Magnet für die Massen

Heute vor 50 Jahren öffnete der Wildpark „Alte Fasanerie“

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Ob Auerochskalb (oben) oder Frischlinge – der Tiernachwuchs zieht im Wildpark stets die meisten Blicke auf sich.

Klein-Auheim - Auf den Tag genau vor 50 Jahren öffnete der Wildpark „Alte Fasanerie“ Klein-Auheim erstmals seine Tore für Besucher. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich ein Besuchermagnet mit Anziehungskraft weit über die Grenzen Hanaus hinaus. Von Holger Hackendahl 

Mittlerweile besuchen jährlich mehr als 200.000 Menschen den Wildpark. An solche Besuchermassen dachte vor einem halben Jahrhundert freilich noch niemand, als das Gelände mit seiner langen Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. 1746 wurde die 107 Hektar große „Obere Fasanerie“ erschlossen. Erzbischof Johann Friedrich Karl von Ostein umgab das Areal mit einer 3,8 Kilometer langen Basaltsteinmauer und nutzte es fortan als sein Jagdrevier. Gut zwei Jahrhunderte später entstand auf diesem Gelände der Wildpark mit rund 93 Hektar Wald. Die restlichen 14 Hektar verteilen sich auf Wiesen-, Wasser- und Freiflächen sowie das gut 15 Kilometer lange Wegenetz.

Allein das Rotwildgehege ist mit neun Hektar gut dreiviertel so groß wie der gesamte Frankfurter Zoo. „Seit 1969 – also noch nicht ganz seit 50 Jahren – gibt es Rotwild in unserer Fasanerie zu sehen“, weiß Wolfgang Heidrich, Stellvertretender Vorsitzender des Wildpark-Fördervereins und von 1970 bis 2007 Revierförster in der Fasanerie. Die ersten Tiere, die die Besucher im Wildpark sehen konnten, waren Fasanen, Wildschweine und Damwild. Später folgten das Rot- und Sikawild, und 1970 kamen die ersten Wisente dazu.

Heute bevölkern rund 350 Tiere aus 40 meist nord- und mitteleuropäischen Arten die Gatter, Gehege und Volieren. Das Gros der Wildpark-Bewohner wurde in den vergangenen fünf Jahrzehnten durch Menschenhand angesiedelt, darunter auch einige vom Aussterben bedrohte alte Haustierrassen. Um die Attraktivität des Parks weiter zu steigern, wurden von Wildpark-Gründer Gerhard Schultz im Mai 1977, also vor gut 40 Jahren, die ersten Elche in den Wildpark gebracht. Manche Tiere kamen wegen der guten Lebensbedingungen aber auch ganz von selbst: Etwa eine große Graureiher-Kolonie, aber auch zehn Fledermausarten, wilde Störche, Kanada- und Nilgänse sowie Stockenten. Mehr als 200.000 Besucher aus Nah und Fern – Tendenz steigend – besuchen alljährlich die Alte Fasanerie. Dabei hat sich seit einigen Jahren der Oktober, wohl wegen der beeindruckenden Hirschbrunft, als besucherstärkster Monat herausgestellt.

Bilder: Ein Hauch Wilder Westen im Wildpark

Und den Gästen sollen weitere Tierarten präsentiert werden. Schon bald sollen Fischotter ein neues Gehege beziehen. „Das ist bereits von Förderverein und Forstamt beschlossen, Mittel seitens des Fördervereins stehen bereit“, berichtet Heidrich. Der Verein der Freunde und Förderer des Wildparks Alte Fasanerie Klein-Auheim gehört seit Jahrzehnten zu den unverzichtbaren Stützen des Tierparks. Ohne seine finanzielle Unterstützung wäre vieles, was in der Vergangenheit an Neuem im Wildpark geschaffen wurde und zu dessen Attraktivitätssteigerung beitrug, nicht realisierbar gewesen.

Der Spaß soll beim Besuch des Wildparks nicht zu kurz kommen. Dafür sorgen nette Einfälle wie dieser.

Seit 2009 engagiert sich Hannelore Moravec an der Spitze des rund 2 500 Mitglieder zählenden Fördervereins, der im kommenden Jahr 50 Jahre alt wird. Der Förderverein trägt alljährlich – vor allem durch die Mitgliedsbeiträge – mit einem fünfstelligen Betrag dazu bei, dass Wildparkbewohner in geräumigen und moderne Gehegen und Volieren artgerecht leben können. Wichtiger Faktor sind auch die mehr als 100 Tierpaten, die durch ihre Spenden zur Finanzierung der Futterkosten von Elch, Luchs, Wolf & Co. beitragen. Allein durch die Tierpatenschaften fließen jährlich rund 20.000 Euro in die Wildparkkasse.

Unumstrittene Stars sind die Polarwölfe, die von Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel 2004 mit der Flasche aufgezogen wurden. Bis Ende 2016 gab es Dutzende gut besuchter Wolfsheul-Events – mit bis zu 500 Teilnehmern. Nun verbringen die über 13 Jahre alten Polarwölfe Ayla und Scott ihren Lebensabend im Wildpark. Doch es gab in der Wildpark-Chronologie auch Rückschläge. Besonders hart traf die Alte Fasanerie im März 1990 der Orkan Wiebke, der allein im Wildpark 2000 Bäume umriss. „Alle Gatter waren kaputt und unsere Wölfe waren ausgebrochen. Über 2500 Festmeter Stammholz wurden damals aus dem Wildpark heraus verkauft“, erinnert sich der damalige Revierförster Heidrich.

Bilder: Jubiläum im Wildpark Klein-Auheim

Die ausgebüxten Wölfe in Folge des Orkans 1990, die Blauzungen-Krankheit 2007, die die damals über 20 Tiere starke Wisentherde um mehr als die Hälfte dezimierte, ein Jungelch mit gebrochenem Hinterlauf, der aufwendig geschient wurde, die Rückkehr wilder Störche, die im Frühjahr 2017 entlaufene Luchsin... – tierische Begebenheiten aus dem Wildpark machen immer wieder Schlagzeilen und rühren somit auch die Werbetrommel.

Doch mindestens genauso wichtig ist dem Land Hessen als Eigentümer und dem Forstamt Hanau-Wolfgang als Betreiber des Wildparks der Bildungsauftrag. Mit dem Bau des Gerhard-Schulz-Infozentrums wurde dem steigenden Interesse an der Naturbildung bereits vor rund 30 Jahren Rechnung getragen. Thematische Führungen, naturnahe Ferienfreizeiten, die kostenlosen monatlichen Mittwochswanderungen etc. – die Alte Fasanerie ist mittlerweile auch ein angesehener außerschulischer Lernort. „2016 haben unsere ehrenamtlichen Wildparkführerinnen 717 Führungen mit rund 11.000 Teilnehmern, zwei Drittel davon Kinder, durchgeführt“, nennt Sabine Scholl, seit 2001 Leiterin des Hessischen Forstmuseums, beeindruckende Zahlen. Das Forstmuseum wurde als ökologisch errichteter Holzbau kurz nach der Jahrtausendwende gemeinsam mit dem neuem Haupteingang eröffnet. Es vermittelt den Besuchern unter anderem Geschichte und Bedeutung der Waldwirtschaft.

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