Gemeinde Hainburg und Maingau Energie GmbH unterzeichnen Konzessionsvertrag

Stromschwankungen beendet

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Interkommunale und energiewirtschaftliche Kooperation mit den Vertragspartnern (von links): Erster Stadtrat Hubert Gerhards (Obertshausen), Dirk Schneider (stellvertretender Geschäftsführer Maingau), Erster Beigeordneter Alexander Böhn (Hainburg), Bürgermeister Bernhard Bessel (Hainburg), Bürgermeister Halil Öztas (Heusenstamm), Bürgermeister Roger Winter (Obertshausen), Richard Schmitz (Geschäftsführer Maingau), Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu (Heusenstamm).

Hainburg - Im Gegensatz zur Stadt Seligenstadt hat die Gemeinde Hainburg ihre „Stromschwankungen“ beseitigt. Bürgermeister Bernhard Bessel und der Erste Beigeordnete Alexander Böhn setzten ihre Unterschriften unter einen Stromkonzessionsvertrag mit der Maingau Energie. Von Michael Hofmann

Damit ist das Unternehmen für die nächsten 20 Jahre der neue Stromnetzbetreiber. Böhn gibt die Kosten für das Konzessionverfahren mit rund 25.000 Euro an. Seit dem 1. April ist dieMaingau Energie GmbH für die nächsten 20 Jahre im Besitz der Stromkonzession in Hainburg. Mit der Unterzeichnung des Vertrages gestattet die Gemeinde dem Unternehmen die Nutzung der öffentlichen Verkehrsräume, um die Stromleitungen im Gemeindegebiet zu verlegen und zu betreiben (dazu auch: Das Netz in Zahlen). Im Gegenzug erhält die Gemeinde für die Nutzungsüberlassung die sogenannten Konzessionsabgaben. Diese betrugen im Jahre 2014 rund 400.000 Euro. Wichtig für die Gemeinde Hainburg sei aber auch „die partnerschaftliche Zusammenarbeit, etwa bei der gegenseitigen Abstimmung von Baumaßnahmen“, so Bürgermeister Bernhard Bessel. Die Maingau-GmbH habe sich zudem im Konzessionsvertrag verpflichtet, „Netzstörungen möglichst gering zu halten, günstige Netzentgelte zu erheben sowie die Gemeinde bei der Erstellung und Umsetzung von Energiekonzepten zu unterstützen und regelmäßig über den Zustand der Entwicklung der örtlichen Stromversorgung zu informieren“.

Die lange Vertragslaufzeit sei eine gute Voraussetzung dafür, dass die Gesellschaft auch nachhaltig in den Netzausbau und in die technischen Verbesserungen investieren könne, ergänzt Dirk Schneider, Vize-Geschäftsführer der Maingau und Geschäftsführer der Mainnetz. Rund 200.000 will die GmbH jedes Jahr investieren, etwa zum Abbau überflüssiger Strommasten oder um sie in Leitungsnetzerneuerungen stecken. „Wir werden das Netz bedarfsgerecht erweitern und verstärken, wenn beispielsweise neue Wohngebiete entstehen, Bürger Solaranlagen installieren oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge benötigt werden.“ Eine besondere Herausforderung stelle dabei der Aufbau eines „smart grids“ und der „smart meter“ dar. Darunter verstehe man die kommunikative Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchern und Netzbetriebsmitteln in den Verteilnetzen.

Fast drei Jahre andauernder Wettbewerb

Mit ihrer Konzessionsentscheidung hat die Gemeindevertretung Hainburg einen fast drei Jahre andauernden Wettbewerb um die Stromkonzession beendet. Damit seien ein großer Zeitaufwand und ein sehr komplexes Verfahren verbunden gewesen, resümiert Beigeordneter Alexander Böhn, der das Verfahren maßgeblich vorbereitete. Um so erfreuter zeigte er sich nun über den reibungslosen Vertragsabschluss und die zwischenzeitlich erfolgte Übernahme des Stromnetzes.

Private Haushalte haben von der Umstellung nur wenig mitbekommen. Sie wurden nur zur Zählerablesung angeschrieben. Der Betreiberwechsel hat keine Auswirkungen auf bestehende Stromlieferverträge. Hier hat jeder Stromabnehmer weiterhin die freie Wahl des Lieferanten. Die Einspeiser wurden ebenfalls erfolgreich kontaktiert, weil sie nun den selbst erzeugten Strom an die Mainnetz liefern. Parallel dazu verlief die technische Entflechtung des Stromnetzes. Dazu wurden drei Messeinrichtungen im Gemeindegebiet installiert.

Die Zusammenarbeit zwischen dem alten und dem neuen Konzessionär sei sehr zügig sowie konstruktiv erfolgt und zudem auch in die Zukunft gerichtet, sagt Böhn. So sei es gelungen, einerseits bewährte EVO-Strukturen zu übernehmen, Beschäftigung zu sichern sowie langjähriges Know-how mit in die neue Gesellschaft einzubringen und andererseits aber auch neue Synergien und energiewirtschaftliche Vorteile für Gemeinde und Bürger zu realisieren.

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Dies sei ein „Vorzeigebeispiel für interkommunale und energiewirtschaftliche Kooperation“, fasst Böhn zusammen und betont, dass mit 25.000 Euro Gesamtkosten für das Verfahren - inklusive aller externen Beraterdienstleistungen - die Gemeinde eine sehr kostengünstige und auch wirtschaftliche Lösung gefunden habe. „Häufig werden Konzessionsvergaben und die anschließenden Netzübernahmen vor Gericht sehr zeit- und kostenintensiv mit ungewissem Ausgang bestritten. Die Zeche dafür zahlen in der Regel die Kommunen und ihre Bürger.“

Einen anderen Weg ging bekanntlich die Stadt Seligenstadt, die sich nach Auslauf des Konzessionsvertrags mit der Energieversorgung Offenbach (EVO) nicht für einen neuen Kontrakt entschied, sondern im Zuge der Rekommunalisierung eine eigene GmbH (25,1 Prozent Stadt/74,9 Prozent EVO) zum Management des örtlichen Stromnetzes in die Wege leitete. Doch schon rund um das Bieterverfahren musste die Einhardstadt tief in die Taschen greifen. Allein an Kosten für die renommierten Unternehmensberater von PricewaterhouseCoopers (Pwc) fließen rund 250.000 Euro aus der Stadtkasse ab. Ob freilich diese Netzgesellschaft jemals ihre Arbeit aufnehmen kann, ist nach dem Ausgang der Kommunalwahl vom März fraglich. Hatten bis dato CDU, Grüne und SPD das Projekt gegen den Widerstand von FDP und FWS vorangetrieben, so könnte eine nun denkbare Mehrheits-Konstellation SPD, FDP und FWS das Aus für alle GmbH-Träume bedeuten.

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