Wattenmeer GmbH nimmt Pilotanlage in Betrieb

Kreislauf nach Vorbild der Natur

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Die Darstellung des Kreislaufs nach dem natürlichen Vorbild des Wattenmeers.

Hainburg - Mit der Inbetriebnahme der Pilotanlage in Hainburg will die Wattenmeer GmbH nach eigenen Angaben eines der weltweit ambitioniertesten und innovativsten Aquakultur-Projekte umsetzen.

Noch keinem Unternehmen sei es gelungen, aquatische Nahrungszusammenhänge in einer kommerziellen Anlage abzubilden, Speisefische ausschließlich mit Lebendnahrung zu füttern und deren ökologischen Fußabdruck so drastisch zu minimieren. Firmengründer Gordon Bock hat sein Projekt auf dem Gelände des früheren Gartenbaubetriebs Hentschel bei einem Pressetermin vorgestellt. Die Anlage hat er im vergangenen Sommer übernommen und verwendet alle Gebäude weiter. Der Diplombiologe hat sich während seiner wissenschaftlichen Laufbahn intensiv mit den Umweltauswirkungen des Fischkonsums beschäftigt. Durch die Überfischung der Ozeane stehen viele Fischbestände vor dem Kollaps. Aufgrund begrenzter Fangerträge kommen Speisefische zunehmend aus der Aquakultur. Diese Form der Fischproduktion umfasst die kontrollierte Aufzucht von Fischen, Krebstieren und Muscheln in Netzkäfigen, Durchfluss- oder Kreislaufanlagen zu Wasser beziehungsweise an Land. Mit einem jährlichen Wachstum von acht Prozent seit Mitte der 80er Jahre ist die Aquakultur der am stärksten wachsende Nahrungsmittelsektor und liefert heute bereits die Hälfte aller verzehrten Fischereierzeugnisse.

Gordon Bock (Zweiter von rechts) bei der Erläuterung der Anlage. 

Die Aquakultur werde häufig als Lösung der Überfischung bezeichnet. Dabei sei auch diese Form der Fischerzeugung, abhängig von der gezüchteten Art, mit Umweltproblemen, Qualitätsverlusten und ethischen Folgen verbunden. Zu den ökologischen Folgen zählen die Übertragung von Krankheiten und Parasiten auf Wildfischbestände, der Chemikalien- und Antibiotikaeinsatz in intensiven Fischzuchten sowie die Bedrohung empfindlicher Ökosysteme. Der größte Teil der schädlichen Umweltauswirkungen ergibt sich aus der Fütterung und den Ausscheidungen der gehaltenen Fische und Krebstiere. In konventionellen Zuchtanlagen ohne Abwasserreinigung werden bis zu zwei Drittel des Stickstoff- und Phosphorgehalts im Futter über die Ausscheidungen ungefiltert in die Gewässer geleitet.

Für seine Firmenidee hat sich Gordon Bock das Wattenmeer als Vorbild aus der Natur genommen. Das Wattenmeer vor der Küste Europas hat eine zentrale Funktion in marinen Stoffkreisläufen und als Nahrungslieferant für Mensch und Tier. „Die einzigartigen Nahrungszusammenhänge zeigen, wie man nach dem natürlichen Vorbild unter kontrollierten Bedingungen eine umweltschonende und tierfreundliche Aquakultur aufbauen kann“. Das Verfahren der Wattenmeer-Farm zur Erzeugung von Speisefischen und Kräuterpflanzen integriere Fischnährtiere in den Wasser- und Nährstoffkreislauf und ermögliche somit die Zucht hochwertiger Kaltwasserarten wie der Seezunge. Die Wattenmeer-Kreislaufanlage ist in einen Aquakultur-Teil zur Erzeugung von Fischen und einen Hydrokultur-Teil für die Erzeugung der Pflanzen gegliedert. Neben den eigentlichen Produkten sind zudem Würmer und Mikroalgen als Nahrungsgrundlage der gezüchteten Organismen in den Kreislauf integriert. Dabei übernehmen die Fischnährtiere gleichzeitig die Funktion der Wasserreinigung.

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Der Standort in Hainburg sei aufgrund seiner Nähe zum größten Frischfisch-Anlandehafen in Deutschland – dem Frankfurter Flughafen – ideal. Außerdem sei die Infrastruktur für die erste Produktionsstufe – Pflanzen und Algen – bereits vorhanden. In drei Monaten sollen die ersten Pflanzen an Abnehmer geliefert werden. Am Ende soll die Anlage etwa 50 Tonnen Pflanzen und zehn Tonnen Fisch produzieren. 

kd

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