Wasserkraftwerk in Krotzenburg

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An der Klein-Krotzenburger Schleuse, die auch in der Vergangenheit schon für die Stromerzeugung genutzt wurde, entsteht ein Wasserkraftwerk. Die Inbetriebnahme ist für 2012 geplant. Die Anlage entsteht am Wehrfeld auf der Landseite.

Hainburg (kg) ‐ An der Schleuse in Klein-Krotzenburg, die auch in der Vergangenheit schon für die Stromerzeugung genutzt wurde, entsteht ein Wasserkraftwerk.

Die geplante Jahresenergieleistung beträgt rund 9,5 Millionen Kilowattstunden, das entspricht einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von etwa 2 700 Haushalten. Die geschätzten Baukosten belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Die beauftragte Firma juwi befindet sich noch im Planungsverfahren. In diesem Jahr soll das Genehmigungsverfahren gestartet werden sowie die Ausführungsplanung mit Ausschreibungen erfolgen. Der Baubeginn ist für 2011 vorgesehen. Die Bauzeit beträgt etwa 16 Monate. Mit der Inbetriebnahme ist im Jahre 2012 zu rechnen.

In einer Ausschusssitzung der Gemeinde Hainburg erläuterten Dr. Peterson und Dr. Jan Warzecha von der Firma juwi das Konzept. Nach Auskunft von Dr. Peterson gibt es im Wesentlichen zwei Parameter, die die Wasserkraftnutzung bestimmen. Zum einen handelt es sich dabei um die Fallhöhe. Das ist der Wasserspiegelunterschied zwischen dem Bereich Oberwasser (oberhalb der Turbine) und der Turbine. Die Fallhöhe am Klein-Krotzenburger Standort beträgt im Mittel 2,34 Meter. Das ist vergleichsweise wenig. Die Fachleute müssen sich deshalb bei der Turbinentechnologie Maschinen aussuchen, die mit niedrigen Fallhöhen umgehen können. Die vier Turbinen leisten 1,8 Megawattstunden. Ein weiterer Parameter ist die Wassermenge, die durch die Turbinen abgeleitet werden kann. Die Leistung, die ein Wasserkraftwerk erzeugen kann, ist direkt proportional zu diesen beiden Größen. Die Wassermenge beträgt etwa 90 Kubikmeter pro Stunde.

Im Unterwasser wird die Wasserkraftanlage gebaut

An der Schleuse in Klein-Krotzenburg gibt es derzeit zwei Schleusenkammern, eine Kleinbootschleuse und drei Wehrfälle. Über das Wehr führt ein öffentlicher Wehrsteg, über den die Einwohner nach Großkrotzenburg gelangen können. Er bleibt erhalten und wird nur leicht verschoben. An der bestehenden Anlage gibt es keinerlei Einrichtung für den Fischaufstieg. Der Fischabstieg erfolgt, wenn überhaupt, durch die Schleuse oder über die Wehrklappen. Das Wasser überströmt diese und fließt weiter in das Unterwasser. Für die Wasserkraftanlage hat sich juwi das letzte Wehrfeld (an der Landseite) ausgesucht. Das Wasser fließt wie bisher durch das Wehrfeld. Die dort bestehende Klappe wird erhalten und einfach flach gelegt. Der bestehende Wehrpfeiler wird mit einer Art Mohle verlängert, so dass der Wasserspiegel im gesamten Bereich immer den Stand behält wie oberhalb des Wehrs. Im Unterwasser wird die Wasserkraftanlage gebaut. Sie erhält eine Rechenanlage. Das sind Stäbe mit einem feinen Abstand von nur 15 Millimetern. Diese sollen verhindern, dass Fische durchschwimmen und in die Turbinen geraten. Außerdem soll es Treibgut abhalten, damit die Turbinen nicht beschädigt werden. Das Wasser fließt durch den Rechen und durch einen offenen Kasten, in dem die vier Turbinen angeordnet sind. Dann strömt es wie bisher weiter flussabwärts. Das Besondere an den Turbinen ist, dass sie nur eine große Stahlplatte haben. Alle weiteren benötigten Einrichtungen werden an ihr installiert. Hinter dem Rechen sitzt der Generator und das Turbinenlaufrad, ähnlich wie eine Schiffsschraube, die durch die Bewegung des Wassers angetrieben wird. Im Generator wird aufgrund der Drehbewegung, die das Laufrad erzeugt, Strom erzeugt. Im Hochwasserfall können die Turbinen hochgeklappt werden, so dass die Gerinne frei sind und vollständig für die Abflussleistung zur Verfügung stehen. Für Fische wird zudem eine Durchgängigkeit des Wehres hergestellt, die bisher nicht gegeben ist.

Am Uferbereich entstehen zwei Stationen. Sie sehen wie zwei lange Garagen aus. Dabei handelt es sich um die Betriebsgebäude. In ihnen sind die Trafos und alle technischen Einrichtungen, die zum Betrieb der Turbinen gebraucht werden, untergebracht. Die Anlage ist nach Auskunft der Firmenmitarbeiter geräuscharm. Das Wasser fällt über die Klappe. Danach fließt der Hauptstrom durch die Turbine, die komplett im Wasser liegt. Von außen sind daher keine Geräusche zu vernehmen. Das lauteste ist das Wasser, das nebenbei plätschert. Die Gesamtbelastung durch Geräusche wird daher reduziert.

Die vorhandenen Wehre haben die Funktion, den Wasserpegel für die Schifffahrt bis weit ins Oberwasser zu halten. Oberhalb der Turbinen darf der Wasserstand nicht fallen. Wenn der Strom im Sommer wenig Wasser führt, können die Turbinen komplett geschlossen werden. Sie können so gesteuert werden, dass der Oberwasserspiegel entsprechend gehalten werden kann. Sie übernehmen dann die Funktion, die im Moment die Wehrkraft hat.

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