Giftköder in 4500 Kanalschächten

60.000 Euro für den Kampf gegen Ratten

Hanau - Hanau lässt im Kampf gegen Ratten nicht locker. Während in anderen Kommunen laut Medienberichten aus Kostengründen die Rattenbekämpfung zurückgefahren wird, wird in der Brüder-Grimm-Stadt weiter kräftig investiert.

Jetzt geht es den Ratten an den Kragen: Fachleute öffnen einen der 8600 Kanalschächte in Hanau.

60.000 Euro lässt sich Hanau die Rattenbekämpfung jährlich kosten. Für das städtische Kanalsystem ist der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) zuständig. Und der lässt von den Mitarbeitern einer damit beauftragten Firma regelmäßig Rattenköder auslegen. Von insgesamt 8600 Kanalschächten wurden in den vergangenen Wochen 4500 mit Giftködern versehen. Nur etwa in jedem zweiten Kanalschacht Köder auszulegen, hat sich nach Ansicht der Fachleute in den vergangenen Jahren bewährt.
Übernahm der städtische Bauhof diese Arbeiten bis vor wenigen Jahren noch, ist das durch den erfolgten Personalabbau heute nicht mehr möglich. HIS schrieb das Beködern der Kanalschächte daher aus. Zum Zuge kam eine Schädlingsbekämpfungsfirma, die auch für andere Städte und Kommunen im Umkreis schon seit Jahr und Tag Dienstleisterin ist: Kraft & Menge aus Bruchköbel.

Geschäftsführer Maximilian Menge und der Technische Leiter Thomas Norris erläutern an einem Einsatzort, wie sie im Detail vorgehen: Eine Woche vor dem Einsatz von Giftködern bringen sie in den betreffenden Kanalschächten ungiftige Köder aus, das schreibe der Gesetzgeber vor. Ziel dabei ist, durch das Anfressen dieser Köder gezielter bestimmen zu können, welche Tiere den Köder fressen und den Gifteinsatz verringern zu können. Bis vor wenigen Jahren wurden sofort toxische Köder eingesetzt, die bewirken, dass die Ratten innerlich verbluten. Stellt sich heraus, dass trotz Gift die nagenden Schädlinge an der beköderten Stelle weiter anzutreffen sind, meldet HIS das aufgrund eigener Beobachtung oder Bürgerbeobachtung an Kraft & Menge, die dann das Prozedere wiederholen. Das alles gilt auch für Fluss- und Bachläufe.

Der Köder wird in den Kanalschacht gehängt.

Auf seinem Pritschenwagen hat Thomas Norris die Köder geladen, die an einer langen Schnur hängen und einige Zentimeter über dem Boden des Abwasserkanals aufgehängt werden. Am Schmutzfänger unter dem äußerlich sichtbaren Kanaldeckel werden sie doppelt befestigt. Auf der Ladefläche befinden sich außerdem neue Schmutzfänger und Antiklapperringe als Reserve für den Fall, dass diese Teile sich als defekt herausstellen. Denn zum Auftrag der Firma gehört auch, die Abdeckung des Kanalschachts zu reinigen und den Schmutz zu entsorgen, der sich dort gesammelt hat. „Insbesondere an Hauptverkehrsstraßen sammelt sich in den Schmutzfängern mehr, als äußerlich erkennbar ist“, sagt HIS-Baukontrolleur Thomas Scheich.

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Was Rattenbefall begünstigt, weiß HIS-Betriebsleiter Markus Henrich: „Das Wegkippen von Essenresten über die Toilette in die Kanalisation schafft für die Nager hervorragende Nahrungsbedingungen.“ Das gelte auch für Bereiche um Abfallbehälter im Freien, wenn weggeworfene Essensreste daneben landeten.

Schließlich führten auch schadhafte Kanalschächte und -rohre dazu, dass Ratten durch solche Stellen schlüpfen und sich nebenan in den im Erdreich erbauten Nestern schnell vermehren können.Das gelte vor allem für alte Kanalleitungen. Insofern sei es wichtig, diese zu erneuern. Ein entsprechendes Programm der HIS-Abteilung Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz sieht vor, diese Bereiche je nach Schädigungsgrad sukzessive zu sanieren oder Rohre auszutauschen. (ses)

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