Werbemaßnahmen für Hainburger Kranken- und Sterbekasse erfolglos 

„Mathilde“ vor Auflösung

Hainburg - Die Kranken- und Sterbekasse Mathilde soll aufgelöst werden. Vorsitzender Rudolf Kaller verkündete den Vorstandsbeschluss bei der Jahresversammlung.

Überalterung, stetig sinkende Mitgliederzahlen und weitgehend erfolglose Werbekampagnen sind unter anderem die Gründe dafür, dass die Kranken- und Sterbekasse „Mathilde“ Ende 2018 aufgelöst werden soll. Einen entsprechenden Vorstandsbeschluss verkündete Vorsitzender Rudolf Kaller bei der Jahresversammlung. Wegen der „totalen Überalterung“ der Mitglieder - das Durchschnittsalter liegt laut Kaller bei 73 Jahren - sei die Mitgliederzahl von 692 auf 630 zurückgegangen. Der Versicherungsbestand habe sich von 2078 auf 1941 verringert.

Auch die negative Entwicklung bei den Finanzen habe zu der bedrohlichen Situation beigetragen, sagte Heinz Wich beim Rückblick auf die vergangenen beiden Geschäftsjahre. Zwar habe die Bilanzsumme mit den Überschüssen von rund 14 147 Euro (2016) und knapp 5 249 Euro im vergangenen Jahr noch geringfügig von 1,097 Millionen auf 1,116 Millionen Euro gesteigert werden können. „Doch die Überschüsse in dieser Höhe sind zu gering, um die allgemeine Geschäftsrücklage und die Deckungsrückstellungen im erforderlichen Umfang aufzubauen“, erläuterte Wich den Anwesenden. Schuld an dieser negativen Entwicklung seien der Rückgang der Beitragseinnahmen wegen der zahlreichen Sterbefälle und auch der Rückgang der Vermögenserträge durch die Null-Zins-Politik der EU.

„Der Vorstand hat diesen Negativtrend eingehend analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Kasse keine Zukunft mehr hat“, so Vorsitzender Kaller anschließend. Daher wird bei einer weiteren Versammlung die Auflösung der Kasse zum Jahresende beantragt. Diesem Ansinnen müssen zwei Drittel der dann anwesenden Mitglieder zustimmen. Mit der Verteilung des Vereinsvermögens auf die Mitglieder werde dann ein Versicherungsmathematiker beauftragt, erläuterte Kaller die weitere Vorgehensweise. Nach Genehmigung und Prüfung des Verteilungskonzepts durch das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt könne dann ein Jahr nach Genehmigung die Auszahlung erfolgen.

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Kerstin Renz vom RP, die schon seit Jahren die Aufsichtsfunktion über die Kasse wahrnimmt, ergänzte, dass alle kleinen Versicherungsvereine vor den gleichen Problemen wie die „Mathilde“ stünden. In wenigen Jahren sei die Zahl der kleinen Versicherungsvereine in Hessen von weit über hundert auf derzeit nur noch 45 zurückgegangen. Alle seien vorher mit ihren Werbemaßnahmen gescheitert. Bei der Versammlung gedachten die Anwesenden auch den 62 in den beiden vergangenen Jahren verstorbenen Mitgliedern, darunter dem früheren Vorsitzende Edmund Böhn (89) und dem ehemaligen Schriftführer Alfons Löw (83).

Einstimmig wiedergewählt wurden die Vorstandsmitglieder Rudolf Kaller, Dr. Stefan Wich, Dagmar Brettinger und Heinz Wich und auch die Ersatzmitglieder Karl-Heinz Porsch und Wolfgang Heilmann. Ebenso einhellig fiel das Votum für die Aufsichtsratmitglieder Maria-Theresia Volk, Ursula Werth, Silvia Fröhlich und Eckhard Huss mit den Ersatzmitgliedern Rita Brettinger und Heinz-Peter Krammig aus. (sig)

Rubriklistenbild: © dpa

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