Wirtschaftlicher, zweckmäßiger Bau

Architektenwettbewerb für neues Rathaus?

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Die „Postwiese“ an der Ecke Kirchstraße/L 3065 in Klein-Krotzenburg. Dort soll das neue Rathaus gebaut werden.

Hainburg - Den Grundsatzbeschluss für den Neubau eines Rathauses hat die Gemeindevertretung bereits vor drei Jahren gefasst. Aus dieser Zeit stammt auch eine Anregung der Bürger für Hainburg (BFH), für den Neubau einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Von Katrin Stassig

Nach anfänglicher Skepsis steht die CDU der Idee positiv gegenüber. Selbst die SPD, die einen Neubau bisher kategorisch abgelehnt hat, signalisiert Offenheit. Die Sitzung liegt fast drei Jahre zurück. Damals hatte die Gemeindevertretung in Hainburg den Grundsatzbeschluss zum Neubau eines Rathauses verabschiedet. Dem interfraktionellen Antrag stimmten alle Parteien mit Ausnahme der SPD zu. Die Sozialdemokraten haben den Neubau bislang bekanntlich kategorisch abgelehnt, sprachen sich für die Sanierung der bestehenden Verwaltungsgebäude und den Bau eines Bürgerbüros aus. Die BFH hatten im Nachgang zum Beschluss den Antrag gestellt, für den Neubau einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Der Vorschlag wurde zurückgestellt.

Bevor das Projekt Neubau in Angriff genommen werden konnte, galt es zwei andere Punkte abzuarbeiten. Zum einen den Verkauf der Grundstücke in der Neuen Ortsmitte, der einen Großteil der Finanzierung des neuen Verwaltungssitzes sicherstellen soll. Die Bauplätze werden derzeit an den Mann gebracht (wir berichteten). Wie Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) am Montagabend in einer gemeinsamen Sitzung aller Fachausschüsse mitteilte, könne die Gemeinde mit dem Verkauf der Grundstücke in der Neuen Ortsmitte „dicke 60 Prozent der Kosten erwirtschaften“. Einen detaillierten Finanzierungsplan für den Rathausneubau gebe es indes noch nicht. Eine geschätzte Summe von 4,5 Millionen Euro steht im Raum. Zweiter Punkt war die Grundstücksfrage. An der „Postwiese“ in Klein-Krotzenburg, wo der Neubau entstehen soll, fehlte der Gemeinde eines von drei Flurstücken. Hier meldete Böhn kürzlich Vollzug; der Kaufvertrag für die 1450 Quadratmeter große Fläche wurde unterschrieben. Insgesamt ist das Areal 5800 Quadratmeter groß.

Ein Wettbewerb bietet viele Möglichkeiten

Nachdem diese Punkte geklärt sind, stand am Montag der BFH-Antrag zum Architektenwettbewerb im Ausschuss zur Debatte. Bürgermeister Böhn räumte ein, er habe dem Vorschlag anfangs skeptisch gegenübergestanden, halte ein solches Verfahren aber inzwischen für sinnvoll. Ein Wettbewerb biete viele Möglichkeiten: Man könne die Bürger einbeziehen, bekomme eine große Bandbreite verschiedener Entwürfe – eventuell auch mit ganz neuen Ideen, an die bisher keiner gedacht habe. Außerdem wäre mit einem Architektenwettbewerb auch die europaweite Ausschreibung erledigt, zu der die Gemeinde verpflichtet ist. Böhn hat Angebote von Büros eingeholt, die solche Wettbewerbe ausschreiben. Die Betreuung des Verfahrens koste etwa 50.000 Euro, annähern die gleiche Summe werde für die Preisgelder fällig, die anteilig an die Teilnehmer verteilt werden.

Auch mit der Bauaufsicht hat der Bürgermeister gesprochen. Für das Gelände gibt es keinen Bebauungsplan, folglich greift Paragraf 34 Baugesetzbuch, nach dem sich die Bebauung in die Umgebung einfügen muss. Ein zwei- bis dreigeschossiges Gebäude sollte demnach kein Problem sein, so Böhn. Der Bürgermeister nahm außerdem zu einigen weiteren Fragen Stellung, die im Grundsatzbeschluss aufgeführt waren. Eine dieser Fragen war die ÖPNV-Anbindung, die mit Bushaltestellen der Linien 5, 6, 7 und OF-86 gewährleistet ist. Der Pkw-Verkehr werde vermutlich über die Retzer Straße zum Rathaus geleitet. Synergieffekte seien mit Kreuzburghalle (Foyer) oder Feuerwehrhaus (Sitzungssaal) möglich, auch Ideen für eine gemeinsame Nahwärmenutzung gebe es.

Bilder: Alexander Böhn ist neuer Bürgermeister

Im Neubau sollen die bisherigen dezentralen Teile der Gemeindeverwaltung untergebracht werden: Rathaus Hainstadt, Bauamt Hainstadt, Rathaus Klein-Krotzenburg, Verwaltung des Müllabfuhr-Zweckverbands, Verwaltung der Volkshochschule und die Gemeindewerke (der technischer Leiter sitzt derzeit im Kläranlagenbüro). Die Ausnahme bildet der Bauhof. Die alten Liegenschaften (Rathäuser und Bauamt), so Böhn auf Nachfrage der SPD, sollen verkauft werden. Es gebe lose Interessenten. Nächster Schritt sei die Erstellung von Wertgutachten für die Gebäude, um auf dieser Basis mit potenziellen Käufern zu verhandeln. Für den Architektenwettbewerb sollten die Vorgaben nicht zu einschränkend formuliert sein. Wichtig sei: „Wir wollen einen wirtschaftlichen, zweckmäßigen Bau.“ Die Angabe einer Obergrenze bei den Baukosten hält Böhn für sinnvoll – auch wenn die Architektenkammer im Vorgespräch davon abgeraten habe. „Es nützt ja nichts, wenn wir dann einen tollen Entwurf haben, der aber 15 Millionen kostet.“

Die Anregung der BFH, das umliegende Gelände in die Planung mit einzubeziehen und eine tatsächliche „neue Ortsmitte“ zu gestalten, wurde zurückgestellt. „Wir sollten uns erst mal auf dieses Projekt konzentrieren und nicht zu viel drumherum diskutieren“, meinte der Bürgermeister. Städtebauliche Aspekte in die Ausschreibung des Wettbewerbs aufzunehmen, führe zu weit und sprenge den Kostenrahmen. Der BFH-Vorschlag zum Architektenwettbewerb soll als interfraktioneller Antrag beschlossen werden. Bis dahin will sich auch die SPD überlegen, ob sie zustimmt. Fraktionschef Manfred Tilsner signalisierte im Gespräch mit der Redaktion Offenheit. „Wir haben nicht die Front gewechselt“, betonte Tilsner. „Aber wir sind der Meinung, dass ein Wettbewerb Vorschläge bringen könnte, die wir im Moment noch nicht auf dem Schirm haben und die sinnvoll sind.“ Vielleicht gebe es eine Lösung, „bei der wir mitziehen können“.

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