Ehrenamtsbüro in Hainburg

„Wir rennen offene Türen ein“

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Fünf von sieben Lotsen des Ehrenamtsbüros (von links): Renate Bay, Karin Steinkamp, Thorwald Ritter, Monica Heilmann-Winter und Susan Ritter (hinten). Zum Team gehören noch Ewald Erlacher und Eva-Maria Hessemer.

Hainburg - Seit einem Jahr sind die sieben Ehrenamtslotsen in Hainburg im Einsatz und vermitteln Freiwillige in gemeinnützige Projekte. Und ihnen wird bei ihrer Aufgabe nach wie vor nicht langweilig. Von Katrin Stassig

In der ersten Sprechstunde im neuen Jahr sind bei Susan Ritter und ihren Kollegen vom Ehrenamtsbüro die Telefone heiß gelaufen. Ein pensionierter Förderschullehrer hat sich gemeldet. „Er könnte sich vorstellen, Erwachsenen Sprachkenntnisse beizubringen“, berichtet Susan Ritter. Dann ist da noch eine junge berufstätige Frau, die in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun möchte. „Wir werden sie vermutlich ans Seniorenheim Simeonstift weitervermitteln.“

Aber auch viele Vereine und andere gemeinnützige Organisationen rufen an auf der Suche nach Freiwilligen. Wie so oft, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht, ist die Nachfrage größer als das Angebot. „Wir rennen überall offene Türen ein“, erzählt Renate Bay.

Die Bilanz des Büros

Die Bilanz des Büros im ersten Jahr seines Bestehens kann sich sehen lassen. 30 Ehrenamtliche sind es, die sich seit der Gründung im Februar 2013 bei den Lotsen gemeldet haben und die nun in verschiedenen Projekten aktiv sind. Viele hatten eine vage, etliche schon ganz konkrete Vorstellungen, wie und wo sie sich engagieren möchten. „Eine Dame kam mit einer eigenen Idee“, berichtet Monica Heilmann-Winter. „Sie wollte Bewerbungshilfe anbieten. Das macht sie inzwischen selbstständig.“ Die Ehrenamtslotsen haben dabei Starthilfe geleistet.

In der Regel fungieren sie als Vermittler, Ansprechpartner und Begleiter für die Ehrenamtlichen. Sie zeigen mögliche Einsatzstellen und Tätigkeitsbereiche auf. Für diejenigen, die sich engagieren wollen, und sei es nur für zwei Stunden pro Woche, stehen diverse Projekte zur Auswahl. Einige davon gab es schon länger, andere sind mit der Gründung des Büros ins Leben gerufen worden.

Projekt „Lesepaten“

Da gibt es zum Beispiel die „Lesepaten“, ein Projekt, das Renate Bay betreut. Die Seniorin ist selbst seit sieben Jahren „Leseoma“, wie die Kinder in der Johannes-Gutenberg-Schule sie nennen. Fünf Lesepaten gibt es aktuell, „und wir würden uns wünschen, dass es mehr werden“, sagt Renate Bay. Die Nachfrage von Lehrern sei groß, „das können wir gar nicht abdecken“. Und auch die Kinder lieben diese Stunde. „Sie lesen sehr gerne, es gibt immer mehr Meldungen als Zeit ist.“

Seit knapp einem Jahr sind die „Landschaftsbeobachter“ in und um Hainburg unterwegs. Sie melden dem Ordnungsamt kaputte Bänke, zerstörte Papierkörbe oder wilden Müll – vom Taschentuch bis zum Fernseher. „Ich finde, Hainburg ist dadurch sauberer geworden“, sagt Renate Bay, die viel mit ihrem Hund draußen ist. Zu den weiteren Projekten gehören ein Workshop in Handarbeit für Schulkinder und eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Asyl, in dem Susan Ritter sich engagiert. Auch ins Simeonstift oder zur Seligenstädter Tafel werden freiwillige Helfer vermittelt.

Das Ehrenamtsbüro versteht sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den Vereinen. „Es gibt ein sehr reiches Vereinsleben in Hainburg“, stellt Monica Heilmann-Winter fest. „Aber es ist unsere Meinung, dass es einige Dinge gibt, die das nicht abdeckt.“ Susan Ritter gibt zu bedenken, dass das Büro als Anlaufstelle eine niedrige Hemmschwelle hat. Wer sich dort vorstellt, hat die Möglichkeit, alles noch einmal zu überdenken, bevor er sich konkret für ein Projekt entscheidet.

Ehrenamtlich in Vereinen aktiv

Im übrigen seien viele der Ehrenamtlichen bereits in Vereinen aktiv gewesen. Das gilt auch für die Lotsen selbst. Sie bezeichnen sich als „Vereinsleute, die gesagt haben, wir können noch ein bisschen mehr machen“. Bei der Landesehrenamtsagentur sind sie im Vorfeld für ihre Tätigkeit ausgebildet worden, haben gelernt, wie man um Ehrenamtliche wirbt, Projekte managt oder Kontakt zu Einrichtungen und Organisationen aufnimmt. Im Februar vor einem Jahr haben die Lotsen dann die Arbeit aufgenommen. „Es war gut, dass wir Anfang des Jahres gestartet sind“, sagt Monica Heilmann-Winter rückblickend. „Da haben viele Menschen gute Vorsätze.“

Beheimatet ist das Ehrenamtsbüro in der evangelischen Kita Am Kiefernhain in Hainstadt. Sprechstunde ist donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Außerdem sind die Lotsen telefonisch unter Tel.: 06182/780928 oder per E-Mail an ehrenamt-hainburg@t-online.de erreichbar.

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