„Wären keine finanzielle Last“

+
Info-Veranstaltung des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Hainburg: Ein Thema kommt immer wieder auf den Tisch: Der Bau eines Gemeindezentrums samt Moschee.

Hainburg - Mitten im Industriegebiet hat der Türkisch-Islamische Kulturverein seit 1996 sein Domizil an der Siemensstraße. Eher unscheinbar im hinteren Teil des Hofes führt hinter einer Glastür eine Treppe in den ersten Stock des Hauses. Von Christina Schäfer

Im Treppenhaus stehen Regale für die Schuhe bereit. Die müssen vor dem Gebetsraum ausgezogen werden - oberstes Gebot. Der Platz ist knapp. Angrenzend an den mit Teppichen ausgelegten Gebetsraum befindet sich die so genannte Cafeteria. An der Wand die türkische und die deutsche Flagge - ein Zeichen, dass die Muslime ihren Glauben gern ausleben, aber auch gern in Deutschland leben. In der Cafeteria treffen sich die Gemeindemitglieder zum Gespräch, trinken Tee. Ein Thema kommt immer wieder auf den Tisch: Der Bau eines Gemeindezentrums samt Moschee.

Wir wollen etwas für Jugendliche machen, und wir wollen Leuten helfen, die aus der Türkei kommen“, sagt der Vorsitzende des Kulturvereins, Nedir Sen. Gern möchten der Verein auch Nachhilfekurse für Kinder- und Jugendliche anbieten oder auch Kurse für Frauen. Doch dazu fehlt der Raum. Die Lösung wäre der Bau eines Gemeindehauses. „Wir hatten schon ein Grundstück gefunden, aber dann ist der Eigentümer ohne Gründe zurückgetreten.“ Nedir Sen ergänzt enttäuscht: „Wir sind doch nicht die einzigen, die in Deutschland eine Moschee bauen wollen. Unser Dachverband DITIB - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion - existiert seit 1972 in Deutschland, und wir sind schon seit zwölf Jahren in Hainburg, haben noch nie Probleme bereitet.“

Nun möchte der Kulturverein im Neubaugebiet Löschem ein neues Domizil erbauen: einen Gebetsraum und Zimmer, in denen sich die Mitglieder treffen und Veranstaltungen planen können.

Zu einem Treffen mit Gemeindevertretern hatte der Kulturverein jüngst in seine Räume an der Siemensstraße eingeladen - die Resonanz war gering: Nur Susan und Thorwald Ritter (Grüne) sowie Ingrid Berger Welzbach (FDP) informierten sich.

Parkplätze, Grünflächen und Jugendtreff

Einen Antrag zum Bebauungsplan müsste der Vorstand des türkisch-islamischen Kulturvereins vor Fristablauf stellen. Dann müssen die Gemeindevertreter darüber abstimmen.

Im Neubaugebiet will auch die evangelische Kirche ein Gemeindehaus bauen, in ähnlicher Größe soll dort eine „richtige Moschee“ entstehen: Auf einer Fläche von etwa 1500 Quadratmetern ist ein etwa 200 Quadratmeter zweigeschossiges Gebäude mit Kuppel und Minarett geplant, auch eine Wohnung für den Imam (Vorbeter). Außerdem sind Parkplätze und Grünflächen angedacht sowie Gemeinschaftsräume unter anderem für einen Jugendtreffpunkt. „Für alle Jugendlichen“, betont Sen.

Geeignet seien dafür die Bauplätze angrenzend an die Straße Im Langgewann und Bahn. Doch noch sind das alles nur Wunschvorstellungen. „Wir verlangen kein Geld von der Gemeinde und wären somit keine finanzielle Last“, sagt Sen. „Viele sind bereit zu helfen und ihren ganzen Lohn für den Bau zu geben. Andere Vereine bekommen doch auch Grundstücke“. Sie wollten sich doch auch weiter in das Gemeindeleben in Hainburg integrieren. So sei der Kulturverein auch dazu bereit sich anzupassen, was den Bau der Moschee angehe, betonen die Mitglieder. Alles was sie wollten, sei ihren Glauben zu praktizieren. Der Betraum des Kulturvereins sei derzeit Anlaufstelle für rund 1500 muslimische Bürger in Hainburg, Seligenstadt, Froschhausen sowie Klein-Welzheim.

Auch Jugendliche aus dem Kreise des Türkisch-Islamischen Kulturvereins nahmen am Gespräch im Gebäude an der Siemensstraße mit den Hainburger Gemeindevertretern teil. Auch ihnen als in Deutschland Geborene ist der Bau einer Moschee wichtig. So informierten sie sich bei den Fraktionsvertretern über politische Meinungsbildung - den Ablauf vom Antrag bis zur Abstimmung im Gemeindeparlament.

Position für den Bau einer Moschee bezogen hat bereits Grünen-Parteisprecher Thorwald Ritter, der auch aus persönlichen Sicht den typischen Baustil mit Minarett und Kuppel befürwortet. Daran würde man einfach eine Moschee erkennen. FDP-Fraktionsvorsitzende der FDP, Ingrid Berger-Welzbach, hörte sich die Pläne des Kulturvereins an, äußerte sich vor Ort allerdings nicht dazu.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare