Udo Bernhard bietet Verkaufsfläche für Privatverkäufer an: „Haben alles von 50 Cent bis 1100 Euro“

Zu unruhig für den Ruhestand

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„Der Umgang mit den Kunden macht mir einfach Spaß“: Udo Bernhard vermietet Verkaufsfläche, betreibt eine Art ganztägig geöffneten Flohmarkt mit Ladenschluss.

Klein-Krotzenburg - „Von 50 Cent bis 1 100 Euro haben wir alles“, lacht Udo Bernhard, Inhaber von „myfach“ in Klein-Krotzenburg. 50 Cent für ein Schnapsglas, 1 100 Euro für eine Goldkette.

Das Besondere an seinem Geschäft: Die Ware gehört Bernhard nicht, er vermietet nur die Verkaufsfläche.

Seit November 2012 betreibt der rüstige Rentner sein Geschäft an der Siemensstraße 30. Die Idee: Verkaufsfläche für Privatverkäufer anbieten, einzelne Fächer und ganze Regale. Ein wöchentlich ganztägig geöffneter Flohmarkt mit Ladenschluss sozusagen. Zwischen fünf und acht Euro die Woche kosten die Fächer für den Kunden, Bernhard kassiert zudem 15 Prozent Provision von der erzielten Verkaufssumme der Waren.

Kein Schmuddel-Image

Aber er bietet auch etwas dafür: „Ich bin jeden Tag im Laden, wickele den Verkauf ab und kümmere mich um Werbung und Marketing“, so der gelernte Kaufmann, der früher in der Spielzeugbranche gearbeitet hat. Die Menschen sollen sich in seinem Laden wohlfühlen, auf jeden Fall vermeiden will er ein Schmuddel-Image für sein Geschäft. „Es sind natürlich zumeist gebrauchte Artikel, die wir hier verkaufen. Aber alles, was nicht sauber und technisch funktionsfähig ist, nehme ich nicht an.“ In seinem Geschäft gibt es so ziemlich alles. Kinderspielzeug, Porzellan, alle möglichen Spiele, Bücher, DVDs, Figuren von Kitsch bis Kunst, Gemälde, Fernseher, Kaffeemaschinen und Textilien.

Regale mieten

Das Konzept der Vermiet-Regale kommt ursprünglich aus Skandinavien. Udo Bernhard hat sich über zwei Jahre lang damit beschäftigt. Er besuchte ähnliche Läden in vielen Städten, die sich auf diese spezielle Form des Einzelhandels spezialisiert haben, arbeitete am Konzept für sein Geschäft. Sein Ziel: „Der Kunde soll sich wohlfühlen, kein Ramschladen, keine Schmuddel-Atmosphäre.“ Die Idee funktioniert. Seit November 2012 besuchen täglich zwischen 50 und 70 Menschen das „myfach“, entweder um ein Regal zu mieten oder zu stöbern.

Von Porzellan-Tiger bis Zugschaffner-Geldzählgerät

Das Prinzip ist einfach für den Anbieter. Er bringt seine Ware, mietet ein Regal, dekoriert es selbstständig, versieht seine Waren selbst mit Preisen - und freut sich, wenn er etwas verkauft hat. Und es waren schon einige Kuriositäten im Angebot von Bernhards Laden. Etwa ein kindgroßer Porzellan-Tiger. „Der war sofort weg“, erinnert er sich. Oder er denkt an den glücklichen Kunden, der ein seit langer Zeit gesuchtes Zugschaffner-Geldzählgerät gefunden hat. Oder an einen erfreuten älteren Herren, dessen Regal mit alten Garagen-Schätzen binnen weniger Tage leergekauft war. Wertvolle Gegenstände, so wie die Goldkette für 1 100 Euro oder alte Fotoapparate, werden übrigens in verschlossenen Vitrinen aufbewahrt. „Die Kette nehme ich abends aber mit nach Hause“, sagt Bernhard.

Warum eröffnet man mit 70 Jahren noch ein Geschäft? „Der Ruhestand war mir zu ruhig“, erzählt Bernhard, der tageweise von seiner Frau Cornelia im Laden unterstützt wird. „Der Umgang mit den Kunden macht mir einfach Spaß“, will er nichts vom Müßiggang eines Rentners wissen. 

th

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