Teil 3

Ahnenforschung für Anfänger: Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden im Internet

Im Tante-Emma-Laden: Heinrichs Frau Henriette Semmler (rechts) und meine Oma Anne-Marie Semmler um 1950 hinter dem Tresen ihres Milch- und Lebensmittelladens in Klein-Steinheim.
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Im Tante-Emma-Laden: Heinrichs Frau Henriette Semmler (rechts) und meine Oma Anne-Marie Semmler um 1950 hinter dem Tresen ihres Milch- und Lebensmittelladens in Klein-Steinheim.

Hanau – Ein klassischer Familienforscher hält sich am liebsten in Archiven auf, stöbert mit Baumwollhandschuhen und Lupe in Personenstandsurkunden, in Kirchenbüchern, in Protokollen und Akten.

Vor allem Personenstandurkunden sind die Forscherquellen schlechthin, zumindest bis zurück ins Jahr 1870. Es handelt sich dabei um die Geburts-, Heirats- oder Todesurkunden, die beim Standesamt für jeden Bewohner eines Ortes angelegt wurden.

Wenn ich das Geburts- oder Sterbedatum und -Ort einer Person kenne, kann ich die entsprechende Urkunde suchen. Sie verrät vieles: Wer waren die Eltern? Wo haben sie gelebt? Wer war der Ehepartner? Welchen Beruf hatte der Gesuchte und wo wohnte er genau? Manchmal enthält die Urkunde auch Daten zu den Kindern.

Ahnenforschung bequem im Internet möglich

Diese Quellen findet man tatsächlich auch ohne den Gang ins Archiv in großer Zahl und ganz bequem am heimischen Computer. Zumindest, wenn die gesuchte Person aus Hessen kommt. Auf der Webseite lagis-hessen.de (die Seite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen) sind sie herunterladbar. Und zwar kostenlos.

Gefunden: Die Geburtsurkunde von Heinrich Semmler in der Datenbank des Landesinformationssystems Lagis. Die Akte gibt auch Aufschluss über seine Eltern. Die Dokumente auf der Webseite lassen sich kostenlos herunterladen.

Es handelt sich um die Zweitschriften der Standesämter, die im Staatsarchiv Marburg gesammelt werden. Sie wurden alle digitalisiert. Auf Lagis.de finden noch viele weitere nützliche Informationen, beispielsweise historische Karten, ein Ortslexikon oder Quellen zum Ersten Weltkrieg.

Verschiedene Portale ermöglichen Suche nach Verwandten

Auch arcinsys.hessen.de ist eine empfehlenswerte Seite. Hier findet man ebenfalls digitalisierte Personenstandsurkunden. Alle Bestände der drei Hessischen Landesarchive in Darmstadt, Marburg und Wiesbaden können durchforstet und Dokumente nach einer Registrierung vorbestellt werden, um sie dann vor Ort einzusehen.

Die Suche in digitalisierten Quellen ist allerdings um einiges aufwendiger als bei den kostenpflichtigen Portalen wie Ancestry oder My Heritage. Während die nach der Eingabe der Suchbegriffe (Beispielsweise Name und Datum) automatisch nach der Urkunde suchen, muss man die Standesamtsbücher auf Lagis händisch „durchblättern“.

Familienforschung im Selbstversuch

Wer waren eigentlich meine Vorfahren? Das fragen sich viele Menschen und würden gerne mehr wissen. Aber oft scheitert es daran, dass man nicht so recht weiß, wie man es angehen soll. Eine HA-Redakteurin hat den Versuch gemacht – und ist ihren Ahnen auch schon vor dem ersten Archivbesuch ziemlich schnell auf die Spur gekommen. In den kommenden Wochen, immer montags, erzählt sie, wie sie vorgegangen ist und was sie über ihre Familie erfahren hat.

Teil 1: Einen Stammbaum erstellen

Teil 2: Der Spaß am Ordnen alter Fotos

Teil 3: Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden im Internet finden

Teil 4: Die Vielfalt der Familienforscher-Webseiten

Teil 5: Ein Besuch im Hanauer Stadtarchiv

Teil 6: Sehr speziell aber nützlich: Ortsfamilienbücher

Mit diesen Informationen lässt sich der Stammbaum nach und nach vervollständigen. Der Haken: Erst seit etwa 1870 führen Standesämter Deutschland diese Bücher. Alles zeitlich was davor liegt, ist in den Kirchenbüchern der Gemeinden festgehalten. Da wird die Heim-Recherche dann schon schwieriger. Dazu aber mehr in Teil 4 unserer Serie.

Wegen Datenschutz: Dokumente müssen bestimmte Anzahl von Jahren zurückliegen

Aus Datenschutzgründen sind auch neuere Dokumente nicht im Archiv zu finden. Die Geburt muss mindestens 110 Jahre, die Hochzeit 80 und der Tod 30 Jahre zurückliegen. Dokumente, die diese Zeitspanne nicht aufweisen, sind noch nicht archiviert. Sie liegen noch bei den zuständigen Standesämtern und können nur eingesehen werden, wenn der Forscher nachweisen kann, dass er in direkter Familienlinie zum Gesuchten steht. Oft wird auch eine saftige Gebühr verlangt (auch hierzu mehr beim nächsten Mal).

Hat man in den Büchern ein Familiendokument entdeckt, ist es nicht immer leicht, es zu entziffern: Die Urkunden vor dem Zweiten Weltkrieg sind per Hand ausgefüllt – und zu allem Übel in Sütterlin-Schreibschrift. Und so mancher Standesbeamte hatte eine echte „Sauklaue“. Ein ausgedrucktes Sütterlin-Alphabet zum Transkribieren ist da eine große Hilfe.

Stadtarchiv am Freiheitsplatz für Hanau zuständig

Nach dem Krieg hat man dann gerne eine Schreibmaschine benutzt, das macht die Sache leichter. Wer lieber analog arbeitet, kann die Bücher, am besten nach Vorbestellung, auch im Archiv durchforsten. Für Hanau und Ortsteile zum Beispiel ist das Stadtarchiv am Freiheitsplatz zuständig. Für kleinere Gemeinden im Kreis ist meist das Staatsarchiv in Marburg mit seinen Zweitschriften die richtige Adresse. Denn nicht jedes Gemeindearchiv, das ja die Originale hat, ist öffentlich zugänglich.

Standesamt-Urkunden im Internet finden:

Digitalisierte Personenstandsurkunden hessischer Einwohner (ab etwa 1870) sind unter folgenden, auch anderweitig lohnenden Webseiten zu finden:

» lagis-hessen.de (unter „Quellen“ auf „Hessische Geburten, Ehe-, Sterberegister“ klicken, dann Ortsnamen eingeben)

» arcinsys.hessen.de („Staatsarchive“, dann „Marburg“ klicken/ Navigator aktivieren/ „Personenstandsarchiv Hessen“ und dann gewünschten Landkreis anklicken, Navigator aktivieren)

Jede gefundene Urkunde ist für den Familienforscher ein Schatz, ein passendes Teil im großen Familienpuzzle. Fortan habe ich mich also jede freie Minute auf Schatzsuche begeben und meine Stammbaumdiagramme nach und nach mit Namen, Daten und Ereignissen gefüllt.

Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten Hinweise auf die Familie zu finden, und das sogar ohne Gang ins Archiv. Dazu mehr dazu im nächsten Teil.

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