Corona-Pandemie 

Von unverhoffter Aktualität: „Halbe Stunde Lyrik und Musik“ passt gut in Corona-Zeiten 

+
Klaus Deller, Freund des gesprochenen Worts aus Hainburg bei Offenbach. 

"Beschwingt – Eine halbe Stunde Lyrik und Musik am Abend“ heißt die neue Reihe des Musikzentrums St. Gabriel in Hainburg.

Hainburg – Mit Poesie und Musik machen Klaus Deller und Sven Garrecht ihre Gäste munter, bringen sie in Schwung, eröffnen ihnen gedankliche Freiräume: Zeit für Worte, Dinge zwischen den Zeilen, Musik, eigene Gedanken. Dem ersten Abend im Februar sollte alle zwei Monate ein weiterer folgen. „Wir wollten einen Ruhepunkt mit innerer Beschaulichkeit in unserer schnelllebigen Zeit schaffen“, erläutert Deller. „Jetzt hat uns die Pandemie voll im Griff. “

Hainburg im Kreis Offenbach: Musik während Corona-Krise

Ausnahmezustand also – aber: „Mitten in der Krise haben wir tatsächlich Zeit, uns auf wichtige Dinge im Leben neu auszurichten, die auch danach Bestand haben werden“, findet Deller. „Dazu gehört das menschliche Miteinander, das Gefühl einer Verknüpfung in Freud und Leid, unabhängig von allen sozialen, religiösen und sonstigen Schranken. Dazu gehören Lyrik und Musik als Kraftquelle besonderer Art.“

Musik hilft in der Corona Krise in Hainburg bei Offenbach 

Deshalb möchten Deller und Garrecht die Reihe nicht aussetzen. „Gedichte und Balladen lesen sich in diesen Krisenzeiten wie neu“, haben sie selbst erlebt. Um diese Erfahrung mit anderen zu teilen, haben sie das Programm des ersten Abends in St. Gabriel auf YouTube eingespielt. Und waren selbst überrascht, wie gut manches in die aktuelle Corona-Zeit passt.

Sven Garrecht, Freund des gepflegten Tons.

„Dabei lassen sich Unterschiede feststellen“, berichtet Deller. Bei Eduard Mörikes Frühlingsgedicht („Er ist’s“) zum Beispiel könne man sagen: „Es ist nicht alles abgesagt. Frühling, Sonne, Blume sind noch zugelassen.“ Beim „Panther“ von Rainer Maria Rilke („Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, dass er nichts mehr hält“) ließe sich an die Corona-Quarantäne denken, daran, dass einem die Decke auf den Kopf falle.

Hainburg im Landkreis Offenbach: Ballade von Schiller und Musik helfen in der Corona-Krise

Und beim Rezitieren der „Handschuh“-Ballade Friedrich Schillers erinnere sich mancher vielleicht nicht an einen verletzten Liebhaber („Den Dank, Dame, begehr ich nicht!“), sondern an den Krankenpfleger auf der Intensivstation, der bewundernswerte Arbeit leiste, aber dem Dank, den ihm die Bevölkerung gerade entgegenbringe, skeptisch gegenüberstehe. „Denn der braucht im Grunde keinen Beifall am offenen Fenster“, betont Deller. „Der wird ja viel zu schlecht bezahlt und bräuchte eigentlich mehr Wertschätzung – auch in Form von Geld.“

Hainburg (Landkreis Offenbach): Mitsingen und Musik während Corona

Hermann Hesses Gedicht „In Sand geschrieben“ war von Anfang an zum Mitmachen gedacht. Die Anwesenden waren eingeladen, einen Kreis zu bilden, Verse abwechselnd zu sprechen und so ein Ganzes daraus zu machen. In der Videoversion ist der Text eingeblendet, jeder Zuschauer kann für sich entscheiden, welche Zeilen er laut mitlesen will.

Zum Abschluss ist das Publikum wie bei der Live-Veranstaltung zum Mitsingen aufgefordert. Intoniert wird das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ nach dem Gedicht von Matthias Claudius. Und das einschließlich der letzten Strophe, die endet mit dem Satz: „Und lass uns ruhig schlafen! / Und unseren kranken Nachbar auch!“

Von Markus Terharn


In der Corona-Krise sorgt auch ein Comedian mit seinem Song für gute Laune - und stürmt damit die Youtube-Chats

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare