Was in fünf Jahren aus den Kasernen wurde

„Abzug der Amis war auch ein Segen“

Einer der größten Brocken bei der Umnutzung der früheren US-Kasernen wird die Umgestaltung der Pioneer-Kaserne in Wolfgang. Die Planungen sollen nun in Angriff genommen werden.
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Einer der größten Brocken bei der Umnutzung der früheren US-Kasernen wird die Umgestaltung der Pioneer-Kaserne in Wolfgang. Die Planungen sollen nun in Angriff genommen werden.

Hanau - Es war ein feierlicher Akt, mit dem die US-Armee vor fünf Jahren die letzte Flagge vor der Pioneer-Kaserne in Wolfgang eingeholt hat. Gut ein Dutzend Kasernengelände mit insgesamt 340 Hektar Fläche blieben von der einst größten US-Garnison Europas zurück.

Mittlerweise ist die Hälfte der Kasernen in eine zivile Nutzung übergegangen. Die Abzug der Amerikaner und der Schaffung neuer Wohngebiete bescherte der Brüder-Grimm-Stadt einen beachtlichen Zuzug. Um 3900 Einwohner ist Hanau seit 2010 gewachsen. Über 50 Jahre lang lebten in der Grimm-Stadt bis zu 30.000 Soldaten, Familienangehörige und US-Angestellten. Ihr Abzug hinterließ zunächst eine gähnende Leere - sowohl im übertragenen, als auch im wörtlichen Sinne. Gut ein Dutzend Kasernengelände fielen in die Planungshoheit der Stadt. Eigentümerin der Militärflächen wurde die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Die Umnutzung werde „eine wahre Mammutaufgabe“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky nach einer ersten ausführlichen Sichtung der Gelände in den Stadtteilen Lamboy, Wolfgang und Großauheim. Heute, fünf Jahre später, wird bereits mehr als die Hälfte der Fläche (177 Hektar) zivil genutzt. 580 neue Wohneinheiten und mehr als 550 neue Arbeitsplätze sind auf den ehemaligen Kasernengeländen bisher entstanden. Auf der Old Argonner-Kaserne werden 2014 mindestens 280 neue Wohneinheiten gebaut. Für die Pioneer-Kaserne mit 61 Hektar Gesamtfläche konkretisieren sich die Pläne. Derzeit prüft die Stadt die Möglichkeit, die Kaserne selbst zu kaufen und zu vermarkten (wir berichteten). In der ersten Jahreshälfte soll das baurechtliche Verfahren auf den Weg gebracht werden.

Umnutzung „eine wahre Mammutaufgabe

In einem „sagenhaften Tempo“, so OB Kaminsky, gehe die Kasernen-Umnutzung voran. „Wer hätte sich damals träumen lassen, dass wir in so kurzer Zeit so viel erreichen. Neben dem Innenstadt-Umbau habe sich die Entwicklung der Militärflächen als riesige Chance für Hanau und die Region erwiesen. Aus Sicht der Stadtentwicklung sei der Abzug der US-Armee ein Segen gewesen. Nach dem Abzug der US-Armee machte Kaminsky das Thema Konversion der Militärflächen zur Chefsache und Stadtentwicklungschef Martin Bieberle zum Konversionsbeauftragten, der die Verhandlungen mit der BImA und potenziellen Investoren führen sollte. Bereits im März 2009 unterschrieben die Stadt und die Bundesanstalt einen Kooperationsvertrag. Ein gemeinsamer Zeitplan, eine Vermarktungsstrategie und die Stadtentwicklungsziele wurden festgelegt. Hanau habe damit „eine Leuchtturmfunktion für ganz Deutschland übernommen“, lobte BImA-Vorstandsmitglied Axel Kunze. „Keine der Kommunen, mit denen wir bis dato zu tun hatten, hatte so klare Vorstellungen davon, was sie will.“

Neben der guten Zusammenarbeit mit der BImA nennt der Rathauschef die Kooperation mit privaten Investoren als weiteren elementaren Faktor für den Konversionserfolg. Den ersten Grundstückskauf tätigte die Stadt jedoch selbst. Noch im Dezember 2008 kaufte sie sieben Hektar Fläche und Fahrzeughallen auf der ehemaligen Hutier-Kaserne im Lamboy. Dort entstand das neue Gefahrenabwehrzentrum mit Hauptfeuerwache, Rotem Kreuz, Johanniter-Unfallhilfe und DLRG. Im Juni 2009 erwarb die Stadt zudem einen Teil der Old Argonner-Kaserne mit der ehemaligen Grundschule der US-Army. Nach Sanierung und Anbau eröffnete hier das neue Förderschulzentrum. Neben der Elisabeth-Schmitz-Schule entstand eine Kindertagesstätte.

Przewalski-Urwildpferde angesiedelt

Im September 2009 kam eine Nachricht, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte: In Kooperation mit dem Bundesforst, einer Unterabteilung der BImA, wurden die ersten Przewalski-Urwildpferde auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände „Campo Pond“ in Großauheim angesiedelt. Das Reservat ist Teil eines internationalen Zuchtprogramms, das den Fortbestand der fast ausgestorbenen Tiere sichert. Ein Jahr nach Abzug der Amerikaner meldeten Stadt und BImA den ersten großen Grundstücksverkauf an zwei lokale Investoren: Karl Wolf und Albrecht Krebs taten sich in der KW Projektsteuerung GmbH & Co zusammen und kauften das 35 Hektar große Areal der ehemaligen New Argonner-Kaserne. Hier entstanden 390 Wohneinheiten, die private Paul-Gerhardt-Schule mit Turnhalle sowie ein Einkaufs- und Geschäftszentrum.

2010 kaufte die Kronenberger Vermögensverwaltung dann acht Mehrfamilienhäuser der Cardwell-Siedlung im Stadtteil Lamboy und bot die 96 sanierten Wohneinheiten zur Miete und zum Kauf an. Zudem übernahm die Bauwert Rhein-Main GmbH aus Baden-Baden die Yorckhof-Kaserne und schuf dort unter dem Namen „Yorckhof Stadtvillen“ 83 neue Wohneinheiten. Im Oktober 2010 erwarb die R+S Solutions Holding AG zwei Gebäude der Hutier-Kaserne, die sie in Bürohäuser umwandelte. Ikea kaufte von der BImA 3,7 Hektar angrenzender Fläche als mögliche Erweiterungsfläche für sein Einrichtungshaus. Im Juni 2011 folgte der Verkauf eines ehemaligen Parkplatzes an die Berus GmbH, die dort elf Reihenhäuser baute. Im März 2012 unterschrieb die Firma R+S den Kaufvertrag für die restlichen sieben Gebäude der Hutier-Kaserne. Auf dem Hutier-Gelände hat sich mittlerweile auch das Autohaus Noe-Stang angesiedelt.

USS George Washington: Die Macht der Amis auf See

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Das Gebäude 903 an der Lamboystraße ging im Juni 2012 an Investor Ernst Hain. Er vermietete es an das Behindertenwerk Main-Kinzig, das dort im August letzten Jahres die Sophie-Scholl-Schule eröffnete. Im Frühjahr 2013 verkündeten Stadt und BImA den Verkauf der 17 Hektar großen Old Argonner-Kaserne an die Maiberg Wohnbau GmbH. Diese plant dort ab diesem Jahr 280 Wohneinheiten sowie eine kleine Gewerbeansiedlung. Rund 163 Hektar der ehemaligen US-Kasernen sind noch nicht in eine zivile Nutzung überführt. Größter Brocken: Die Pioneer-Kaserne in Wolfgang, für die nun die Pläne auf den Weg gebracht werden sollen. 

cs

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