Stadt Hanau: permanentes Einstellen auf neue Verordnungen/Schließung kompletter Einrichtungen verhindern

Aktuelle Regelungen in den Kitas

Hanau – „Es ist eine sehr außergewöhnliche Situation mit sehr viel Verantwortung“ bringt die Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten der Stadt Hanau, Astrid Weiermann, die aktuelle Lage in den Kitas auf den Punkt.

Permanent gelte es, sich in neue Verordnungen einzulesen, 18 seien es mittlerweile. „Für uns ist fast nichts wie vorher. Aber im besten Falle bekommen das die Kinder und Familien nicht so sehr mit“, beschreibt Weiermann die momentane Situation, in der es gilt, neben der Einhaltung der Hygieneregeln etwa die Dienstpläne anzupassen oder die Gruppen neu zusammenzusetzen. Ein Überblick über die aktuelle Situation:

Was sind die derzeitigen Regelungen?

Priorität hat, die Kindertagesstätten zum Wohl der Kinder und ihrer Familien weiterhin offen zu halten und zugleich einen maximalen Gesundheitsschutz für Kinder und Personal zu gewährleisten. Zudem soll eine zuverlässige und möglichst planbare Betreuungszeit, insbesondere für berufstätige Eltern, angeboten werden. Die Schließung ganzer Einrichtungen muss nach Möglichkeit vermieden werden, sagt Weiermann. Damit dies gelingt und damit das Gesundheitsamt die Kontakte innerhalb einer Kindertagesstätte nachverfolgen kann, ist eine strikte Gruppentrennung erforderlich. Bei bestätigten Coronainfektionen reicht es dann meist, nur die betroffene Gruppe zu schließen, in der die Infektion aufgetreten ist und nicht die ganze Einrichtung.

Was bedeutet das für den Kita-Alltag?

Jede Gruppe, so Weiermann, muss die erforderliche Öffnungszeit im eingeschränkten Regelbetrieb von 7.30 bis 15.30 Uhr mit dem eigenen Gruppenpersonal gewährleisten. Es gibt keine übergreifenden Spätdienste, keine Vertretungssysteme und keine Gruppenzusammenlegungen mehr. Die vorhandenen Personalstunden können also nicht übergreifend über einen Gesamtdienstplan für das ganze Haus genutzt werden. Eine Öffnungszeit von 50 Wochenstunden, wie unter normalen Umständen, ist nicht mehr leistbar.

Wie sind jetzt die Tagesabläufe gestaltet?

Sämtliche Alltagsabläufe wie zum Beispiel Frühstück, Mittagsschlaf oder der Snack am Nachmittag muss nun in jeder Gruppe angeboten werden. Das stellt laut Weiermann viele Kitas nicht nur vor personelle Schwierigkeiten, sondern auch vor räumliche Probleme, da nicht genügend Einzelräume zur Verfügung stehen. Bei einer Doppelnutzung von Räumen am Nachmittag müssen die Erzieher*innen die Fläche desinfizieren und vorher lüften.

Wie viele Gruppen sind derzeit coronabedingt geschlossen?

Stand 19. November sind laut städtischer Pressestelle in Hanau 16 Gruppen und vier Familientagesbetreuungsstellen nach behördlicher Anordnung geschlossen. Das heißt, insgesamt wurden rund 300 Kinder und ihre Familien sowohl in städtischen Kitas wie auch in Kitas in freier Trägerschaft vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. Neben den Quarantäne-Maßnahmen gibt es für Erzieher auch Tätigkeitsverbote, die andere Gründe haben. Deshalb bedeutet es eine ungeheure Kraftanstrengung, bei diesen Rahmenbedingungen eine zuverlässige Kinderbetreuung anzubieten. Einzig und allein der hohen Verantwortungsbereitschaft und der Flexibilität der Fachkräfte und Leitungen in den Einrichtungen ist es laut Weiermann zu verdanken, dass Gruppen offen gehalten werden können. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass bei den schwindenden Personalressourcen weitere Schließungen aufgrund von Personalengpässen folgen werden.

Sind der Stadt Hanau Eltern/Alleinerziehende mit Betreuungsproblemen bekannt?

„Einige Familien (eine Zahl im einstelligen Bereich) haben sich an uns gewandt, weil sie Betreuungsprobleme haben, die sich auf ihre Berufstätigkeit auswirken“, sagt Weiermann. Manche Situationen haben sich aufgelöst, weil die Familien dachten, dass sie als systemrelevante Familien wie im Frühjahr einen Anspruch auf eine Notbetreuung haben. „Es gab aber auch zum Beispiel einen sehr verärgerten Vater, der aktuell im Homeoffice ist, der es als Zumutung empfindet, noch im Homeoffice weiterarbeiten zu müssen, nachdem das Kind aus der Kita abgeholt werden musste“, so die Eigenbetriebsleiterin. Den Ansatz der Systemrelevanz als Merkmal für Kinderbetreuung gibt es aktuell nicht. Alle berufstätigen Familien stehen im Moment vor der gleichen Herausforderung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei nur acht Stunden sichergestellter Betreuungszeit umzusetzen. Da sind auch die Arbeitgeber gefordert, Flexibilität zu zeigen.

Gibt es einen Notdienst beziehungsweise kann den Eltern, die Probleme durch die verkürzten Öffnungszeiten haben, geholfen werden?

Es gibt einzelne Tage oder nachweisbare, durch die Arbeitgeber belegte besondere Zeiten, die außerhalb der Öffnungszeit gebraucht werden. Für diese besonderen Einzelfälle konnten gemeinsam Lösungen gefunden werden. „An dieser Stelle ein Dank an alle verantwortlichen Unternehmen, die eigenständig und innovativ Lösungen für ihre Mitarbeiter*innen finden“, so Weiermann.

Sind die verkürzten Öffnungszeiten so vorgeschrieben?

Das Gesundheitsamt fordert von den Kitas eine Betreuung mit nachvollziehbaren Kontaktketten und einer strikten Trennung der einzelnen Gruppen. Bei einem positiven Corona-Fall in einer Einrichtung hat die Kita dem Gesundheitsamt Listen zur Verfügung zu stellen, die die Kontakte eines Kindes oder einer Fachkraft mit anderen Kindern und dem Personal für die letzten 48 Stunden aufführt. Die Öffnungszeit hat sich aus der Nutzung der Betreuungszeiten der Familien im Normalbetrieb ergeben. Kitas in Hanau werden am intensivsten in der Zeit von 7.15 bis 16 Uhr genutzt.

Von Kerstin Biehl

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