Initiativen fordern finanzielle Absicherung der Opferfamilien des Anschlags von Hanau

19. Februar: „Den Worten müssen Taten folgen“

Hanau – Mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen in Bund, Land und Stadt melden sich Initiativen und Beratungseinrichtungen zu Wort und fordern die Einlösung der versprochenen Hilfen für die Opferfamilien des Anschlags vom 19. Februar. Die Initiative 19. Februar Hanau, die Hanauer Hilfe, die „Welle“, das Zentrum für Traumapädagogik und „Response – Beratung für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (Hessen)“ beklagen, dass einige Familien nach wie vor in Kesselstadt, nahe am Tatort und am Täterhaus wohnen müssten, weil bislang keine angemessenen Ersatzwohnungen für alle gefunden worden seien. Zudem sei die finanzielle Absicherung bei den meisten Familien unsicher, weil der Ausgleich der mit der Tat einhergehenden Einkommensverluste unklar sei.

Informationen aus Politik und den Medien, schreibt Hagen Kopp im Namen der Initiativen, ergäben ein verkürztes oder verfälschtes Bild. Bei den „über eine Million Euro Soforthilfen“, die nach Zeitungsberichten an die Angehörigen gegangen seien, sei verschwiegen worden, dass diese Summe unter sehr vielen Opferangehörigen sowie physisch und psychisch Verletzten und Überlebenden aufgeteilt wurde. Somit blieben pro Familie Summen übrig, die keine längerfristige Sicherheit böten.

Auch die Anträge auf Renten beim Versorgungsamt seien langwierig. Entscheidungen dauerten bis zu zwei Jahren und brächten oft nur einen geringen Zuschuss. Weitere 600 000 Euro, die Hessen zur Unterstützung der Angehörigen als Sonderprogramm für Hanau bewilligt habe, gingen an Projekte, die nicht in Verbindung mit der Versorgung der Familien stehen müssten. Hiervon erhielten die Opferangehörigen unmittelbar keinen Euro.

Unter Betonung der Wichtigkeit antirassistischer Projekte fordern die Initiativen an erster Stelle die finanzielle Unterstützung der Familien.

Die Wohnungssuche dürfe nicht an fehlendem Geld scheitern, schreibt Kopp. Den Familien, die umziehen müssten oder wollten, dürften keine zusätzlichen Kosten entstehen. Die Differenz zwischen alter und neuer Miete für eine angemessene Wohnung müsse von staatlichen Stellen unbürokratisch übernommen werden.

Dasselbe Verfahren fordern die Initiativen auch für den Ausgleich der Einkommensverluste. Die Familien hätten Menschen verloren, die zum Familieneinkommen beigetragen hätten. Einige Betroffene hätten wegen der traumatisierenden Tat ihre Arbeit aufgeben müssen oder seien seit Monaten auf Krankengeld angewiesen, mit starken Einbußen für ihren Unterhalt. Auch hier sieht Kopp die staatlichen Stellen in der Pflicht.

„In diesem Sinne fordern wir alle Verantwortlichen im Bund, Hessen und Hanau auf: Schaffen Sie soziale Sicherheit und Gerechtigkeit für die Angehörigen der Opfer des 19. Februar. Ermöglichen Sie eine unbürokratische Ausgleichsfinanzierung für angemessene Wohnungen und für die Einkommensverluste der neun Opferfamilien. Es braucht hier jetzt dringlich Taten statt Worte.“  ju

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