Anwohner sind gegen Verbindungsweg

Der Zaun soll bleiben

+
Schon jahrzehntelang begrenzt ein Zaun den Stichweg zwischen den Reihenhäusern an der Gablonzer Straße. Der Großteil der direkten Anwohner möchte, dass das so bleibt. Im Hintergrund die SB-Station der Sparkasse an der Offenbacher Landstraße.

Hainstadt - Die Pläne für einen möglichen Verbindungsweg zwischen der Gablonzer Straße und dem Sparkassen-Servicepunkt an der Offenbacher Landstraße in Hainstadt haben zu massiven Protesten der Anwohner in der Reihenhaus-Siedlung geführt. Von Katrin Stassig 

Knapp ein Dutzend Anwohner vom Säugling bis zur Seniorin hat sich an diesem Nachmittag im Wohnzimmer von Lis Kroher an der Gablonzer Straße versammelt. Sie wollen darüber sprechen, warum sie gegen die Öffnung des Stichwegs zwischen ihren Häusern sind, wollen ihrem Unmut Luft verschaffen. Sie fühlen sich übergangen, nicht ausreichend informiert. Dass der Verbindungsweg zwischen der Gablonzer Straße und dem Geldautomaten an der Offenbacher Landstraße geöffnet und verlängert werden könnte, haben viele von ihnen erst mitbekommen, als die Sparkasse an Fastnacht mit dem Wiederaufbau des SB-Containers begann. Empört riefen die Anwohner bei Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) an, der daraufhin veranlasste, dass der Weg zugeschüttet, der Zaun wieder angebracht wurde.

Die SPD hatte im Juni 2016 den Antrag eingebracht, den Stichweg zwischen den Reihenhäusern für die Allgemeinheit zu öffnen. Auch die Grünen unterstützen das Anliegen. Die CDU sprach sich dagegen aus. Die Diskussion geriet ins Stocken, als der SB-Point im November von unbekannten Tätern gesprengt wurde. Auf ihr Schreiben an den Fraktionsvorsitzenden der SPD habe sie bis dato keine Antwort erhalten, ärgert sich Lis Kroher. Auch Cliff Hollmann (Grüne), der das Thema vergangenen Sommer in seinem Bürgermeister-Wahlkampf aufgegriffen hatte, kennen die meisten nur von seinen Plakaten.

Auf dem Tisch liegt ein Schreiben der Gemeinde Hainburg an die Anwohner der Gablonzer Straße. Darin weist Bürgermeister Böhn darauf hin, dass es nach wie vor Bestrebungen gebe, den Erschließungsweg der Reihenhäuser Gablonzer Straße 20 bis 32 zu öffnen, um eine direkte Verbindung zur SB-Station der Sparkasse herzustellen. Dazu liege inzwischen eine Unterschriftenliste von Anwohnern in der näheren Umgebung vor, die dies befürworten. Böhn will mit dem Schreiben die Meinung der „direkt Betroffenen“ einholen. Beigefügt ist ein kurzer Fragebogen.

Der Bürgermeister hatte jüngst in der Ausschusssitzung bemängelt, die Opposition habe in der Vergangenheit den Eindruck erweckt, die Anwohner seinen mehrheitlich für die Öffnung des Weges. Mithilfe der Fragebögen soll ein repräsentatives Bild entstehen, das den politischen Entscheidungsträgern vorgelegt werden kann. Direkt betroffen sind die Anwohner von 14 Reihenhäusern, deren Gärten bzw. Eingänge und Vorgärten an den Stichweg grenzen. Und sie sind fast alle dagegen, dass dieser für die Allgemeinheit geöffnet wird. Dass die Anwohner weiter hinten es befürworten, wundert sie nicht. Aber Lis Kroher ist überzeugt: „Wenn sie selbst betroffen wären, würden sie nicht zustimmen.“

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Hainburg

Es wird deutlich, dass das Thema den Bewohnern der Reihenhäuser schlaflose Nächte bereitet. Ihre Befürchtungen sind vielfältig: Mehr Publikumsverkehr führt zu mehr Müll in den Gärten und zu Lärmbelästigung. Diese sei jetzt schon hoch, zum einen durch den Verkehr auf der Offenbacher Landstraße, zum anderen durch die Kunden, die den Geldautomaten (auch nachts) frequentieren, Autos und Musik laufen lassen. Mofas oder auch Pkw könnten versucht sein, den Fuß- und Radweg ebenfalls als Abkürzung zu nutzen.

Die Sicherheit ist ein weiteres Argument, schon in der Vergangenheit habe es Einbrüche und Einbruchsversuche in der Siedlung gegeben. Die größte Befürchtung: Was ist, wenn eines der Kinder in einem unbeobachteten Moment ausbüxt und auf die Offenbacher Landstraße läuft?

Die Reihenhäuser an der Gablonzer Straße sind in den sechziger Jahren gebaut worden. Anfangs waren die insgesamt drei Stichwege offen. Als Lis Kroher 1979 mit ihrer Familie einzog, waren die Begrenzungs-Zäunchen schon da. Ein Argument dafür sei auch damals die Sicherheit der Kinder gewesen. Die Älteren unter den Anwohnern erinnern sich, wie ihr Nachwuchs früher auf den Wegen Hüpfkästchen gemalt hat. Heute sind es die Enkel und die Kinder der nächsten Generation, die in den Gärten spielen. Für die junge Familie mit zwei kleinen Söhnen hat es zur Kaufentscheidung beigetragen, dass der Weg zwischen den Häusern zur Straße hin geschlossen ist.

Auch die Argumente für den Verbindungsweg überzeugen die Anwohner nicht: „Mir ist es unverständlich, wieso ein Umweg von maximal fünf Minuten es erforderlich machen soll, dass ein Durchgang geschaffen wird“, meint Lis Kroher. Das seien weniger als 200 Schritte. Für die Anwohner an der Königsberger, Leipziger oder Breslauer Straße stelle dieser Weg nicht einmal eine Abkürzung dar.

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare