolischer Bedeutung. Eine Schulwoche lang beschäftigten sich die Mädchen und Jungen unter Leitung der Hospizgruppe Seligenstadt mit Fragen zum Thema Leben und Tod.  

Hainburg -  Wenn ein Mensch stirbt, wollen Kinder in der Zeit der Trauer nicht geschont werden, sondern ehrliche Antworten auf ihre Fragen bekommen. Diese Erfahrung haben die Mitarbeiter der Hospizgruppe gemacht. „Hospiz macht Schule“ nennet sich ihr Projekt, mit dem sie zu Gast an der Johannes-Kepler-Schule waren.

 „Werde ich auch mal sterben?“ „Ist die Oma jetzt im Himmel?“ „Wann stirbst Du?“ Fragen wie diese kommen bei Kindern meist aus heiterem Himmel, und oft fällt Eltern eine Antwort schwer, da sie nichts Falsches sagen möchten. Auch wollen viele Erwachsene mit den Themen Sterben, Tod und Trauer gar nichts zu tun haben. Durch den engen Kontakt mit Familien wissen die Mitglieder der Hospizgruppe, dass Kinder in Krisenzeiten des Abschieds und der Trauer aber keineswegs geschont werden wollen.

„Sie wünschen ehrliche und zufriedenstellende Antworten auf ihre Fragen“, sagt Klaus Deller von der Hospizgruppe. Vor fünf Jahren initiierte er daher das Projekt „Hospiz macht Schule“, konzipiert für Dritt- und Viertklässler. Bereits zum vierten Mal war die Hospizgruppe in der Klein-Krotzenburger Johannes-Kepler-Schule bei einer Projektwoche zu Gast. Dabei ging es sehr lebendig zu in den drei dritten Klassen mit insgesamt 50 Schülern. 15 Hospizbegleiterinnen und -begleiter bearbeiteten das sensible Thema mit Malen, Tanzen, Singen, Aufschreiben, Philosophieren, Einander-Zuhören, Trösten und Präsentieren.

Die Kinder lernten, dass Lachen und Weinen manchmal ganz nah beieinander sind und beides wichtig ist. „Es ist auf alle Fälle besser als Schule, eine tolle Woche, ganz spannend und vor allem: keine Hausaufgaben“, meinte eine Schülerin. Zunächst setzten sich die Kinder mit den Veränderungen auseinander, die das Leben beim Heranwachsen mit sich bringt. Spannend wurde es für sie bei einer Fragestunde mit zwei Ärzten und einem Heilpraktiker. „Das war für mich der spannendste Tag, weil man über Krankheit und Leid so offen sprechen konnte und ich meine Fragen loswerden konnte, was bei Demenz passiert, warum wir Husten und Schnupfen haben und warum Krebs entsteht“, sagte ein Schüler.

Im Verlauf der Projektwoche philosophierten die Kinder über die eigenen und andere Jenseitsvorstellungen, lernten die Aufgaben eines Bestatters kennen und interessierten sich dafür, was eine Hospizbegleiterin bei einem kranken Menschen macht. Danach wurde es ganz praktisch: Vorgezogene Bohnenkeimlinge mussten getrennt und umgesetzt werden - eine Metapher für das Abschiednehmen, Traurigsein (den Kopf hängen lassen) und Wieder-Mut-Fassen (sich wieder aufrichten). Überall in den Klassen fanden sich vorher bemalte Blumentöpfe, Erde, Setzlinge und 50 Kinder, die mit Feuereifer bei der Sache waren. Sie schrieben Trostbriefe an einen lieben Menschen und gestalteten eine Trostranke. Bohnenranken mit den Ergebnissen (wie wir uns trösten können) hängen nun in den Klassen.

Symbol-Pflanzen für Beerdigung und Gedenktage

„Im normalen Unterricht ist es gar nicht möglich, so einfühlsam über diese wichtigen Themen zu sprechen“, kommentierte eine Lehrerin, die das Projekt begleitete. Zudem sei es besonders auffällig, wie zwischenmenschlich interessiert und einfühlsam die Drittklässler miteinander umgingen. Auch die Schüler äußerten sich positiv: „Wir konnten über Ereignisse sprechen, die uns schon passiert sind und die uns bedrücken“, sagte ein Schüler. Er habe nun gelernt, dass es nicht schlimm sei traurig zu sein und das Weinen dazugehört. „Wir haben gelernt, dass auch Abschied und Tod zum Leben gehören. Darum müssen wir davor auch keine Angst haben“, so ein anderer Junge.

Für das Abschlussfest mit den Eltern gestalteten die Kinder ihren Klassenraum mit allem, was sie über die Woche erarbeitet hatten. Dazu gehörten neben den Bohnenpflanzen Wandplakate, Geschriebenes, gemalte Bilder, eine Mappe zum Mitnehmen. Stolz präsentierten die Kinder ihren Eltern die Ergebnisse, zeigten ihnen den Film „Willi will’s wissen - Wie ist das mit dem Tod?“, mit dem sie sich an drei Tagen beschäftigt hatten, und führten einen „Lastentanz“ vor, mit dem sie den Eltern bildlich vor Augen hielten, wie jemand sich nach schwerer Last wieder aufrichtet. „Es war eine spannende Woche für alle. Und viele Fragen konnten beantwortet werden“, zogen auch die Hospizmitarbeiter eine positive Bilanz. (sig)

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