Epidemie

Coronavirus in Hanau und Main-Kinzig-Kreis: Immer mehr Absagen

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Coronavirus in Hanau: Immer mehr Absagen (Symbolbild)

Die Situation in Sachen Coronavirus bleibt in Hanau unsicher. Die Liste der Veranstaltungen, die wegen der Corona-Epidemie abgesagt werden, wird immer länger.

Update vom Freitag, 13.03.2020: Der Main-Kinzig-Kreis hat gestern entschieden, dass ab heute alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen ab 300 Personen und Freiluftveranstaltungen ab 1000 Personen abzusagen sind. Das gilt zunächst bis 10. April.

Die Kreisspitze betont ausdrücklich, dass Schulen, Bildungseinrichtungen und auch Betriebe mit mehr als 300 Personen von dieser Verfügung nicht betroffen sind. Das Veranstaltungsverbot ist nach Einschätzung der Kreisspitze und der Fachleute im Lenkungsstab des Kreises notwendig, um die Ausbreitung der Erkrankung zu verlangsamen und Ansteckungswege nachzuvollziehen. Zudem soll eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Diese Verfügung des Landrates basiert auf einer Anordnung des Hessischen Sozialministeriums. Damit ist nicht nur beispielsweise der Frühlingsmarkt (3. bis 5. April) in der Innenstadt abgesagt, sondern auch die Veranstaltung mit Comedian Dieter in der August Schärttner-Halle (28. März), das Handball-Derby Hanau gegen Gelnhausen (22. März) oder der Auftritt von Friedrich Merz bei einem CDU-Empfang (27. März). Auch das Sinfoniekonzert morgen im CPH fällt aus.

Aber auch kleinere Veranstaltungen sind betroffen. Das Konzert des Steinheimer Sängerchors Olympia (28. März) ist ebenso gestrichen wie die Hauptversammlung der Olympia (2. April). Der Verein will laut Klaus Rathmann voraussichtlich bis Ostern alle Chorproben absagen. Auch vom Förderverein Alte Pfarrkirche in Steinheim kommt eine Absage von dessen Frühlingskonzert (22. März), außerdem hat die Nachbarschaftshilfe Steinheim ihren Empfang am Sonntag wegen des Coronavirus abgesagt, und der Förderverein des Lions Club Maintal hat entschieden, seine Benefiz-Soirée (22. März) im Comoedienhaus Wilhelmsbad neu zu terminieren. Abgesagt ist ferner die für morgen terminierte Preisverleihung des Hanauer Fabulierwettbewerbs. Für kleinere Veranstaltungen mit weniger als 300 Gästen gilt für Hanau und den Kreis die Empfehlung der Behörde, eine Absage oder Verschiebung im Einzelfall zu prüfen. Kritisch zu bewerten seien Zusammenkünfte mit vielen älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen. „Ein vorrangiges Ziel muss es sein, die Risikogruppen vor einer Ansteckung und den entsprechenden Folgen zu schützen“, heißt es.

Insgesamt sei die Ausbreitung des Coronavirus auch im Main-Kinzig-Kreis nicht völlig aufzuhalten, aber die bestmögliche medizinische Versorgung soll in diesem Fall sichergestellt sein Das politische Betrieb in Hanau soll nach Auskunft der städtischen Pressestelle zunächst wie geplant weitergehen. Die Ortsbeiratssitzungen (Klein-Auheim: 18. März, 19 Uhr, Willi-Rehbein-Halle; Großauheim: 19. März, 19.30 Uhr, Altes Rathaus; Steinheim: 19. März, 20 Uhr, Verwaltungsstelle) und die Sitzung der Stadtverordneten (23. März, 16.30 Uhr, Congress Park) finden statt.

Absagen oder nicht? Keine klare Linie bei Großveranstaltungen

Erstmeldung vom Donnerstag, 12.03.2020: Hanau – Die Situation in Sachen Coronavirus bleibt unsicher. Das mag man auch an der Formulierung ablesen, die Oberbürgermeister Claus Kaminsky gestern bei einer Pressekonferenz gebrauchte, als es um die in nächster Zeit geplanten (Groß-)Veranstaltungen in der Brüder-Grimm-Stadt ging. Finden sie statt oder nicht?

„Wir müssen die Balance finden zwischen Krise und entschiedener Besonnenheit“, sagte der Rathauschef. Was das in der Praxis heißt, und nach welchen Kriterien einzelne Veranstalter allerorten verfahren, ist indes für die Bürger „alles andere als leicht durchschaubar“, das räumt Kaminsky ein, auch wenn sich beim Ziel alle einig seien: Dass es darum gehen muss, „den Prozess der Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen“.

Die Stadt jedenfalls will sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts halten, die besagt, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen tunlichst abgesagt werden sollen. Daher wird der Frühlingsmarkt, der vom 3. bis 5. April stattfinden sollte, gestrichen – zumindest der städtische Teil mit Schmuckmarkt und Autoschau. Ob die anderen am Frühlingsmarkt beteiligten Veranstalter mitziehen und etwa den deutsch-holländischen Stoffmarkt (3. April) oder den Schlemmermarkt (4. und 5. April) ebenfalls absagen, stand gestern noch nicht fest. Kaminsky: „Wir empfehlen, dass sie es der Stadt gleichtun.“

An anderer Stelle gibt es schon jetzt einen unterschiedlichen Umgang mit Veranstaltungen oder Veranstaltungsorten. Beispiel Congress-Park: Dort veranstaltet die Stadt am 14. April nach derzeitigem Stand das nächste Sinfoniekonzert, weil in den CPH eben weniger als 1000 Menschen passen. Derweil hat aber eine private Veranstaltungsagentur, die am 27. März an selber Stelle das Ballett „Schwanensee“ präsentieren wollte, die Aufführung abgesagt. Auch bei Kongressen seien mittlerweile Absagen eingegangen, berichtet Martin Bieberle, Geschäftsführer der städtischen Hanau Marketing GmbH (HMG)..

Überhaupt wurde bei der gestrigen Pressenkonferenz immer wieder betont, dass alle Angaben „Stand: jetzt“ seien, weil sich die Situation praktisch täglich, ja sogar stündlich ändern könne. „Stand: jetzt“ soll beispielsweise das Play off-Heimspiel der White Wings-Basketballer gegen Wedel in der Main-Kinzig-Halle am 14. März stattfinden. Noch voller dürfte die Halle beim Handballderby Hanau gegen Gelnhausen sein, das für 22. März angesetzt ist. Das gilt für normale Umstände. Aber in Corona-Zeiten, Zuschauer dicht an dicht? Eine Empfehlung, wie sich die Veranstalter in diesen Fällen verhalten sollten, wollte OB Kaminsky trotz Nachfrage gestern nicht geben. Er appellierte an deren „Eigenverantwortlichkeit“, verwies aber auf andere Sportverbände, die zum Teil Veranstaltungen wie Volleyballspiele abgesagt haben. Eine Aussage, die man allenfalls in diese Richtung interpretieren kann.

„Eigenverantwortung wahrnehmen“, das, so der Oberbürgermeister, sollten auch die Bürger und entscheiden, wo sie hingehen und ob sie größere Veranstaltungen besuchen.

Die Stadt werde bei ihren Veranstaltungsplanungen „auf Sicht fahren“, sagte HMG-Chef Bieberle. Will heißen: Man will „permanent die Lage betrachten und das Verhalten anpassen“, so Kaminsky. Vorerst richte sich der Blick auf die in naher Zukunft anstehenden Events. Über die wolle man „so spät wie möglich, aber so früh wie nötig entscheiden“.

Fest steht, dass innerstädtische Veranstaltungen wie Betriebs- und Personalversammlungen oder Hauptversammlungen der Feuerwehr bis auf Weiteres nicht stattfinden. Schließlich habe die Stadt eine Daseinsfürsorge für die Bürger zu erfüllen, dabei gelte es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die städtischen Bediensteten das gewährleisten können.

Während der Hanauer Wochenmarkt als wichtige Einkaufsmöglichkeit wie gehabt stattfinden soll, gibt es etliche weitere Absagen: Ein Pflegetag am Klinikum Hanau (14. März) wurde verschoben, ein Vortrag der Wetterauischen Gesellschaft über Neuseeland (18. März) gestrichen, ebenso die heutige Lesung „Die vergessenen Kinder“ in Schloss Philippsruhe, das Frühlingskonzert der Steinheimer Olympia (22. März) oder die Veranstaltung „Trommeln und Tanz aus Japan“ (25. April) im Comoedienhaus sowie das Seifenkistenrennen in Steinheim (16./17. Mai).

Für die Brüder-Grimm-Festspiele, die am 14. Mai beginnen sollen, gehen hingegen momentan die Vorbereitungen weiter – inklusive Werbung und Vorverkauf. Letzterer läuft sogar deutlich besser als in der Vorsaison, auch wenn er diesmal früher begonnen hat. 32 000 Karten wurden verkauft, 14 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vorigen Jahr. „Wir wissen, dass es bis Mai Situationen geben kann, die die Durchführung nicht garantieren“, sagt Kaminsky, „aber wir bewahren uns ein Stück Optimismus“ – auch oder gerade, weil die Lage in Sachen Coronavirus unsicher bleibt.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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