In Fuldaer Werkstatt

Schloss Philippsruhe in Hanau: Löwen-Skulpturen werden restauriert

Das Schneckentempo hat einen guten Grund: Die „Bronzelöwen“, bei denen nur der Anstrich aus Bronze ist, wiegen jeweils 200 Kilo.
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Das Schneckentempo hat einen guten Grund: Die „Bronzelöwen“, bei denen nur der Anstrich aus Bronze ist, wiegen jeweils 200 Kilo.

Hanau – In Quarantäne waren die beiden Löwenskulpturen schon lange, die bis vor einem Jahr am Portal des Schlosses Philippsruhe Wache gehalten hatten. Ein Jahr lang harrten sie in einem Kellerraum des Schlosses aus.

Pflaster mit Aufschriften wie „Riss“ oder „Fraßbefund“ auf Fell und Mähne kennzeichneten die Blessuren, die den betagten Tieren zugefügt worden waren. Gestern endlich wurden die galvanisch verkupferten Zinklöwen mit dem Kranwagen abgeholt und nach Fulda gebracht. Dort wird Restaurator Bernhard Krönung sie einer intensiven Reha-Maßnahme unterziehen. „Wenn alles gut läuft, sind die Löwen im Frühjahr wieder vorm Schloss“, erklärte Krönung gestern.

Der Restaurator, dem vor Jahren bereits die Planung für die Sanierung des schmiedeeisernen Tores zum Schloss anvertraut worden war, wird jetzt auch den Löwen wieder auf die Beine helfen. Das heißt, standhaft müssen die beiden Wächter nur bedingt sein. Die Skulpturen, die einst der bedeutendste Bildhauer des Klassizismus und Freund des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, Christian Daniel Rauch, schuf, ruhten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts rechts und links der Treppe zum Eingang des Schlosses. Landgraf Friedrich Wilhelm hatte im Zuge einer Umgestaltung des Schlosseingangs den wachenden und den ruhenden Löwen in Auftrag gegeben. Plastiken, wie sie auch das Grabmal des preußischen Generals von Scharnhorst und viele weitere Stätten zieren.

Vom Balkon des Museums wirken die beiden Skulpturen fast, als lägen sie im Dornröschenschlaf.

Als die beiden Tierplastiken vor einem Jahr in der Versenkung verschwanden, bedauerten dies viele Museumsbesucher – besonders die Kinder, die sich mit Vorliebe auf den Rücken eines der beiden Raubtiere schwangen, wünschten sich deren Rückkehr herbei. Die Tatsache, dass die steinernen Wächter auch als „Reittiere“ genutzt worden waren, trug laut Krönung mit dazu bei, dass seit der letzten Restaurierung erhebliche Schäden aufgetreten sind.

Denn neben den Witterungs- und verschleißbedingten Zerstörungen an der Oberfläche, die als kleine Löcher zu sehen sind, zeigen sich auch Risse an den Nähten. Zudem sind Stücke herausgebrochen. Laut Krönung hat dies unter anderem damit zu tun, dass die Stützkonstruktion im Inneren der Löwen nur an zwei Punkten mit der metallenen Hülle verbunden ist.

Sicherer Blick, sichere Handgriffe: Restaurator Bernhard Krönung sorgt für den fachmännischen Abtransport in die Werkstatt.

„Damals ist man nicht von einer so großen Belastung für das Material ausgegangen“, erklärt der Senior, der die Qualität der letzten Restaurierung immer wieder lobt. Dass unzählige Kinder – und manche Braut und mancher Bräutigam – gerne auf dem Rücken der Löwen fürs Foto posieren, hat langfristig zu den Rissen in der Außenhaut geführt. Auch der Umstand, dass Zink von allen gängigen Metallen die größte Ausdehnung hat, sich also bei Kälte besonders stark zusammenzieht und bei Hitze ausdehnt, hat diese Mate-rialermüdung befördert.

Im Zuge der Restaurierung müssen somit nicht nur die alten Verklebungen oder Nähte wieder geschlossen und die teils mit Stein ausgefüllten Löcher ausgebessert werden. Auch das Stützkonstrukt ist laut Krönung zu erneuern. „Wir werden es diesmal an mindestens zwölf Punkten mit der Metallhülle der Skulpturen verbinden“, sagt der Fachmann.

Mit Klebeband sind die Schwachstellen an der Außenhaut der „Patienten“ markiert.

Gerade noch hat der 22-jährige Jannis Kreutzer, der den Beruf des Restaurators bei Krönung erlernt hat, die beiden auf Holzpaletten ruhenden Skulpturen reisefertig gemacht. Kaum sind die letzten der stabilen Bänder angebracht, kommt auch schon pünktlich auf die Minute der Kranwagen aus Fulda auf den Schlossvorplatz gefahren.

Kreutzer befestigt die Bänder gemeinsam mit dem Mitarbeiter der Transportfirma am Haken des Kranarmes. Dann hievt der Kran die kostbare Ladung langsam vom Treppenportal nach oben. Erst wird der schlafende Löwe auf die Ladefläche des Lastwagens verfrachtet. Danach kommt der wachende Kollege an die Reihe. Alles geschieht unter den wachsamen Augen von Chefrestaurator Krönung und von Martin Hoppe, dem als Fachbereichsleiter Kultur die Museen unterstehen.

Hier schaut jeder skeptisch: Die erste der beiden Löwenskulpturen wird von Restaurator Jannis Kreutzer und einem Kollegen von der Transportfirma auf dem Lastwagen verstaut.

Dass die Plastiken schon im Vorfeld von der Bildfläche verschwunden waren, erklärt Hoppe mit den langwierigen Abstimmungs- und Antragsverfahren für die Fördermittel. Nachdem die Sanierung mit der Landesdenkmalspflege abgesprochen worden war, galt es, auf die Bundesmittel zu warten. Die Sanierung der Löwen kostet laut Hoppe 40 000 Euro und wird komplett vom Bund übernommen. Ein Teil des Betrags stamme aus dem Zwei-Millionen-Zuschuss für die gesamte Schlosssanierung.

Die Tatsache, dass die Stadt keinen Euro zur Restaurierung beisteuern muss, wird die Bürger mit der langen Wartezeit versöhnen.

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