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„Aladin und die Wunderlampe“ sorgt für gute Laune bei Festspielpremiere

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Von: Kerstin Biehl, Yvonne Backhaus-Arnold

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„Dein Wunsch sei mir Befehl“, spricht der Dschinn (Julian M. Boine), der Geist aus der Wunderlampe, und schon steht nicht nur köstliches Essen auf dem Tisch, auch einen pompösen Palast für die Prinzessin zaubert er her.
„Dein Wunsch sei mir Befehl“, spricht der Dschinn (Julian M. Boine), der Geist aus der Wunderlampe, und schon steht nicht nur köstliches Essen auf dem Tisch, auch einen pompösen Palast für die Prinzessin zaubert er her. © -

Clara, Franziska und Constantin sind begeistert. Der Achtjährige und seine beiden zehn und zwölf Jahre alten Schwestern sind extra aus dem Saarland angereist, um „Aladin und die Wunderlampe“ zu sehen. Seit acht Jahren kommen Anne und Michael Arweiler mit ihren Kindern nach Hanau. Sie suchen sich ein Wochenende aus, an dem zwei Stücke gespielt werden.

Hanau – Und wie hat ihnen „Aladin“ gefallen? „Super“, sagt Clara. Sie fand das Stück toll und auch alle Schauspieler. Besonders gefallen hat ihr der Dschinn. Der Geist aus Flasche ist der Liebling des Publikums, das am Samstagabend im ausverkauften Amphitheater eine unterhaltsame und kurzweilige Inszenierung erlebte.

Das bewährte Bühnenkonzept mit zwei Ebenen und drehbaren Elementen präsentiert sich zunächst in recht schlichter Kulisse. So kommen die schillernden Kostüme, orientalisch glitzernd und herrlich bunt, wunderbar zur Geltung (dickes Lob an Anke Küper und Kerstin Laackmann, die die großen Fußspuren ihrer Vorgängerin Ulla Röhrs würdevoll ausfüllen).

Eine lustig verschnupfte Wahrsagekugel gibt dem Publikum gleich zu Beginn einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden zwei Stunden (inklusive Pause) geschehen wird: Ein Junge, reinen Herzens, wird in eine Höhle steigen und dort eine Wunderlampe finden. „Wer die Lampe berührt, beherrscht die ganze Welt. Ihr Geist kann Wünsche erfüllen“, so das Versprechen. Tja, so eine Lampe hätte wohl jeder gern. Erst recht ein Bösewicht wie der Zauberer Sihr Fassad (Dieter Gring verkörpert den Unhold überzeugend). Der sucht sich, um ans Zaubergerät zu gelangen, den jungen Aladin (einem strahlenden Marcus Abdel-Messih scheint die Rolle wie auf den Leib geschneidert).

Doch der durchtriebene Plan geht nicht auf. Aladin, der in der Höhle (Bühnenbildner Hans Winkler hat ihn in diese von der ersten Bühnenebene über eine Leiter in die untere Etage hinabsteigen lassen) eine verzauberte Meerkatze kennenlernt (Applaus für Kristina Willmaser), wird Herr der Lampe, reibt an ihr: ein Knall, ein Feuerwerk – und Auftritt für den Dschinn (Julian M. Boine). Blau an Kleidung und Haut, mit hoch aufragendem Zopf und witziger Art trällert dieser: „Hier ist Dschinn, Dein Hauptgewinn.“ Auch wenn Aladins Mutter Leila (Barbara Bach, solide und gefällig wie eh und je) befindet: „Allah steh’ uns bei. Was ist denn das für ein hässliches Wesen?“

Ein paralleler Handlungsstrang, auf der oberen Etage der Bühne angesiedelt, entführt unterdessen in den mit vielen liebevollen Details gestalteten Palast des Sultans (wie immer bravourös: Helmut Potthoff). Der Herrscher sitzt der Täuschung Sihr Fassads auf, der sich als Wesir in den Palast geschmuggelt hat und dem die Hand der Prinzessin Sherhazad (Victoria Grace Findlay, schönstes Kostüm und tolle Bauchtanzkünste) versprochen ist. „Ich habe Angst vor ihm, er hat den bösen Blick“, vertraut sie ihrem Lehrer Suleiman (mit herrlich trockenem Humor: Detlev Nyga) an. Ihn überredet sie zudem, einen Ausflug aus den Palastmauern in die Stadt zu machen. Dort trifft sie auf Aladin. Was dann passiert, kann man sich denken: Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Doch jetzt gilt es für die Liebenden, zahlreiche Hürden zu meistern und vor allem, den Bösewicht Sihr Fassad („Meine Rache wird grausam sein“) auszuschalten, der im Lauf des Stücks tatsächlich an die Wunderlampe gelangen wird. Mithilfe eines fliegenden Teppichs, guten Mutes und einer großen Portion Dschinn-Zauber stellt sich Aladin schier unlösbaren Aufgaben und zählt dabei auf Kismet, das Schicksal, das es hoffentlich gut mit ihm meint. Und für den Dschinn gibt es zum Schluss auch noch eine ganz besondere Überraschung.

Nah am Original ist Regisseur und Autor Frank-Lorenz Engel geblieben. Farbenfroh ist die Welt des Orients, die er gezaubert hat, geheimnisvoll und fantastisch. Gespickt mit Gute-Laune-Songs wie „Kismet, das Schicksal meint es gut mit mir“ oder „Wenn Du lächelst, geht die Sonne auf.“

Die „Märchen aus 1001 Nacht“ gehören zu einer arabischen Sammlung, die etwa 900 nach Christus entstand. Die schöne Scheherazade erzählte dem Kalifen von Bagdad 1001 Nacht lang faszinierende Geschichten und gewann so das Herz des Herrschers. Neben „Aladin“ sind „Sindbad“ sowie „Ali Baba und die 40 Räuber“ die wohl bekanntesten Geschichten aus 1001 Nacht.

Auch in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Grimms gibt es den Geist aus der Flasche in „Das blaue Licht“. Ein tapferer Soldat ist die Hauptfigur dieses Märchens. Der Däne Hans Christian Andersen hat eine andere Variante der Geschichte in „Das Feuerzeug“ erzählt. Bei den Grimms erfüllt ein Männlein die Wünsche, bei Andersen sind es drei märchenhaften Hunde.

Familie Arweiler hat sich am Sonntag noch das Musical „Drosselbart!“ angeschaut. Und nächstes Jahr, da wollen sie wiederkommen.

Weitere Aufführungen

finden statt am Mittwoch, 25. Mai, um 18.30 Uhr und am Donnerstag, 26. Mai, um 14 sowie um 18.30 Uhr.

Von Yvonne Backhaus-Arnold und Kerstin Biehl

Orientalischer Bauchtanz: Nicht nur die Prinzessin begeistert mit galantem Hüftschwung, alle Darsteller sind im Bauchkreisen geübt.
Orientalischer Bauchtanz: Nicht nur die Prinzessin begeistert mit galantem Hüftschwung, alle Darsteller sind im Bauchkreisen geübt. © patrick scheiber
Liebe auf den ersten Blick zwischen Prinzessin Sherazad (Victoria Grace Findlay) und Aladin (Marcus Abdel-Messih).
Liebe auf den ersten Blick zwischen Prinzessin Sherazad (Victoria Grace Findlay) und Aladin (Marcus Abdel-Messih). © -
Volles Haus am Premierentag: Die Ränge des Amphitheaters sind bis auf wenige Plätze gefüllt. Unter den Zuschauern sind auch viele Kinder.
Volles Haus am Premierentag: Die Ränge des Amphitheaters sind bis auf wenige Plätze gefüllt. Unter den Zuschauern sind auch viele Kinder. © -
Zwei Festspiel-Urgesteine: Dieter Gring (links) als durch und durch böser Sihr Fassad, und Helmut Potthoff als Sultan , der zunächst der List des Zauberers aufsitzt.
Zwei Festspiel-Urgesteine: Dieter Gring (links) als durch und durch böser Sihr Fassad, und Helmut Potthoff als Sultan , der zunächst der List des Zauberers aufsitzt. © -
Brüder-Grimm-Festspiele
Brüder-Grimm-Festspiele © -

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